Max Giesinger - Vier

BMG / Warner
VÖ: 12.11.2021
Unsere Bewertung: 4/10
4/10
Eure Ø-Bewertung: 3/10
3/10

Netter Junge, aber

Muss man Max Giesinger noch erklären? Der Sänger ist in der deutschsprachigen Musiklandschaft mittlerweile wahrscheinlich genau so etabliert wie Helene Fischer oder Wolfgang Petry – zu Verwechslungen mit Kollegen wie Mark Forster, Joris oder Johannes Oerding kommt es trotz feiner Unterscheide vermutlich trotzdem noch oft. Dabei ist Giesinger wohl eine der wichtigsten Figuren des oft belächelten Genres Deutsch-Pop, in dem die leeren Phrasen nur so aneinandergekettet werden und wo "Leuchtfeuer" plötzlich unerwartet zu einer gängigen Vokabel wird.

Das, nun ja, Schöne ist: Von diesen Phrasen, Sprichwörtern oder selten genutzten Begriffen gibt es mehr als genug in der deutschen Sprache. Für Nachschub ist sozusagen unerschöpflich vorgesorgt, nur ein paar zugängliche Melodien müssen drumherumkomponiert werden. An diese Erfolgsformel hat Giesinger sich auch auf seinem Album "Vier" gehalten. Locker-leichte Gitarren treffen auf einen Rhythmus, zu dem sich potenziell auch gemütlich im ZDF-Fernsehgarten klatschen lässt. Das nächste Euphorie-Level wird mit generischen Elektrobeats erreicht, die wie im Auftakt "Irgendwann ist jetzt" sanft über die restliche Soundkulisse dudeln.

Lyrisch durchzieht generell Sehnsucht einige Songs von Max Giesinger. Beispielsweise wenn er im Opener darüber singt, dass er "nicht länger warten" und Dinge, die er sich vorgenommen hat, auch endlich umsetzen will. Zugegebenermaßen wohl Zeilen, mit denen sich viele mitten in der Corona-Pandemie identifizieren können. Und noch etwas muss man Giesinger durchaus lassen: So willkürlich seine Texte auch oft erscheinen, so unhatebar machen sie ihn gleichzeitig. Auf "Vier" widmet er gleich mehrere Songs Familienmitgliedern, wie etwa seiner lange alleinerziehenden Mutter, die schon in seinem Hit "Wenn sie tanzt" Thema war. In "Deine Zweifel" besingt Giesinger jetzt die Krisen und Selbstzweifel, die ihn als Scheidungskind beschäftigen – und das sehr offen und berührend.

Max Giesinger ist also vermutlich ein netter Junge. Schade, dass er ebenso viele Qualitätslücken zulässt. Denn musikalisch bleibt er bei seinen Mustern, die sich hier balladengetreu etwas im Tempo zurückhalten. Zu hinterfragen, ob sein kommerzieller Erfolg auch gerechtfertigt ist, wäre also völlig unangebracht. Seine generischen Songs mögen langweilig sein, aber nie wirklich geschmacklos. "Vier" spricht eine eher einfache Sprache: Das Album will und soll die Masse ansprechen und stellt auch jene zufrieden, für die Musik eher nebensächlich ist. Soll es ja auch geben. Deshalb ist es auch nicht weiter schlimm, dass Giesinger künstlerisch im Kreis läuft. Aber eben auch nicht schön.

(Lena Zschirpe)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Deine Zweifel

Tracklist

  1. Irgendwann ist jetzt
  2. Fenster
  3. Deine Zweifel
  4. Irgendwo da draußen
  5. Berge
  6. Der letzte Tag
  7. In meinen Gedanken
  8. Seit es vorbei ist
  9. Hotel (feat. Madeleine Juno)
  10. Das Wunder sind wir
  11. Stuntman
  12. Das letzte Prozent
Gesamtspielzeit: 35:20 min

Im Forum kommentieren

Peacetrail

2021-11-24 23:23:00

Wenn er auf PT Wert legt, nennt er das nächste Album 10. Naja, der Max ist ja bescheiden. 9,5 tuts auch.

Mr Oh so

2021-11-24 23:15:15

Weil sich der kleine Joke durch den Albumtitel eben angeboten hat.

Nasenfahrad

2021-11-24 22:35:39

Warum nicht 1/10?

Autotomate

2021-11-24 22:16:14

Hat er offensichtlich vorausgesehen.

Sheesh

2021-11-24 22:13:39

Vier Punkte

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