Ekkstacy - Negative

Ekkstacy / United Masters
VÖ: 12.11.2021
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
9/10

Düstere Aussicht

Diese Jugend heutzutage! Früher war es so einfach, sie in Schubladen zu stecken. Da konnte man an den tiefsitzenden Baggies, dem Kajal oder der Jeansjacke mit Patches schnell ablesen, was für Musik die (Post-)Pubertierenden wohl gerade auf ihren MP3-Player gezogen haben. Aber heute? Da hat man keine Ahnung, ob die bunten Haare nun Soundcloud-Rap oder Punk sind und ob die Plateauschuhe Goth oder Hyper-Pop bedeuten. Ein Graus für jeden Verwalter und Bürokraten, der brav alles nummerieren und abheften will.

Ekkstacy zum Beispiel: Der 19-jährige Kanadier sieht mit seinen Gesichtstattoos aus, als wäre er das jüngste Signing der Suicideboys. Und dann findet man auf seinem Album "Negative" ungefähr 25 Sekunden Trap-Drums in einem Outro kurz vor Schluss. Stattdessen Uptempo-80s-Synth, der vielleicht Steve Bronski an grauen Tagen gefallen hätte und die Gitarrennummer "For forever", die nicht nur vom Titel an Bon Iver erinnert. Eine Runde setzt Ekkstacy sich auch noch ans Klavier, schlägt unmotiviert hier und da mal an und verabschiedet sich widerwillig: "I don't wanna say goodbye, but goodbye."

In den nur 17 Minuten auf "Negative" bleibt es dabei durchgängig düster, selbst wenn die Beats irritierend zum Wippen aufrufen – ein Test vielleicht. Der omnipräsente Reverb lässt keinen Zweifel daran, dass hier die nötige Distanz gehalten werden soll. Es ist Kontext genug, dass vergangener Rauschmittelkonsum und ein Suizidversuch des jungen Erwachsenen offen kommuniziert werden. An alles weitere kann man sich rantasten. Mehr ist "Negative" nämlich auch nicht, als ein vorsichtiges, aber erfolgreiches Herantasten an einen jungen Künstler, der selbst übrigens Elliott Smith und The Drums als Inspirationen heranzieht.

In welche Schublade steckt man Ekkstacy nun also? Ein paar musikalische Parallelen kann man sicher zum (menschlich) problematischen XXXTentacion finden. Aber auch für Fans von Corbin findet sich hier etwas, und wer vor dessen letzten Album ein Fan von Nothing, Nowhere war, der wird auch glücklich. Und wie man so nach Vergleichen sucht und sich durch die Schwarz-Weiß-Ästhetik der Videos und Fotos klickt, fällt einem auf: Das passt so schon ganz gut. Und eigentlich weiß am Ende doch eh keiner mehr so genau, was er in welche Schublade getan hat.

(Arne Lehrke)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • I walk this Earth all by myself
  • It only gets worse, I promise
  • But there is always hatred

Tracklist

  1. I walk this Earth all by myself
  2. Then I met her
  3. It only gets worse, I promise
  4. I want to be by your side
  5. For forever
  6. But there is always hatred
  7. In love
Gesamtspielzeit: 17:19 min

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Armin

2022-01-04 20:01:02- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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