Bachelor - Doomin' sun

Lucky Number / Rough Trade
VÖ: 28.05.2021
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Perlen vor die Säue

Fehler sind dazu da, um sie zu wiederholen. Ist doch klar. Und darum haben wir erneut eine Platte der wunderbaren Jay Som verpennt. Im Sommer 2019 ist uns schon ihr viel gelobtes Album "Anak ko" durch die Lappen gegangen, das wir dann später in unseren alljährlichen Dezember-Specials als "Vergessene Perle" nachreichten. Und weil es so schön war, ist uns das 2021 erneut passiert. Dieses Mal handelt es sich jedoch nicht um eine Soloplatte von Jay Som, sondern um ihre Kollaboration mit der Palehound-Frontfrau Ellen Kempner. Gemeinsam haben die beiden Künstlerinnen unter dem, nun ja, eher wenig sagenden Moniker Bachelor ein feines, konzentriertes Indierock-Debütalbum veröffentlicht, das man sich im Idealfall wirklich nicht entgehen lassen sollte. "Doomin' sun" ist ohne Übertreibung wohl die frischeste Versuchung, seit es Schrammelgitarren und Bedroom-Pop gibt. Denn hier bekommt man einfach die Kombination aus beidem.

Das Album beginnt mit dem lässig in der Nachmittagssonne vor sich hin schmelzenden "Back of my hand", das vom melancholischen Zwiegesang der beiden Künstlerinnen getragen wird. Der Sound ist auf nonchalante Art lakonisch, erinnert an die frühe Courtney Barnett ohne deren ironisch gebrochene Fabulierfreude. Besonders schön ist dann in der Folge die leiernde Miniatur "Sand angel": Bachelor nehmen hier die Dynamik komplett raus, der Song schleppt sich so motiviert durch seine nicht einmal zweieinhalb Minuten Spieldauer wie schwitzende Teenager durch eine Doppelstunde Infinitesimalrechnung an einem Nachmittag mit Freibadwetter. Die Schönheit im Kleinen: Jay Som und Kempner finden und kultivieren sie auf beeindruckend nachlässige Art. Laut und schmutzig wird's dann mit dem Smasher "Stay in the car": Freunde der seligen Neunzigerjahre sollten sich diesen Song dringend in ihre Sadgasm-Playlist zwischen The Breeders und Pixies stopfen.

"Anything at all" hätte mit seinen Stop-and-Go-Gitarren und dem lieblichen Gesang wirklich das Zeug zum Werbehit für, zum Beispiel, High-Speed-Internet, würden Bachelor den Song zum Ende hin nicht mit aller Lust am Lärm gegen die Wand fahren. Konsequente Haltung der beiden Künstlerinnen, die sich ungern festnageln lassen. Das merkt man auch an der stilistischen Vielfalt: Während sich die von einer Klaviermelodie getragene, schaurig-traurige Ballade "Aurora" zu einem absoluten Highlight aufschwingt, überzeugt der finale Titeltrack mit Fingerpickung und knisternder Lagerfeuerstimmung. Die meisten Songs eint die zarte Melancholie, die ihnen innewohnt, eine jugendliche Schwermut, die gelegentlich von euphorischen Schüben unterbrochen wird. Ebenjene rühren wohl vor allem daher, dass man hier nicht einer stinknormalen Band lauscht, sondern zwei Freundinnen, die das gemeinsame Musizieren für sich als Qualitytime begreifen. Und uns damit, wenn auch verspätet, wirklich begeistern.

(Und das mit diesen verspäteten Rezensionen am Jahresende ... Kommt nicht wieder vor. Fast versprochen.)

(Kevin Holtmann)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Sand angel
  • Stay in the car
  • Aurora

Tracklist

  1. Back of my hand
  2. Sand angel
  3. Stay in the car
  4. Went out without you
  5. Spin out
  6. Anything at all
  7. Moon
  8. Sick of spiraling
  9. Aurora
  10. Doomin' sun
Gesamtspielzeit: 33:29 min

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saihttam

2022-01-14 02:01:35

Gutes Ding! Hat im Sommer viel Spaß bereitet.

Armin

2022-01-04 19:54:40- Newsbeitrag

Frisch verspätet rezensiert. Als "Vergessene Perle 2021".

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