Limp Bizkit - Still sucks
Interscope / UniversalVÖ: 31.10.2021
Gutes Leben, scheiße erzählt
La-di-da, Limp Bizkit sind wieder da. Reimschema und Flow hätten wir damit auch schon abgehakt, ha ha. Im Ernst: Wer sein Album "Limp Bizkit still sucks" nennt und das pünktlich zu Halloween als Grusel-Schock für alle Leute mit gesundem Menschenverstand auf den Markt schmeißt, lacht natürlich mit. Nicht erst seit gestern sind Limp Bizkit "in on the joke", schließlich eröffnete bereits "Significant other" mit der Ankündigung: "You wanted the worst, you got the worst." Auf jener Platte meinte Fred Durst noch: "Hate, a feeling I don't really get." Das stimmte natürlich noch nie. Wenn Limp Bizkit eine Emotion auszeichnete, dann das Suhlen im Hass von innen und vor allem von außen. Auf ihrer siebten Platte ändert sich an diesem Prinzip überhaupt nichts. Es geht um eine gute schlechte Zeit, mit guten Riffs und schlechten Texten.
"Still sucks" ist die erste neue Musik seit der Single "Endless slaughter" von 2014 und das erste Album seit dem erstaunlich griffigen "Gold cobra". Es hätten auch zwei, fünf oder 29 Jahre vergehen können, scheißegal. Limp Bizkit sind 2021 ebenso aus der Zeit gefallen wie schon 2011. Das macht direkt der eröffnende Doppelschlag klar, der Wes Borlands Riffs mit der immer noch tighten Rhythmusfraktion verheiratet und dank DJ Lethal hört man sogar Turntable-Scratches. Ja, in 2021. "It's time to rock this motherfucker 'cause I'm always out of style", schreit Durst dazu ins Mikro und haut im folgenden "Dirty rotten bizkit" gleich den nächsten Anheizer raus: "Somebody better give it to me / Hard! Loud!" Das wummst und macht Laune. Ebenso reiht sich die Single "Dad vibes" lässig ein, auch wenn der gelungene Refrain leider schwachbrüstiger produziert ist als die seiner Vorläufer.
Von hier an wird der Weg deutlich unwägbarer. Schmissige Refrains und treibende Attacken sind leider selten auf "Still sucks". Viele Songs knacken nicht mal die Zwei-Minuten-Marke und wären auf den Vorgängern eher als Interlude verbraten worden. Bei den HipHop-Tracks sticht noch "Turn it up, bitch" heraus, in welchem Sam Rivers' Bass wunderbar groovt, nur fehlt leider die entscheidende Hook. "Snacky poo" variiert das Thema leicht und stellt fest: "I don't need another motherfucker in my life / Looking at my life / Giving me a like." "Love the hate" mag dem Albumtitel entsprechend das zentrale Manifest darstellen und zugegeben, die Line "Sure as hell ain't no Eminem / Looks like he's got Drake's pubes on his chin" landet schon. Aber der selbstironische Witz verliert recht schnell seinen Reiz, genau wie das beim ersten Mal durchaus lustige Fake-Interview mit Borland im versteckten Skit nach "Snacky poo".
Das Sich-selbst-nicht-ernst-Nehmen klappt auch nur solange gut, bis Limp Bizkit unter das Dutzend Songs auch noch gefühlige Akustikballaden mischen. "Don't change" zielt als INXS-Cover auf die Radiostationen, die schon "Behind blue eyes" damals totrotiert hatten. Das ist okay, die Hippie-Backingvocals sogar ganz charmant, passt aber zwischen all den Battle-Rap-Ansagen null rein. Etwas vielversprechender gerät das Halloween-infizierte "You bring out the worst in me", auch wenn der Wechsel zwischen sphärischem Schwelgen und Geballer nicht ganz rund läuft. Wenig später zerfurchen das kurze akustische "Empty hole" und der Closer "Goodbye" endgültig das Gesamtbild. Ernsthaft, bei "Goodbye" hat man es nicht weit zu Ed Sheeran gleich nebenan. Und: "You've been hiding things / You've turned into my lying king"? Puh. Da war "Gold cobra" leider klar besser – zum einen konsistenter, zum anderen mit echten Band-Highlights wie dem Titeltrack oder "Shotgun".
Vor allem die zweite Hälfte krankt an zu viel halb angefangenen Skizzen. "Barnacle" bringt zwar wieder Gitarren rein, leider aber nur die, die bei Puddle Of Mudd noch über waren. Der einzige Keeper hintenraus ist gerade so "Pill popper" dank seiner Rammstein-Riffs und trotz seiner nicht vorhandenen Kritik am Pharma-System, welche das Sample zu Beginn noch andeutet. Vielleicht könnte diese kunterbunte und dennoch halbgare Mischung in ihrer hingerotzten halben Stunde auch nur ein Trollmove sein, wäre Trolling nicht sowieso inhärenter Bestandteil dieser Band. Wer sich von satten Riffs einfach mal wieder die Rübe wegpusten lassen möchte, findet auf "Still sucks" etwas zu wenig Treibstoff. Und wenn der Fokus auf Unfug wie "I'm about to go nutso / Straight freak show / No room in the bistro" liegt, kann man ja gleich Vanilla Ice hören gehen.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Out of style
- Dirty rotten bizkit
- Dad vibes
Tracklist
- Out of style
- Dirty rotten bizkit
- Dad vibes
- Turn it up, bitch
- Don't change
- You bring out the worst in me
- Love the hate
- Barnacle
- Empty hole
- Pill popper
- Snacky poo
- Goodbye
Im Forum kommentieren
Affengitarre
2022-04-23 11:20:33- Newsbeitrag
tjsifi
2021-11-10 14:19:46
Jepp finde auch dass sich das Album unfertig,ja wie ein Überbleibsel aus einer Session oder sowas anhört.
hubschrauberpilot
2021-11-10 12:58:12
Ich finde die 4/10 noch sehr milde, das Album hat gerade mal 30 Minuten Laufzeit und fertige Songs gibt es wenige. :/ Ist wohl nur was für Fans.
Aber Out of style hat ein schön sickes Riff....
tjsifi
2021-11-08 15:58:42
Dad Vibes ist tatsächlich mit Abstand mein Lieblingssong auf dem Album. Sonst gibts noch 2-3 nette und ein paar furchtbare Songs die ich sofort skippe und dann ist das Album halt auch relativ schnell wieder vorbei. Wertung/Rezi geht deshalb aus meiner Sicht so komplett in Ordnung.
Schwarznick
2021-11-08 09:50:08
geh ich mit. das borland "interview" nach snacky poo raus und den letzten song streichen, dann wäre es runder geworden. trotzdem hab ich nicht viel zu mängeln, das album ist kurzweilig und macht zwischendurch schon bock. ne 6 würde ich da schon zücken wollen aus nostalgischen gründen und hat mich dann doch eher positiv überrascht, auch wenn es sicherlich kein dauerbrenner in deren discography werden wird, und ja auch nicht wirklich gewollt ist. als kleiner snack nach 10 jahren doch ganz gut zu gebrauchen.
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