Jeremias - Golden hour

Vertigo / Universal
VÖ: 28.05.2021
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

Ein bisschen Rauch um etwas

Wenn Musik Bilder zeichnet und Assoziationen schafft, ist das per se schon einmal gut und klares Zeichen dafür, dass eine Band in künstlerischer Hinsicht mehr richtig als falsch gemacht hat. Wenn diese Eindrücke allerdings zu Lasten der eigenen Gesundheit gehen, hört der Spaß auf. Eigentlich müsste auf dem Cover von "Golden hour" nämlich irgendwo ein Warnhinweis wie "Rauchen kann tödlich sein" vermerkt sein, auch wenn er das nicht ist. Das Debütalbum der vier Hannoveraner um Sänger und Namensgeber Jeremias Heimbach klingt nämlich genau so, wie die Werbung für die vorwiegend in roter oder blauer Verpackung erhältliche Zigarettenmarke es damals suggerierte: unbeschwert, frei und locker. Lebe den Moment, savoir vivre und so weiter. Bei frühsommerlichen Temperaturen möchte sich selbst mancher Nichtraucher einen Glimmstängel anstecken und lässig an der Seine entlangschlendern.

Vermutlich haben Jeremias schon manches Mal einen Ausflug von der Leine an die Seine gemacht. Wirkt zumindest im tanzbaren und leicht an Daft Punk erinnernden "Paris" so: "Ja, ich gebe auf, komm' nicht mehr klar / Waren so lange nicht mehr da / Den ganzen Schmerz in Paris, ja / War's mir wert, ey." Selbst der beschwingteste Song des Albums wird mit einer gehörigen Portion Schwermut garniert, ohne dabei allerdings wirklich traurig anzumuten. Jeremias erzählen Geschichten vom Nachdenken, von Selbstzweifeln, von Beziehungen, vom Kommen und Gehen und klingen bei allem Moll immer noch ziemlich Dur. "Kein Plan, wie spät es ist / Sorry, so bin ich nicht / Ja, nein, vielleicht auch nicht / Ich schwöre, ich bin da und dann bin ich's nicht", heißt es in "Sorry". Ein ernstes Lied mit der Leichtigkeit eines vor Melodie strotzenden Popsongs. Und so verhält es sich mit einem Großteil dieser halben Stunde. Mit Ausnahme von "Mio" und "Einfach" beherrscht lockere Leichtigkeit die Szenerie und kommt einem Markenzeichen der Band gleich.

Während Heimbach hinter dem Mikro mal schnodderig, mal nuschelnd und hier und da gefühlt beiläufig singt, bemühen sich seine Mitstreiter um betont minimalistische Instrumentierung. Stets sehr schmissig, sodass man beim Umherschlendern automatisch mitnicken oder mit den Fingern schnippen möchte. Das ist alles verdammt gut hörbar, aber ein sich in Grundzügen wiederholendes Muster. Da sind es oft eher Kleinigkeiten, die hängen bleiben. Der sich ankündigende Spannungsabbau am Ende von "Einfach" zum Beispiel. Oder das kurze "Baby, don't hurt me" im Hintergrund von "Ich mags", was witzigerweise irgendwie sinnbildlich ist: Weh tut hier gar nichts. Ohne Ecken und Kanten ziehen auch potenzielle Hits wie "HDL" oder das Titelstück leicht und nicht belastend vorbei. Vive le moment!

(Jochen Gedwien)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • HDL
  • Einfach
  • Golden hour

Tracklist

  1. XX
  2. Sorry
  3. Nie ankommen
  4. HDL
  5. Ich mags
  6. Mio
  7. Paris
  8. 2
  9. Einfach
  10. Golden hour
  11. Weniger
Gesamtspielzeit: 30:04 min

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Armin

2021-06-18 22:04:40- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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