Full Of Hell - Garden of burning apparitions

Relapse / Membran
VÖ: 01.10.2021
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

Alle Lampen an

"Die klimatischen Bedingungen in der Hölle sind sicher unerfreulich, aber die Gesellschaft dort wäre von Interesse." Tja, der olle Oscar Wilde hatte gut reden seinerzeit. Die akustischen Bedingungen hatte er schließlich in weiser Voraussicht ausgeklammert und musste sich darum nicht mit derartigem Krach herumschlagen, wie ihn Full Of Hell aus Maryland seit fünf Alben veranstalten – gemeinsame Veröffentlichungen mit Krawallbrüdern wie Merzbow oder The Body noch nicht einmal mitgezählt. Auf ihren eigenen Platten sinkt die Band um Frontmann Dylan Walker und Gitarrist Spencer Hazard in der Regel nach 20 Minuten in sich zusammen, was kein Wunder ist bei der schwarzen Kraftbrühe, die der Vierer aus den niederwalzendsten Versatzstücken von Grindcore, Powerviolence und Industrial-Gecrunche destilliert. Dass sich Full Of Hell nach einem Highlight des Entombed-Referenzwerks "Wolverine blues" benannt haben, ist aller Ehren wert – aber auch nur ein schwacher Abglanz dessen, was auf "Garden of burning apparitions" wartet.

Heißt es kurz nach der Hälfte "All bells ringing", kann sich das nämlich nur auf das Oberstübchen der Hörer*innen beziehen: Die haben zu diesem Zeitpunkt längst alle Lampen an vor lauter Hochgeschwindigkeits-Getrümmer, raspeligem Geschrei, böse gurgelnden Growls und perfiden Unausstehlichkeiten aus dem malmenden elektronischen Walzwerk. Und auch Freunde von Extreme Noise Terror oder frühen Napalm Death wiegt "Garden of burning apparitions" nur kurz in Sicherheit, wenn "Guided blight" oder "Eroding shell" souverän unter einer Minute bleiben und mit Karacho alles vor die Wand fahren, was eine herkömmliche Bandbesetzung hergibt. Im Gegensatz dazu bestreitet das Finale von "Asphyxiant blessing" offenbar ein defektes Tischfeuerwerk, und "Derelict satellite" zerspringt unter ruinösem Schaben und Scheppern in seine Einzelteile wie ein detonierender Schaufelradbagger. "When burning shrapnel / Collides with our world / Utopia will rise to drown us", bellt uns Walker dazu entgegen – wenn man ganz genau hinhört.

Und genau so könnte eine solche Apokalypse klingen. Doch ungeachtet aller maschineller Knochenbrecher-Qualitäten verstecken Full Of Hell auch immer wieder verblüffende Details unter den gewaltigen Abraumhalden aus Distortion und Power Electronics, ziehen hier ein Saxofon und da eine Bassklarinette aus ihren Lärminstallationen hervor. Das kreiselnde Riffing von "Murmuring foul spring" und "Industrial messiah complex" probt gar einen vergleichsweise harmonischen Aufstand, der schließlich im Monster-Groover "Reeking tunnels" kaum mehr von einem handelsüblichen Noise-Rock-Rachenputzer zu unterscheiden ist. Der Verdienst von Hazards Mitwirken bei der Sludge-Supergroup Eye Flys? Der Einfluss von Sightless Pit, Walkers Projekt mit The Bodys Lee Buford und Kristin Hayter alias Lingua Ignota? Vielleicht tut es aber auch einfach nichts zur Sache, was genau "Garden of burning apparitions" zu einem so vernichtenden Triumph am Rande der Unverdaulichkeit macht. Dieses Album muss man hören, um es glauben zu können.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Guided blight
  • Derelict satellite
  • Industrial messiah complex
  • Reeking tunnels

Tracklist

  1. Guided blight
  2. Asphyxiant blessing
  3. Murmuring foul spring
  4. Derelict satellite
  5. Burning apparition
  6. Eroding shell
  7. All bells ringing
  8. Urchin thrones
  9. Industrial messiah complex
  10. Reeking tunnels
  11. Non-atomism
  12. Celestial hierarch
Gesamtspielzeit: 20:48 min

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Dumbsick

2021-10-28 07:30:53

Vielleicht nicht ganz so gut wie Weeping Choir (was mMn an der Produktion liegt), aber nichtsdestotrotz einer des besten extremen Bands zurzeit.

Review vom Blog meines Vertrauens:
https://www.transcendedmusic.de/2021/09/full-of-hell-garden-of-burning-apparitions-review/

Armin

2021-10-27 21:17:04- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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