Prince - Welcome 2 America

The Prince Estate / Legacy / Sony
VÖ: 30.07.2021
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Visionen aus dem Jenseits

Als der Ausnahmemusiker Prince vor rund fünf Jahren überraschend verstarb, hinterließ er einen mehr als umfangreichen Songkatalog an bisher unbekanntem Material. Das im Jahr 2010 aufgenommene "Welcome 2 America" hat er bewusst vor einer Veröffentlichung zurückgehalten. Die Gründe liegen im Dunkeln. Nun erblickt das postume Werk aber doch noch das Licht der Musikwelt – und ist dabei trotz seiner nunmehr zehn Jahre zurückliegenden Fertigstellung so aktuell wie wohl kaum ein anderes Album dieser Tage.

Trotz seines Ablebens scheint Prince die Probleme der damaligen Zukunft auf unglaublich präzise Weise geweissagt zu haben. Gekonnt changiert er so in der Prä-Trump-und-Fake-News-Ära zwischen den Themen Rassismus, der auseinanderdriftenden Schere zwischen Arm und Reich oder schroffen, verbalen Angiftungen in den Weiten des Internets. "Welcome 2 America" ist zweifelsohne seiner Zeit voraus. Vielleicht wusste Prince das und hielt die Scheibe deshalb in der Hinterhand. Vielleicht sind die Thematiken aber auch so zeitlos, dass der Inhalt keines weitsichtigen Genies bedurfte, wohl aber dessen Vertonung.

Stilistisch ist "Welcome 2 America" im kunterbunten Prince-Stil gehalten. Der Tausendsassa turnt unbändig zwischen HipHop-, Soul-, RnB- und Pop-Segmenten umher, mal solo, mal unterstützt von seinen weiblichen Vokal-Gasthelferinnen Shelby J, Elisas Deases und Liv Warfields. Zwischen zeitgenössischen Inhalten und leidenschaftlicher Huldigung seiner traditionellen Idole zeichnet Prince den Status Quo der USA im Jahr 2010 nach – und trifft dabei in doppeldeutiger Sicht unvergleichbar den richtigen Ton.

Egal ob auf dem scharfkantigen Kommentar zu Rassismus und Unterdrückung "Running game (Son of a slave master)", dem überraschenden Soul-Asylum-Cover "Stand up and b strong”, den leidenschaftlichen Verehrungen musikalischer Ahnen "Born 2 die" und "When she comes" oder dem hoffnungsvollen Abschlusskommentar "One day we will all b free”: Der Altmeister gibt sich weitsichtig, anprangernd und verneigend gleichermaßen. Selbst auf einem Werk, das offensichtlich nicht für ein größeres Publikum bestimmt war.

"Welcome 2 America" ist zweifelsohne ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass postume Veröffentlichungen nicht konsequent Leichenfledderei sein müssen. Schließlich hat Prince das Album bereits zu Lebzeiten fertiggestellt; es wurde nicht von etwaigen Aasgeiern anhand seines kreativen Ausschusses stümperhaft zusammengeschustert. Im Gegenteil: "Welcome 2 America" ist eine bissige Stellungnahme zur Lage der Nation. Wie strukturell festgefahren die thematisierten Probleme sind, zeigt allein die Tatsache, dass das Album auch anno 2021 nichts von seiner Aktualität verloren hat – obwohl damit sicher nicht die All-Time-Classics wie "When doves cry" oder "Purple rain" vom Thron des Prince-Kanons gestoßen werden dürften ...

(Tom Lubowski)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Running game (Son of a slave master)
  • Stand up and b strong
  • When she comes
  • One day we will b free

Tracklist

  1. Welcome 2 America
  2. Running game (Son of a slave master)
  3. Born 2 die
  4. 1000 light years from here
  5. Hot summer
  6. Stand up an b strong
  7. Check the record
  8. Same page, different book
  9. When she comes
  10. 1010 (Rin tin tin)
  11. Yes
  12. One day we will all b free
Gesamtspielzeit: 54:21 min

Im Forum kommentieren

Armin

2021-08-20 21:02:24- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?


Perfect Day

2021-08-12 11:35:22

Ich fand‘s beim ersten Durchlauf eher enttäuschend, bin mittlerweile aber auch Deiner Meinung, dass das die spannendste Posthum-Veröffentlichung ist.

Loketrourak

2021-08-12 10:43:15

Hab ich den Thread übersehen oder gibt's tatsächlich noch keinen?
Vor 10 Jahren aus irgendwelchen Prince-Gründen nicht erschienen, obwohl bereits fertig - und nun endlich posthum veröffentlicht.
Gefällt mir von den dreien nach dem Tode erschienenen tatsächlich aktuell am besten (und die anderen fand ich mindestens gut). Kann man auch heute völlig unnostalgisch hören.

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