Slow Leaves - Holiday

Make My Day / Al!ve
VÖ: 10.09.2021
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

Urlaubsreif

Nach seinem 2020er-Album "Shelf life" entschied sich Grant Davidson alias Slow Leaves, das Musikgeschäft an den Nagel zu hängen. Zu ausgebrannt und leer fühlte er sich vom Songwriting. Zwar ist das Musikerdasein derzeit nicht gerade sehr lohnenswert, doch der Kanadier musste lernen, dass eine berufliche Neuorientierung in der heutigen Zeit auch nicht eben leicht ist. Während er den Fokus auf die Jobsuche legte, kam jedoch etwas anderes als die Lohnarbeit zurück: die Leichtigkeit und Spaß an der Musik. Die Verkrampftheit war weg, das neue Werk "Holiday" nahm Davidson in Eigenregie auf. Aber Urlaub ist nur eine von vielen Sehnsüchten der aktuellen Zeit. Einfach mal wieder rauskommen aus den eigenen vier Wänden, in denen mittlerweile wie selbstverständlich in kürzester Entfernung gearbeitet, gegessen und geschlafen wird. Und so sehnen sich viele danach, einfach mal wieder anderswo zu sein. Davidson trifft bei vielen einen Nerv, wenn er vom Urlaub singt, ohne in Belanglosigkeiten wie Sonne, Strand und Cocktail abzudriften. Rauskommen kann doch so viel mehr sein – und ist vielleicht der richtige Moment für Reflektion oder dafür, Dinge ins Verhältnis zu setzen, die ohne den nötigen Abstand viel zu wichtig wirken können.

Musikalisch lässt sich der Kanadier auf seinem vierten Album irgendwo zwischen Dan Mangan, Nick Drake, Patrick Watson und den Villagers einordnen. Indie-Folk, Pop und Singer-Songwriter-Elemente sind der Baukasten, aus dem sich Davidson bedient – um es in Festivals auszudrücken, handelt es sich um einen klassischen Haldern-Pop-Act. Der Durchbruch fehlt dem Künstler bisher noch – "Holiday" ist jedoch sein bisher stärkster Versuch, diesen zu schaffen. Zwar ähnelt das Album seinen Vorhängern stilistisch, es ist jedoch direkter, unkomplizierter und lockerer. Trotzdem steckt irgendetwas dahinter, wegen dem man nicht das Gefühl hat, der besungene Urlaub sei eine bedeutungslose Sommerfrische.

Gleich der Opener "Love, I guess" ist wohlig warmer Folk-Pop und direkt vielleicht der stärkste Beweis dafür, dass jemand seine Unbeschwertheit wiedergewonnen hat. Ohrwürmer wie "Feel it too" oder "Did it again", ruhigere Songs wie "Drying in the sun" oder der melodisch überragende Titeltrack, der alle Stärken vereint, summieren sich zu einer kurzweiligen und abwechslungsreichen Platte. Nach neun Stücken folgt mit einer melancholisch vorgetragenen Geschichte über Kindheit, Hoffnung und Träume ein Gegenentwurf zur Leichtigkeit des Albums – dennoch schön. So einfach und so auf den Punkt, wie Davidson den Wunsch nach Eskapismus ausdrückt, so gradlinig und formschön ist auch "Holiday" geworden. Seine einfachen und eingängigen Melodien und starkes Songwriting wecken auch zu Hause Hygge-Urlaubsgefühle – sowie eine gute Portion Sehnsucht.

(Marian Krüger)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Love, I guess
  • Holiday
  • Drying in the sun
  • About your love

Tracklist

  1. Love, I guess
  2. Not all roses
  3. Feel it too
  4. Losing my mind
  5. Holiday
  6. Drying in the sun
  7. About your love
  8. Did it again
  9. Stick around
  10. Boredom
Gesamtspielzeit: 32:44 min

Im Forum kommentieren

MasterOfDisaster69

2021-09-16 17:18:57

Danke fuer die Rezension. Irgendwas hat seine Stimme. Did It Again gefaellt mir am besten.

Armin

2021-09-06 11:15:21- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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