Darkthrone - Eternal hails

Peaceville / Edel
VÖ: 25.06.2021
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 3/10
3/10

Kult? Welcher Kult?

Na klar, Darkthrone sind Kult. Um nicht zu sagen Kvlt, obwohl Gylve "Fenriz" Nagell, der wohl nerdigste Nerd der Metal-Szene und Sprachrohr des Duos aus dem norwegischen Kaff Kolbotn, diese Schreibweise wohl nie gebrauchen würde. Jene Kategorie ist keine schlechte Errungenschaft für eine Band, die wohl so ziemlich jedes extreme Metal-Genre einmal ausprobiert hat. Was exakt der Grund ist, warum sich Fenriz und sein Bruder im Geiste Ted Skjellum alias Nocturno Culto mittlerweile so ziemlich alles erlauben könnten, was die stilistische Ausrichtung ihrer Alben angeht. Na gut, Melodic Metal vielleicht eher nicht, denn bei allen Experimenten scheint bei den Norwegern nach wie vor eine Essenz durch. Die ist und bleibt Black Metal mit einer gehörigen Punk-Attitüde, der gekonnt mit weiteren Einflüssen verwoben wird.

Nun also Doom Metal beziehungsweise Epic Metal, wie vorab von Fenriz angekündigt. Und ein Blick auf die Trackliste von "Eternal hails" zeigt, dass sich der Schlagzeuger in dieser Hinsicht keinen Scherz erlaubt hat – gerade einmal fünf Songs machen sich auf 41 Minuten Spielzeit breit. Schon eher ein schlechter Witz ist die Tatsache, dass die beiden Black-Metal-Veteranen eine völlig neue Studio-Erfahrung machen konnten, nachdem der alte Weltkriegsbunker, in dem die letzten Platten per mobilem Studio aufgenommen wurden, das Zeitliche segnen musste. Doch statt sauber austariertem Edelstudio-Sound erwartet die Fans das altbekannte Geschepper, für das jeder hauptberufliche Produzent wohl geteert und gefedert würde und im Anschluss die Finger gebrochen bekäme, auf dass er nie wieder ein Mischpult bedienen möge.

Doch Darkthrone wären eben nicht Darkthrone, wenn sich unter diesem Wasauchimmer-Fi-Krach nicht doch die ein oder andere Perle entdecken ließe. So verschleppt der Opener "His master's voice" mit zunehmender Länge so lange das Tempo, bis sich Fenriz bei gefühlten 35 BPM zwischen zwei Snare-Schlägen 'nen Kaffee holen kann, während man sich beim folgenden "Hate cloak" statt der gewohnt kranken Vocals von Nocturno Culto problemlos Sangesheroen des Doom wie Messiah Marcolin vorstellen könnte. Wirklich großartig ist dann "Voyage to a north pole adrift" – nicht auszudenken, welche epische Wucht dieser Song entfalten könnte, wenn nicht so viele Details im Soundmatsch untergehen würden. Wunderbare Riffs geben sich die Klinke in die Hand, perfekt gesetzte Tempowechsel sorgen für Spannung und Skjellums Geröchel verleiht dem Ganzen die so typische Darkthrone-Note.

Ganz zum Schluss wird es gar richtig experimentell. "Lost arcane city of Uppåkra" setzt zunächst fort, was der Vorgängersong begonnen hat, wechselt in etwa zur Hälfte des Songs dann aber unvermittelt zu psychedelischem Spacerock und trudelt so langsam, aber gefällig aus. Nachdem viele Fans den Norwegern beim vorigen Album "Old star" einfallsloses Songwriting vorwarfen, zeigen sich Darkthrone in dieser Hinsicht stark verbessert. Insbesondere die Hürde, einen Song auf acht, neun Minuten auszuarbeiten statt ihn in zweieinhalb Minuten herunterzumetzeln, wird von Nagell und Skjellum überraschend gut gemeistert. Wäre da nicht der Sound aus der Gruft, würden die Kritiken für "Eternal hails" vielleicht sogar noch euphorischer ausfallen. Aber wer weiß, vielleicht ist das auch wieder so ein kleiner mieser Trick des so herrlich kauzigen Fenriz, um ja nicht aus dem Underground herauszukommen. So wie damals, als er ausdrücklich dazu aufgerufen hatte, ihn nicht in den Rat seiner Heimatstadt zu wählen. Was natürlich nicht klappte. Kult eben.

(Markus Bellmann)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Voyage to a north pole adrift
  • Lost arcane city of Uppåkra

Tracklist

  1. His master's voice
  2. Hate cloak
  3. Wake of the awakened
  4. Voyage to a north pole adrift
  5. Lost arcane city of Uppåkra
Gesamtspielzeit: 41:27 min

Im Forum kommentieren

VelvetCell

2021-08-02 11:35:41

Gefällt mir auch sehr. Der Sound passt perfekt!

hos

2021-08-01 18:16:31

grade durch und für grossartig befunden. konsequent unmodern und rücksichtslos, sound gewöhnungsbedürftig passt aber wie arsch auf eimer und macht aus auf einfachen zutaten beruhenden songs ein morbides magnum opus. kann man völlig ohne scham ins gleiche regal wie Bathory ("Hammerheart" / "Blood Fire Death") oder Enslaved ("Monumension") stellen, atmosphäre pur.

Eurodance Commando

2021-07-30 01:16:24

Meddl

Armin

2021-07-29 20:49:32- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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