Finneas - Optimist

Interscope / Universal
VÖ: 15.10.2021
Unsere Bewertung: 5/10
5/10
Eure Ø-Bewertung: 3/10
3/10

Duh.

Finneas O'Connell ist Produzent, Songschreiber und Multi-Instrumentalist. Das macht schon einiges her, schließlich steht er in Verbindung mit seiner Schwester Billie Eilish, die in den letzten Jahren mal eben zu einem der größten Popstars gereift ist. Für ihn hagelte es deshalb ebenfalls Grammys und Auszeichnungen, sicher kann er sich außerdem mittlerweile auch einige Drinks außerhalb der Happy Hour leisten. Als Sänger und Star hat sich der 24-Jährige aber bisher nicht in den Vordergrund gedrängt. Dabei veröffentlichte er seit 2017 stetig Singles und mit "Blood harmony" 2019 immerhin eine EP. Sein Debütalbum heißt nun "Optimist" – für ihn eine Beschreibung, die er sich nach eigener Aussage immer wieder erarbeiten muss. Die Welt ist schlecht, aber Finneas hält den Kopf hoch. Und tritt dem Trubel mit einem Rundumschlag entgegen, der sich, nun ja, durchwachsen hat.

Die 13 Songs wollen viel sein: oft eine gefühlige Ballade, manchmal ein tanzbarer Beat, sehr häufig ein Kommentar zum Zeitgeschehen. Das erinnert leider ein wenig an den Weg für jedermann, den Ed Sheeran eingeschlagen hat, nur dass Finneas wenigstens eigenständiger und unterm Strich besser arbeitet. Dennoch krankt "Optimist" vor allem daran, dass es ein typisches Produzenten-Album ist. Der Sound stimmt, die Produktion sitzt, die Vielfalt wird breit ins Schaufenster gestellt. Bloß hält das alles trotz vieler guter Momente nicht zusammen. "Around my neck" ist einer der besten Tracks, schleicht sich sexy windend auf die Tanzfläche, obwohl Finneas selbst als wenig überzeugender Verführer dem Song fast eher im Weg steht. Warum der Sound in der Folge unsanft in das Piano von "What they'll say about us" krachen muss, bleibt fraglich. Ebenso, warum zwei langsame Stücke in der Albummitte noch ein Klavier-Instrumental zwischen sich platzieren und so das Tempo zu lange rausnehmen.

Finneas' Problem ist, dass er selbst neben den gekonnten Studiotricks relativ farblos dasteht. Er mischt zwar die Vocals weit nach vorne, aber seine Stimme bleibt eher Textur als Hauptprotagonist. Seine Lyrics helfen auch wenig weiter, wenn sie politische Themen aufgreifen: "What's your carbon footprint and could you be doing more? / I tried saving the world but then I got bored." Auch die selbstironisch gemeinte Line "Take a drive around town in my douchebag car / Like the superstar I pretend to be" wirkt zu gewollt, um zu zünden – obwohl der zugehörige Song "Happy now?" sehr schmissig swingt. Kein Wunder, schließlich recyclet Finneas hier den "Billie bossa nova" seiner Schwester, genauso wie im Opener den Ausbruch des Titeltracks von "Happier than ever". Womit wir zum Elefant im Raum kommen: Gegen "Optimist" sind die beiden Billie-Eilish-Alben leider fast schon mutige Avantgarde-Werke.

Wenn diese Platte etwas stichhaltig zeigt, dann, wie groß Eilish eigener Anteil an ihren Songs ist. Finneas' Einfluss ist sicher nicht wegzudiskutieren: Er hat das Fundament gelegt, er bringt die Ideen ein, er gibt den Studio-Wizard. Aber Eilish verleiht ihren Stücken neben lyrischer Schärfe auch mehr Persönlichkeit und Style. Beides vermisst man in weiten Teilen auf "Optimist". Zu viele Balladen wandern ohne Eindruck vorbei, zu wenig Überraschungsmomente wie den Hyperpop-Ausbruch in "The 90s" hält die Platte bereit. Dabei erwischt man Finneas hier doch bei einem eindringlichen Gedanken: Er wünscht sich eine Welt ohne Internet wie in den Neunzigern, sodass Leute ihn nicht über die Adresse seiner Mutter ausfindig machen können. "I think about the nineties / When I was not a problem yet." Ein Problem ist er natürlich auch jetzt nicht. Seine Schwester wird aber auch in Zukunft mehr "NDA"s brauchen.

(Felix Heinecker)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Happy now?
  • Medieval
  • Around my neck

Tracklist

  1. A concert six months from now
  2. The kids are all dying
  3. Happy now?
  4. Only a lifetime
  5. The 90s
  6. Love is pain
  7. Peaches etude
  8. Hurt locker
  9. Medieval
  10. Someone else's star
  11. Around my neck
  12. What they'll say about us
  13. How it ends
Gesamtspielzeit: 43:07 min

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Klaus

2021-10-20 21:39:41

Eher 7/10 aufs erste Hören. Angenehm kurzweiliger, ironischer (indie)rock

Armin

2021-10-20 21:00:41- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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