The Body - I've seen all I need to see

Thrill Jockey / Indigo
VÖ: 29.01.2021
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Art is hard

Es wird unangenehm. Drummer Lee Buford und Gitarrist Chip King haben als The Body bereits mehrfach die Essenz des Noise herausgearbeitet. Das Duo geht dabei oft ins Extrem, die harschen Sounds muss man schon aushalten. Aber das neue Album "I've seen all I need to see" ist selbst für diese beiden Rücksichtslosen ein besonderes Werk, geht es doch deutlich konsequenter zu Werke als die letzten Produktionen, welche oft auf elektronischen Klangerzeugern basierten und viel Gewicht auf die Produktion legten. "I've seen all I need to see" ist dagegen noch roher, noch schmerzhafter und geht so gut wie keine Kompromisse ein.

Da ist es schon ein großes Zugeständnis, wenn mal Spuren eines Klaviers auftauchen oder mit Gesang gearbeitet wird – freilich in gequälter Form. Meistens jedoch herrscht ein schmerzerfülltes Rauschen, ein brutales Nagen an der eigenen Krachtoleranz. Liest sich natürlich nicht nach einem komfortablen Hörvergnügen, ist in seiner Radikalität jedoch großartige Kunst. Denn die Feedback-Schleifen, die nüchtern und stoisch hämmernden Drums, all dies weist kompositorische Muster auf, die faszinierende Eigenheiten offenbaren, hat man die Kontaktängste mit solcher Musik erst einmal überwunden. Und so merkt man, dass selbst peinigende Sounds eine beruhigende Gleichmäßigkeit ausstrahlen können, dass rhythmische Dynamik auch dann noch lebendig ist, wenn sie einem garstig ins Kleinhirn geprügelt wird.

Der eng getaktete Beat von "The handle / the blade" ist auch trotz seiner Brutalität und Trostlosigkeit eine Einladung zu einem gepfefferten Ritt, bei dem der sichere Ausgang alles andere als gewährleistet ist. Dies sind bereits die nahbarsten Stellen eines Albums, das den Schmerz in den Mittelpunkt stellt und dessen Aushalten und Überwinden eine Belohnung bedeutet – ähnlich den Glücksgefühlen, wenn die Schärfe einer Chilli-Schote nachlässt. Auf den Weg dahin begibt man sich jedoch durch ätzend brutzelnde Gitarren-Feedbacks, Drum-Muster, die einem Fallbeil ähnlich niedersausen und Songaufbauten, die ihre Hartnäckigkeit intensiv auf die Spitze treiben.

Doch es gibt auch Phasen der Erholung, des Durchartmens, so beim abschließenden "Path of failure", wenn das heftigste Dröhnen überstanden ist und die Flamme nur noch ermattet glimmt. Dabei ist es interessant, wie sich die letzten Spritzer Distortion noch einmal müde auflehnen und das Schlagzeug mit gewissem Langmut die letzten Hiebe setzt. In diesem Moment ist man über den Gipfel hinaus, hat noch das Rauschen im Ohr und lässt den post-operativen Schauder über sich ergehen. War ja auch anstrengend genug.

(Martin Makolies)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Tied up and locked in
  • The handle / the blade
  • Path of failure

Tracklist

  1. A lament
  2. Tied up and locked in
  3. Eschatological imperative
  4. A pain of knowing
  5. The city is shelled
  6. They are coming
  7. The handle / the blade
  8. Path of failure
Gesamtspielzeit: 38:43 min

Im Forum kommentieren

Walenta

2021-02-04 19:41:15

(Mit der Review kann ich zwar ehrlich gesagt nicht soviel anfangen - aber) ist mmn abseits der Thou-Kollaborationen ihre beste Platte seit I Shall Die Here.

SammyJankis

2021-02-04 18:03:30

Bisher beste Platte des Jahres, teilweise absurde Verzerrungen. Dachte beim ersten Hören, dass meine Boxen im Arsch sind. Musik, die man Menschen zeigt, die von sich behaupten, alles zu hören.

Klaus

2021-01-30 23:24:41

Wie das die Ohren auspustet. Schon sehr schön!

u.x.o.

2021-01-20 20:30:22

Freut mich, dass das Album hier besprochen würde! Bin gespannt wie es mir gefallen wird, ist bei The Body immer etwas schwierig. Nothing passes ist fester Bestandteil meiner top 50, aber mit dem Rest habe ich häufiger mal Schwierigkeiten. Die erste Hörprobe gefällt mir aber zumindest schon mal ganz gut.

Armin

2021-01-20 20:12:36- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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