Lea Porcelain - Choirs to Heaven

Lea Porcelain / Rough Trade
VÖ: 21.05.2021
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Dreams to the night

Plötzlich waren sie da und sind mittlerweile längst nicht mehr wegzudenken. Die Rede ist von Julien Bracht und Markus Nikolaus alias Lea Porcelain. Mit einem Wahnsinnsdebüt schlugen die beiden vor vier Jahren ihre Zelte in der hiesigen Musiklandschaft auf, zudem schon länger in der Berliner Musikkultur. So wurde das Funkhaus nicht nur Produktionsort ihres Schaffens, sondern auch Heimat der "Porzellan Bar", auf deren baldige Wiederkehr zu hoffen ist.

Kurz erschien die Zeit zwischen "Hymns to the night" und "Choirs to Heaven" nicht zuletzt deswegen, weil in der Zwischenzeit in Form von EPs und Singles ständig neues Material des Duos das Licht der Welt erblickte. Nun also Longplayer Nummer zwei, welcher allein durch seine Aufnahmeorte Tarifa, Los Angeles und Rio de Janeiro von einer momentan versperrten Weitläufigkeit zehrt. Schwer einzuordnen waren sie eh schon je. Irgendwie im britischen Post-Punk zu Hause, dennoch mit komplett eigener Note.

Schon die ersten Takte des Debüts versprühten eine brachiale Wucht, nun ist alles ein wenig anders. Klar, der Sound des Openers "Consent of cult" enthält sofort alle Zutaten, die bekannt sind, "kickt" allerdings nicht rein. Die düsteren Waber-Synthies, dazu der verhallte Nuschelgesang von Markus Nikolas, all das ist gewohnt. Wo jedoch "Out is in" den Fuß nicht nur in die Tür stellte, sondern diese auftrat, gehen die beiden nun ruhiger zur Sache. Ein Aspekt, der sich durchziehen wird. "Choirs to Heaven" ist deutlich homogener als sein Vorgänger. Die Synthies durchweg rauer verwaschen, die Gitarren begleitend, aber nicht herausfordernd, das Schlagzeug schonend, wenig scheppernd.

Hinter "100 years" lässt sich vom Titel ein The-Cure-Cover erwarten, und in der Tat ist der Sound nicht weit entfernt. Als Referenz dienen hier jedoch nicht die "Pornography"-The-Cure, sondern das sieben Jahre später veröffentlichte "Disintegration". Der folgende "Pool song" schlägt genauso in diese Kerbe. "Choirs to Heaven" ist auf den ersten Eindruck weniger packend, weniger sofort auf dem Platz. Durchgang für Durchgang jedoch bohren sich jedoch die Synthies, schleichen sich die Melodien immer weiter ins Gedächtnis ein und verharren dort.

Die zwei, drei Ausnahmen sind dieses Mal keine Ausbrüche, sondern auf eine andere Art interessant. Statt noch differenzierterer Anlehnungen an diverse Post-Punk- oder Post-Wave-Acts der späten 1970er-, frühen 1980er-Jahre laden Lea Porcelain ihre Zuhörer*innen noch auf eine ganz andere Weise ein. Eine Referenz, die deutlich später beginnt, aber nicht minder qualitativ ist: Radiohead. Der Titelsong entleiht sich bei "Knives out" deutlich hörbar eine Textzeile und die Gesangsharmonie, "Sink into the night" die wärmende, wunderschöne Grundstimmung. So ist "Choirs to Heaven" in Gänze eigentlich ein sich widersprechendes Paradoxon: positive Melancholie.

(Klaus Porst)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • 100 years
  • Choirs to Heaven
  • Sink into the night

Tracklist

  1. Consent of cult
  2. 100 years
  3. Pool song
  4. For everything you are
  5. Future hurry slow
  6. Choirs to Heaven
  7. For the light
  8. Sink into the night
  9. Shoot the moon
  10. Ohio
  11. Just a dream
Gesamtspielzeit: 52:21 min

Im Forum kommentieren

MM13

2021-05-21 18:37:45

einfach sehr gut, nach der ep love is not an empire, wusste ich nicht wohin es geht, aber das ist zu 100% so gut wie die hymns, soweit mein erster eindruck.

nörtz

2021-05-21 00:37:28

Der Titeltrack ist schon sehr gut!

Armin

2021-05-12 21:58:21- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

2021-04-07 18:35:40- Newsbeitrag

Klaus

2021-02-24 21:26:32

Tolle Band, freue mich sehr!

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