Bonobo - Fragments

Ninja Tune / Rough Trade
VÖ: 14.01.2022
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Der nächste Tanz

Simon Green hätte mühelos auch Singer-Songwriter mit der Gitarre in der Hand werden können. Sein Vater war in der Folk-Szene verwurzelt, das musikalische Vorbild in der Familie also schon vorhanden. Zudem lernte Green früh das Handwerk an der Sechssaitigen und am Klavier. Ausgetretenen Pfaden zu folgen, liegt aber nun wahrlich nicht jedem Sprössling und so beschritt auch der in Leeds Geborene unter dem Namen Bonobo eigene Wege. Seit dem Jahr 2000 und damit schon seit über zwei Jahrzehnten legt der versierte Soundtüftler Album um Album vor und erreichte mit "Migration" im Jahr 2017 den vorläufigen Höhepunkt nicht nur seines künstlerischen Schaffens, sondern auch seiner Popularität.

Sein siebter Streich "Fragments" rüttelt nun mit Macht am Thron des Vorgängers. Green, der wie so viele andere zunächst die Ruhe in Pandemiezeiten durchaus zu schätzen wusste und sich in der Folge mehr und mehr eingeengt fühlte, hat sich über viele Monate mit jedem noch so kleinen Detail der zwölf Kapitel befasst und sie zu einem großen Ganzen zusammengefügt. Von den titelgebenden "Fragments", Stückwerken also, ist die Angelegenheit dabei meilenweit entfernt. Vom ruhigen, atmosphärischen Intro "Polyghost" mit dem amerikanischen Multiinstrumentalisten Miguel Atwood-Ferguson bis hin zum abschließenden "Day by day" zusammen mit Kadhja Bonet breitet der Brite einen mal entspannten, mal betont mitreißenden Klangteppich aus, der sich tief in den Gehörgang hineinarbeitet und es sich dort ausgiebig gemütlich macht.

Und Green werkelt nicht alleine vor sich hin, ganz im Gegenteil: Er hat sich bewusst Gäste hinzugeholt, wenngleich das zumeist auf Distanz geschah, was jedoch keine klanglichen Gräben zwischen den Beteiligten erkennen lässt. In "Shadows" beispielsweise holen er und Jordan Rakei die Zuhörerschaft aus dem loungigen Auftakt heraus und führen sie hinaus auf die Straße, um einfach nur zu tanzen. Eine Art Frühlingserwachen mitten im Winter, das "Rosewood" kunstvoll fortsetzt. "Otomo" leitet mit famosem Groove und mithilfe des Londoner Produzenten O'Flynn über zum herausragenden "Tides", das deutlich macht, wie ernst Green es mit den Gastauftritten meint. Jamila Woods rückt hier in den Mittelpunkt und führt das Ganze vorübergehend in anderes, höchst ansprechendes Fahrwasser.

Und auch im weiteren Verlauf bleibt es ein beglückendes Unterfangen, Simon Green bei der Arbeit zuzuhören. Denn eines ist klar: Arbeit steckt in diesem Album im Übermaß. Diese nicht zu unterschätzenden Anstrengungen so unbeschwert klingen zu lassen, ist nur eines seiner Verdienste. Ein anderes: Fans der Elektromusik nicht zu unter- und etwaige Skeptiker nicht zu überfordern. Der Perfektionierung seines musikalischen Wirkens ist er mit "Fragments" jedenfalls ein großes Stück näher gekommen.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Otomo (feat. O'Flynn)
  • Age of phase
  • Sapien

Tracklist

  1. Polyghost (feat. Miguel Atwood-Ferguson)
  2. Shadows (feat. Jordan Rakei)
  3. Rosewood
  4. Otomo (feat. O'Flynn)
  5. Tides (feat. Jamila Woods)
  6. Elysian
  7. Closer
  8. Age of phase
  9. From you (feat. Joji)
  10. Counterpart
  11. Sapien
  12. Day by day (feat. Kadhja Bonet)
Gesamtspielzeit: 51:32 min

Im Forum kommentieren

Enrico Palazzo

2022-01-24 15:00:51

Musikexpress hat 4 Sterne gegeben.

velvet cacoon

2022-01-24 14:33:25

ich finde manchmal kriegt es laut.de besser hin und manchmal PT.

sizeofanocean

2022-01-19 20:25:22

naja, wer nimmt laut.de schon ernst?!

ichreitepferd

2022-01-19 18:00:15

was ein Verriss, schlimmer als bei P4k haha

liest sich bei hhv oder beim the guardian deutlich anders =D

Klaus

2022-01-19 16:36:13

Definitiv ein schönes Album fürs Homeoffice ;)

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