Selig - Myriaden

Vertigo / Universal
VÖ: 12.03.2021
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Gärtner der Liebe

"Wir wollten ein Album machen, auf dem jeder Song ein Liebeslied für den Planeten und für das Miteinander ist." Wem diese Aussage von Jan Plewka schon kitschig erscheint, wird beim nächsten Zitat aus dem Augenrollen kaum herauskommen: "Unser Traum wäre, damit einen Samen zu legen, aus dem etwas Schönes und Positives wächst." Puh. Entweder steht der Hippie-Gedanke wieder ganz weit oben, oder aber es wurden zuletzt doch wieder vermehrt Erwachsenengetränke und anderweitig berauschende Substanzen konsumiert. Letzteres wurde allerdings dementiert. In der Tat zieht sich ein hippieskes, bittersüßes und leichtes Etwas quer durch Seligs achtes Studioalbum, das mit dem melancholisch-beschwingten "Süßer Vogel" im Stil eines verträumten französischen Pop-Chansons aus den Sechzigern beginnt.

Selig wirken erwachsen, ihre Songs reif und durchdacht. Dabei nehmen sie sich die Jugend der Fridays-for-Future-Bewegung zum Vorbild, bringen sich aktiv in die Sache ein, gehen auf die Straße und schreiben mit dem bewegten "Alles ist so" einen Song, der die aktuelle Zeit inmitten des Klimawandels und dem fortschreitenden Raubbau an der Erde bestens beschreibt und wie die vielzitierte Faust aufs Auge passt. Im dazugehörigen Video pendeln die Bilder zwischen Meeresverschmutzung, Überschwemmungen und Brandrodung, während Plewka im Schaukelstuhl auf einer Blumenwiese sitzt. Und rappt. Bitte? Ja, tatsächlich übt er sich kurzzeitig im Sprechgesang, was zwar zunächst ungewohnt klingt, aber gut ins Gesamtbild passt.

Überhaupt zeigen sich Selig musikalisch vielschichtiger als je zuvor. Frei nach dem Motto "Alles kann, nichts muss" scheint alles erlaubt zu sein. Was müssen das für unterhaltsame Studio-Sessions gewesen sein. Während der Titeltrack "Myriaden" noch eher einem klassischen und leicht rockigen Popsong nahekommt, wimmelt es beim tanzbaren "Spacetaxi" nur so von wilden Farben und jeder Menge Funk. Ebenfalls mit Groove, aber langsamer, kommt "Angesicht zu Angesicht" daher, während bei "Paradies im Traumrausch" die Betonung auf Rausch liegt. Gefühlvolle Stücke wie "Postkarte", "So lang gewartet" oder allen voran das nahezu episch anmutende "SMS K.O." lassen Emotionen sprechen und bieten teilweise Herzschmerz vom Feinsten. Es sind turbulente Zeiten und vieles liegt im Argen. Aber das muss ja nicht so bleiben, machen Plewka & Co. Mut und pflanzen zwar keine Myriade, aber immerhin zwölf musikalische Samen. Ob sie auf fruchtbaren Boden treffen? Unterhaltsam sind sie allemal.

(Jochen Gedwien)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Süßer Vogel
  • Alles ist so
  • SMS K.O.

Tracklist

  1. Süßer Vogel
  2. Alles ist so
  3. Myriaden
  4. Spacetaxi
  5. SMS K.O.
  6. Angesicht zu Angesicht
  7. Selig
  8. Paradies im Traumrausch
  9. Postkarte
  10. So lang gewartet
  11. Zeitlupenzeit
  12. Du
Gesamtspielzeit: 43:37 min

Im Forum kommentieren

fuzzmyass

2026-01-31 08:56:50

Gehen ja Ende des Jahres mit den ersten 3 Alben auf Tour - glaube das schaue ich mir mal an... war nie der allergrößte Fan und die neuen zahmen Sachen brauche ich nicht, aber sie ersten 3 Alben hatten schon etliche Banger und da ich sie noch nie live gesehen habe, aber schon immer mal wieder draufgehen hielt habe über die Jahre, ist das jetzt der Moment

Kernspalter

2021-03-14 00:52:07

Ich gebe der Platte 6 von 10 Punkten.

Als Selig-Fan der ersten Stunde bleibe ich auch nach diesem Album dabei, dass sie ihre Sternstunden in den 90ern und bei den beiden ersten Alben nach ihrem Comeback hatten.

Die drei Alben danach Magma, Kashmir Karma und jetzt Myriaden unterscheiden sich kaum noch und können als relativ identisch von Strickmuster und Klang gesehen werden.

Jeder Selig-Fan wird vermutlich auch auf Myriaden seine 2-3 Songs finden, die in sein/ihr Ohr gehen und es auf die "Best Selig Songs"-Playlist. Meine Highlights auf dem Album sind "Du", "Myriaden und "So lang gewartet". Also eher die ruhigen Stücke.

Den rockigen Songs fehlt mir etwas das Besondere, das Unverkennbare. Vielen Songs fehlt das gewisse Extra, der Pep.

Fazit: Das Album ist sehr vergleichbar mit den beiden Vorgängeralben Magma und Kashmir Karma. Wer daran Freude hatte, wird auch an Myriaden Freude haben.

jo

2021-03-13 23:14:19

Ich glaube nicht, dass sie das seit einigen Platten noch nötig haben. So klingt das Album für mich auch nicht... (auch wenn ich dir ja sonst oft zustimme ;) )

oldschool

2021-03-13 18:41:31

Selig wirken erwachsen, ihre Songs reif und durchdacht? Durchdacht vielleicht.Oder besser Kalkül.

Erwachsen? (Waren Sie das vorher nicht?)
Vielleicht in Form von angepasst. Ich mochte die Band eigentlich immer, wenn auch nie auf Albumlänge. Aber die waren mir symphatisch.
Auch wenn nicht alle Songs zündeten.
Mit den Song können Selig jedoch im ZDF Fernsehgarten auftreten. Alles wirkt harmlos und bieder, die Ecken und Kanten sind weg. Ist irgendwie weder Fisch noch Fleisch.Wenn man das unter "Erwachsen" versteht, hätten sie es niemals werden sollen.

Ich denke aber, die Rechnung geht nicht auf. Selig wollen es jedem Recht machen, allen gefallen. Dabei haben sie Ihre Indentität verloren und machen es keinem recht. Wie der Esel zwischen 2 Heuhaufen, der sich nicht entscheiden kann.

Schade eigentlich

Armin

2021-03-03 23:04:00- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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