Water From Your Eyes - Structure

Wharf Cat / Cargo
VÖ: 27.08.2021
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

Bestechlicher Türsteher

Macht Euch auf was gefasst, am besten gleich auf alles. Denn mit der Abwechslung meint es das Duo Water From Your Eyes aus Brooklyn verdammt ernst, auch wenn es das Einzige ist, was hier streng betrieben wird. Ihr zweites Album "Structure" ist ein gewitzter, humorvoller Ritt durch so ziemlich alles, was im Entfernstesten tanzbar ist. Klar, monoton oder einseitig war bereits der Vorgänger "Somebody else's song" nicht, aber hier geht das noch um einiges weiter. Handlanger dafür war nach eigener Aussage bewusstseinserweiterndes Rauchwerk, danke für die Info, wären wir fast von selbst drauf gekommen.

Der Auftakt dieser oft ins Synthetische schielenden Platte gibt sich mit "When you're around" noch richtig organisch. Da wird verträumt geschunkelt, die luftige Melancholie wackelt durch das psychedelische London der Sixties. Das funktioniert übrigens nicht nur als vorweg geschobener Gag mit Kontrast zum Rest des Albums, sondern ist auch für sich gesehen ein starkes Stück. Dann jedoch: Industrial, Synthie-Alarm, Plastik und Neon-Schminke. Böse pumpt "My love's", es rotiert und tönt mit künstlichen Sirenen. Aber auch hier wird über den reinen Schauwert hinweggegangen, das Songwriting ist gewitzt und spannend. Der Gesang von Rachel Brown besitzt eine Fallhöhe, die hinter der nüchternen Fassade Verhängnis und Ängste aufleuchten lässt. Dass man dabei immer noch das Gefühl hat, die Beteiligten erlaubten sich einen vielschichtigen Scherz, gehört zu den reizvollen Ambivalenzen von "Structures".

Auch "You're the embers" gibt sich mit dröhnender Orgel und Drums mit Herzrhythmusstörungen galant ungemütlich. Es poltert und hallt, die Marschrichtung wird mit einiger Widerborstigkeit eingeschlagen. Da passt es auch, dass der Gesang sich wie ein ungebetener Gast einfindet, der sich seinen Platz am Tisch erstreiten muss. Oft geben sich einzelne Elemente versöhnlich und weich, und man ist fast überrascht, dass sie die Behandlungen mit den omnipräsenten Sperrigkeiten schadlos überstehen.

Ins Meditative steuert "Mondays" mit seinem stoischen Glockenschlag, der Gesang versteckt sich vor einer aufziehenden, instrumentalen Dramatik. Die Streicher und Bläser künden von grauem Wolkenzug, eine Insel der Ernsthaftigkeit inmitten von funkensprühenden Kreativitätsausbrüchen. Als sechstes Stück dreht dann passenderweise "Track five" seine Disco-Runden. Arschcool und mit hämmernden Stahlwerk-Drums wird der Tanzakt zur motorisch monoten Leibesertüchtigung. Wie sich jedoch die freundlichen Synths in diesen Sündenpfuhl eingeschlichen haben, bleibt das Geheimnis des in Leder gekleideten Türstehers. Und trotzdem: Man findet immer wieder anmutige, weiche Melodien, Harmonien, die dem mitunter martialischen Setting ein versöhnliches Lächeln abringen. Am Ende steht passenderweise mit ""Quotations"" ein verspieltes, kunterbuntes Highlight. Die zunächst dominierende Folk-Haptik macht sich auf den Weg ins Wolkenschloss, die tackernden Beats sind dabei ein willkommener Reisegefährte, bis sich irgendwo dort oben alles in lebenslustiges Sprudeln auflöst, Himmelreich, bonbonfarbener Gottesacker auf einmal, nach dem ganzen Gehämmer und Gewummer. Aber wir waren ja auf alles gefasst.

(Martin Makolies)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • My love's
  • You're the embers
  • "Quotations"

Tracklist

  1. When you're around
  2. My love's
  3. You're the embers
  4. Quotations
  5. Monday
  6. Track five
  7. You're the watching fly
  8. "Quotations"
Gesamtspielzeit: 34:13 min

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MasterOfDisaster69

2021-08-31 01:04:50

angenehm anders.
Das genannte You're the embers kann aber nicht gemeint sein, bei mir ist der Song Spoken Word und 30 Sekunden lang. Du meinst wohl Quotations, den 4. Song.

Armin

2021-08-27 21:20:06- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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