Soen - Imperial

Silver Lining / Warner
VÖ: 29.01.2021
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Vorbildfunktionen

Jeder Leser (und natürlich auch jede Leserin), die/der Plattentests.de nicht erst vor zwei Minuten entdeckt hat, kennt unsere Rubrik "Referenzen": Bands oder Musiker, die sich grob in der gleichen stilistischen Welt bewegen wie die soeben rezensierte Platte. Dass die Sektion ausdrücklich nicht "Für Fans von ..." oder noch schlimmer "Klingt wie ..." heißt, hat natürlich den Grund, dass hier eben nicht die Kopie der Kopie der Kopie aufgezählt, sondern vielmehr dazu ermutigt werden soll, den eigenen musikalischen Horizont zu erweitern. Quasi eine erweiterte Form dessen, was einem der Spotify-Algorithmus ansonsten automatisch vorkaut. "Für Fans von Opeth" wäre für Soen zudem ein eher vergiftetes Kompliment – natürlich wird Martin Lopez immer derjenige sein, der in beiden Bands am Schlagzeug saß. Und natürlich wäre es höchst überraschend gewesen, wenn Lopez, der an so bahnbrechenden Alben wie "Ghost reveries" beteiligt war, mit Soen plötzlich fragilen Singer-Songwriter-Pop fabrizieren würde.

Eines zieht sich in der Tat durch alle Veröffentlichungen der Schweden: Die Grenze zwischen Eklektizismus, zwischen Inspiration und bloßer Kopie ist verdammt schmal. Auch das fünfte Studioalbum "Imperial" dürfte daran wenig ändern, so viel steht schnell fest. Dabei knallen die Riffs von Beginn an eine ganze Ecke deftiger als noch auf den vorherigen Platten, nur wird Frontmann Joel Ekelöf immer wie Katatonia-Sänger Jonas Renkse klingen – daran ändern auch die feinen Hooks in den Refrains von "Lumerian" und "Deceiver" nicht viel. Doch gerade "Deceiver" zeigt, dass die Vergleiche mit Opeth von Album zu Album ungerechter werden. Klar kracht es auch hier eingangs tüchtig, doch der Refrain frisst sich mit unwiderstehlichem Pop-Appeal ins Ohr und verbindet Melancholie mit Eingängigkeit.

Das gelingt allerdings nicht immer in dieser Konsequenz. Denn bei "Monarch" darf man sich je nach Geschmack den unpassenden Teil aussuchen – entweder den überaus poppigen, fast aufdringlichen Refrain oder das Djent-Geknüppel zu Beginn. Beides mag nicht recht zueinander passen, auch wenn diese Parts für sich genommen durchaus gelungen sind. Denn Soen beherrschen das Balladeske einwandfrei, wie das verträumte "Illusion" oder der dramatische Beginn von "Fortune" auf wunderbare Weise demonstrieren. Dem gegenüber steht "Antagonist", ein feister Headbanger, der vor allem von einem großartigen Groove lebt. Wenn es einen Moment gibt, in dem "Imperial" Opeth besonders nahe ist, dann in diesem Song, bei dem Lopez 15 Jahre nach seinem Ausstieg zeigt, welch großen Anteil er an den damaligen Klassikern hatte.

Ein solcher Klassiker ist "Imperial" natürlich nicht, denn so vermessen denkt vermutlich nicht einmal Lopez selbst. Doch der Schwede mit uruguayischen Wurzeln bewegt sich mit dieser Platte zusehends sicherer in einem Spannungsfeld der Einflüsse. Irgendwo wird irgendjemand der Band immer vorwerfen, von Opeth oder Katatonia nicht nur beeinflusst zu sein, sondern schamlos bei ihnen zu klauen. Doch der sogenannten Supergroup ist es ganz im Gegenteil gelungen, auch die Unbill der Corona-Pandemie für sich zu nutzen, indem sie ohne Rücksicht auf Tourpläne konzentrierter an den Songs feilen konnte. Und das könnte man glatt wörtlich nehmen, klingt die Platte dadurch etwas geschliffener als noch der Vorgänger "Lotus". Der Clou daran: Genau deshalb können sich Soen sauberer zu den ewigen Referenzen positionieren. Was wiederum auch eine Kunst ist.

(Markus Bellmann)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Deceiver
  • Illusion
  • Antagonist

Tracklist

  1. Lumerian
  2. Deceiver
  3. Monarch
  4. Illusion
  5. Antagonist
  6. Modesty
  7. Dissident
  8. Fortune
Gesamtspielzeit: 42:04 min

Im Forum kommentieren

Tryptolin

2021-02-07 20:54:40

"Illusion" ist mal echt schön.

patze666

2021-02-06 10:16:11

Nach wie vor grandiose Platte und hervorragende Gesangsleistung

Highlights: Modesty, Fortune, Deceiver

Kein Ausfall auf der Platte selten das ich bei einen Album keinen Song skippe

Marküs

2021-01-29 18:16:21

Ich finde die Platte beim ersten mal Hören gerade ganz wunderbar! Sensationell gesungen. Bin aber auch absoluter Fanboy. Herrlich!

Der Wanderjunge Fridolin

2021-01-29 17:48:43

Bin auch nicht ganz zufrieden, aber 2/10? Echt jetzt?

Onkelz4Ever

2021-01-29 15:54:41

Kenne diese Band nicht.

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