Strand Of Oaks - In Heaven

Galacticana / Thirty Tigers / Membran
VÖ: 01.10.2021
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Megafon für die Megafauna

"In Heaven", das mittlerweile siebte Album von Strand Of Oaks, startet allzu irdisch: "The Megafauna cleared away", lässt uns Mastermind Timothy Showalter gleich im Auftaktsong "Galacticana" wissen. Ist der Blick in den titelgebenden Himmel also ein ernüchternder? Zum Glück nicht, denn das Album klingt an vielen Stellen selbst wie eine Megafauna, die höchst lebendig und voller Naturgewalt und Zartheit ist. Doch auch wenn die Megafauna lebt: Reine Natur ist sie eher nicht. Mindestens ein gigantisches Stadion muss irgendwo dort sein. Anders sind Tracks wie "Jimi & Stan" oder "Easter" nicht zu erklären. Das ist perfekter Stadionrock, dessen Refrains sich nur nicht zum Mitgrölen eignen, weil sie viel zu gut gesungen sind.

Auf der Suche nach dem Standort dieses Stadions bieten sich sehr früh die Balladen "Hurry" und "Horses at night" an. Sie sind so kraftfoll, dass sie als Proteinfolk durchgehen könnten und haben dementsprechend handfeste Erklärungen – zwar nicht zum Stadion, aber wenigstens zu etwas anderem: "We're just movement in the dark / Lonely fragments made of stars", heißt es in "Horses at night", und beim Pathos dieser Zeilen wird klar: Egal, was da vorher war. Das ist das Album. Jetzt ist der Blick frei. Perfekte Sicht auf: "In Heaven". Und jetzt ist auch klar, wie Showalters Magie funktioniert: Es ist nicht wichtig, ob und wo hier ein Stadion ist. Es ist einfach schön, diese kraftvolle Stimme für die Dauer eines Songs zu hören.

Da "Horses at night" aber bereits als vierter Track kommt und sich danach ein leichtes Plätschern des Albums einstellt, stellt sich erstmal die Frage: Ist "In Heaven" nach vier Tracks auserzählt? Ein bisschen. Trotzdem ist es aber mit Gewinn auch in voller Länge hörbar. Das liegt vor allem daran, dass Strand Of Oaks die immer gleiche Mischung aus Pop, Indie und Folk immer wieder neu verschwimmen lassen, in Perfektion etwa auf "Galacticana" und "Somewhere in Chicago", die beide als Singles veröffentlicht wurden.

So besteht "In Heaven" aus elf Liedern und exakt zwei Hörerlebnissen: Songs wie von tausend Motorrädern ausgeleuchtet, die nachts über einen amerikanischen Freeway jagen. Und Songs, die so zart leuchten wie die Lampe eines Flohmarktrads, kurz bevor ein Schlagloch den Dynamo killt.

Die ganz große Intimität entsteht dabei nicht. Dafür wirkt Showalter insgesamt zu abgeklärt. "In Heaven" ist die Arbeit eines zum Meister gereiften Künstlers, der sich sich zurecht auf sein Können verlässt und nicht das ganz große Risiko nimmt. Oder anders: Das Album klingt ein bisschen wie ein gemeinsamer Kneipenabend von Bruce Springsteen und Bono, der sehr früh endet, weil beide am nächsten Tag wichtige Termine haben. Aber wer weiß, was das für Termine sind. Die könnten ja spannend sein. Vielleicht sind sie etwas Großem auf der Spur. Zum Beispiel einem Stadion in einer Megafauna.

(Dominik Steiner)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Galacticana
  • Horses at night
  • Somewhere in Chicago
  • Jimi & Stan

Tracklist

  1. Galacticana
  2. Easter
  3. Hurry
  4. Horses at night
  5. Somewhere in Chicago
  6. Jimi & Stan
  7. Sunbathers
  8. Carbon
  9. Sister Saturn
  10. Slipstream
  11. Under Heaven
Gesamtspielzeit: 42:57 min

Im Forum kommentieren

Grizzly Adams

2021-10-30 07:01:26

Ja, es kommt mir in der Rezi auch unterbewertet weg. Mit einer 8 gehe ich mit. TWOD habe ich noch nicht gehört.

dreckskerl

2021-10-29 23:12:46

Ich bleibe dabei, das bessere Album im Vergleich zum Genrekonkurrent von "The War On Drugs" neuem Album.

8,5/10 mindestens.

dreckskerl

2021-10-28 18:54:09

Ich hatte mir, wie man sich denken kann, eine deutlich positivere Rezension gewünscht. 6/10 scheint mir www-weit die schlechteste Wertung.

Wie auch immer, ich mag das Album sehr und bleibe bei einer sehr starken 8.

musie

2021-10-28 08:50:12

Packt mich nicht so, wie es die ersten zwei Alben getan haben. Aber kann ja noch werden vielleicht.

Quill Eupner

2021-10-28 08:41:18

In der Rezension kommt mir das Wort „Stadion“ etwas zu oft vor.

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