Roxette - Joyride (30th anniversary edition)

Warner
VÖ: 26.11.2021
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

So perfekt

In der Eurodance-Geisterbahn der frühen Neunziger waren Roxette sowas wie die großen Geschwister, die einem beruhigend die Hand hielten, wenn es zu gruselig wurde – was sehr oft vorkam. Marie Fredriksson und Per Gessle machten den musikalischen Schreckensritt durch die Charts im wahrsten Sinne zum "Joyride". Genau 30 Jahre ist das jetzt her.

Wie die Band heute musikalisch wirkt, kann man nun auf "Joyride (30th anniversary edition)" nachhören. Neben reichlich Demoversionen und Livemitschnitten bietet die Box zwölf bisher unveröffentlichte Aufnahmen. Dazu gibt es ein 32-seitiges Booklet mit Hintergrundinfos und sehr schönen Bildern. Herzstück der Edition ist die komplette Platte von 1991. "Joyride" also. Könnte man sich jetzt einfach machen und in einer einzigen Zeile sagen, worum es in allem geht und was das alles auslöst: "Hello, you fool. I love you!"

Und es gibt ihn wirklich – diesen Roxette-Moment, der sich in jedem Song aufbaut und der genauso wiedererkennbar wie überraschend ist. Egal ob in Partytracks wie "The big L" oder in Balladen wie "Spending my time": Es ist die große Liebeskrise, die Roxette in ihren Liedern auskurieren. Und jedes Mal treffen sie diese eine Stelle. Die, die richtig wehtut und die so kompliziert wirkt, als wüsste niemand so genau, was da grade passiert und schon gar nicht, was dagegen hilft. Genau auf diese Wunde streichen Roxette ihre Songs, wie ein wundersames Elixier, mit dem sich alles heilsam und manchmal sogar tanzbar anfühlt.

Großspurig könnte man sagen: Roxette hat vielen, die in den Achtzigern geboren wurden, eine erste Idee davon gegeben, wie es ist, verliebt zu sein. Das Duo hat einen großartigen Soundtrack geliefert. Nicht für eine abgedroschene College-Serie, sondern fürs echte Leben. Klar, die Optik von Marie und Per, die Melodien ihrer Musik: Das war alles viel zu perfekt, um einfach nebenan zu passieren. Aber die Größe von "Joyride" lag und liegt auch heute noch daran, dass die Songs Perfektion nicht als etwas Einschüchterndes zeigen, sondern wie etwas, das ganz nah sein kann.

Was, fern von jugendlicher Verklärung, bietet die Musik von Roxette heute noch? Die Lyrics auf "Joyride" waren und sind bis auf einige Ausnahmen Konfektionsware. Es sind ganz klar die Melodien, die noch immer ungebremst strahlen. In den Hits sowieso, aber auch auf Albumlänge. "Joyride" ist gespickt mit potenziellen Singles, die nie ausgekoppelt wurden, wie etwa "Watercolours in the rain" oder "Small talk". Mit "The sweet hello, the sad goodbye" hat es sogar ein veritabler Charterfolg, den später Thomas Anders und Belinda Carlisle für sich verwenden sollten, nicht mal auf das Album geschafft.

"The sweet hello, the sad goodbye" steht auch exemplarisch für den Mehrwert, den "Joyride (30th anniversary edition)" gegenüber dem bloßen Album bietet. Hits und Lieder aus der zweiten Reihe sind in ihrer gesamten Entwicklung hörbar. Dabei zeigt sich auch, wie unterschiedlich sich Per und Marie an die Songs angenähert haben und wie präzise sie ihren stimmlichen Kontrast abgestimmt haben. Marie singt voller Zerbrechlichkeit, Kraft und Klarheit. Und Per klingt ein bisschen wie Bob Dylan, der als Michael Jackson verkleidet für ein 80er-Vampirmusical vorsingt. Bis heute funktioniert das alles ganz großartig.

Da Marie Fredriksson 2019 verstorben ist, wird es neues Material von Roxette traurigerweise wenn dann nur noch aus dem Archiv geben. Und auch wenn es da nach "Joyride (30th anniversary edition)" nicht mehr allzu viel Material gibt: Das Album nochmal auf Repeat zu hören, bleibt immer eine Option. Weiß man ja spätestens seit dem Titeltrack. "Cause it all begins again / Where it ends."

(Dominik Steiner)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Joyride
  • Fading like a flower (Every time you leave)
  • Spending my time

Tracklist

  • CD 1
    1. Joyride
    2. Hotblooded
    3. Fading like a flower (Every time you leave)
    4. Knockin' on every door
    5. Spending my time
    6. I remember you
    7. Watercolours in the rain
    8. The big L.
    9. Soul deep
    10. (Do you get) Excited?
    11. Church of your heart
    12. Small talk
    13. Physical fascination
    14. Things will never be the same
    15. Perfect day
    16. The sweet hello, the sad goodbye
    17. Joyride (US single version, Brian Malouf mix)
    18. Fading like a flower (Every time you leave) (US single version, Humberto Gatica mix)
    19. Soul deep (Tom Lord-Alge mix)
    20. Church of your heart (US adult contemporary mix)
  • CD 2
    1. Joyride (T&A demo – May 23, 1990)
    2. Hotblooded (T&A demo – Jan 23, 1990)
    3. Fading like a flower (T&A demo – Aug 31, 1990)
    4. Knockin' on every door (T&A demo – Aug 15, 1989)
    5. Spending my time (T&A demo – May 24, 1990)
    6. I remember you (T&A demo – Apr 1, 1990)
    7. Watercolours in the rain (T&A demo – Jan 24, 1990)
    8. The big L. (T&A demo – Apr 1, 1990)
    9. (Do you get) Excited? (T&A demo – Aug 19, 1989)
    10. Small talk (T&A demo – Aug 30, 1990)
    11. Church of your heart (T&A demo – Jan 8, 1990)
    12. Physical fascination (T&A demo – Jan 3, 1990)
    13. Things will never be the same (T&A demo – Jun 17, 1989)
    14. Perfect day (T&A demo – Aug 23, 1990)
  • CD 3
    1. Sweet thing (T&A demo – Oct 28, 1990)
    2. Seduce me (T&A demo – Aug 22, 1990)
    3. Run run run (T&A demo – Jan 10, 1990)
    4. Things will never be the same (T&A demo – Sep 17, 1989)
    5. Love spins (T&A demo – Jan 3, 1990)
    6. Come back (Before you leave) (T&A demo – Apr 8, 1990)
    7. The sweet hello, the sad goodbye (T&A demo – Mar 16, 1990)
    8. Hotblooded (T&A demo – Dec 13, 1990)
    9. Things will never be the same (T&A demo – Dec 13, 1990)
    10. Another place, another time (T&A demo – Jan 11, 1990)
    11. I remember you (T&A demo – Mar 15, 1990)
    12. Queen of rain (T&A demo – Jan 2, 1990)
    13. The big L. (T&A demo – Mar 29, 1990)
    14. Joyrider (T&A demo – May 22, 1990)
    15. Hotblooded (Live Sydney Dec 1991)
    16. Fading like a flower (Every time you leave) (Live Sydney Dec 1991)
Gesamtspielzeit: 193:25 min

Im Forum kommentieren

musie

2021-12-13 19:40:04

Bei CrashBoomBang fand ich den Titelsong super, insgesamt auf Albumlänge wohl nicht mehr ganz so gut wie Joyride und das auf der dazugehörigen Tour entstandene Tourism…

ijb

2021-12-13 18:56:30

Die zwei grossen Pop/Rock-Alben von 1991: Joyride und Waking Up The Neighbours. Kurz danach kam dann Metal, Crossover und Punk in mein Leben. Gute Erinnerungen.

SAME HERE!
[...bin allerdings danach eher in Richtung Art/Rock (Bowie, "Achtung Baby", "Zooropa", Patti Smith, PJ Harvey, Tindersticks) und Elektro-Zeug (Warp, Prodigy...) und dann auch Drum&Bass weitergezogen statt zu Metal/Crossover/Punk.]

Allerdings hab ich dann (1991) auch schon "Use Your Illusion" rauf und runter gehört.
Und "Innuendo" von Queen.
Zwei (bzw. drei) weitere große Pop/Rock-Alben 1991.


@ musie
Sehr ich ähnlich.
Auf "18 Til I Die" gab's aber noch ein paar tolle Rocknummern. Aber die immergleichen Schnulzen waren schon echt nervig.
"Tourism" hab ich auch noch sehr viel gehört, aber bei "Crash Boom Bang" war ich ziemlich raus. Das fand ich total enttäuschend, substanzlos sozusagen (und das will was heißen, bei einer Band, die jetzt nie durch tiefschürfende Texte und Musik aufgetrumpft hat...)

musie

2021-12-13 09:51:46

Waking Up The Neighbours, der Anfang vom Ende von Bryan Adams... Der Sound von Mutt Lange auf Radiotauglichkeit verschmalzt und verwurstet. Dabei war das Vorgängeralbum Into the Fire so ein starkes Album.

Von Waking up... hebt sich Joyride ab. Jedenfalls für mich. Auch die Tourism und Crash!Boom!Bang! danach mag ich ganz gerne, während es bei Bryan Adams immer steiler bergab ging.

Nummer Neun

2021-12-13 08:55:38

Oh Waking Up The Neighbours. Die lief bei mir damals auch rauf und runter und das ziemlich laut. Gruß an meine Eltern, es tut mit leid :D

fakeboy

2021-12-12 11:59:11

Die zwei grossen Pop/Rock-Alben von 1991: Joyride und Waking Up The Neighbours. Kurz danach kam dann Metal, Crossover und Punk in mein Leben. Gute Erinnerungen. Die Box braucht es trotzdem nicht :-)

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