Faithless - All blessed

BMG / Warner
VÖ: 23.10.2020
Unsere Bewertung: 3/10
3/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Konkursmasse

Als Faithless sich im Jahr 2011 verabschiedeten, war das nur eine Randnotiz wert. Die 2000er-Jahre waren nicht gnädig zu dem britischen Projekt. Nach den Welterfolgen von "Reverence" und "Sunday 8pm" ging es sowohl künstlerisch als auch kommerziell steil bergab. Natürlich sank aber auch schlicht das Interesse an fluffig leichtem Trip-Hop mit samtig weichen Dance-Elementen. Die Düsternis und Intensität von "Insomnia" und "Salva mea" hatte ohnehin kein einziger neuerer Track mehr erreicht. Rollo, Sister Bliss und Maxi Jazz hatten ihre Ideen aufgebraucht. So schien es. Dass nun nach langer Pause mit "All blessed" ein neues Studioalbum erscheint, kann schon als kleine Überraschung gelten. Zugunsten von Faithless hat sich in der letzten Dekade allerdings eher wenig verändert, im Gegenteil. Um den ewigen Gerhard Polt zu zitieren: "Braucht's das?"

Beim Blick auf die Tracklist fällt zuallererst ein Name auf: Suli Breaks. Gleich auf fünf Tracks tritt der englische Spoken-Word-Künstler in Erscheinung und füllt damit die Lücke, die der wohl anderweitig beschäftigte Maxi Jazz hinterlassen hat. Stimmlich kann er dem Ur-Mitglied nicht ansatzweise das Wasser reichen. Inhaltlich präsentieren sich Faithless ohnehin erschreckend seicht. Ein paar Buzzwords hier, ein bisschen Poesiealbum da, die lyrische Tiefe von Songs wie "Killer's lullaby" sucht man vergebens. Noch schlimmer ist aber die Musik. Es hilft nichts, nach schön klingenden Formulierungen zu suchen; das, was da aus den Lautsprechern kommt, ist Gedudel der seichtesten Sorte. Die Synthesizer pluckern vor sich hin, während die Drum-Samples wie Nachgeburten des Magix Music Maker klingen.

Im Ohr bleiben am ehesten jene Tracks hängen, die sich aus der Komfortzone wagen. "Remember" beginnt beispielsweise vielversprechend. Dub-Elemente ziehen sich durch den Song, der in seinem Verlauf zunehmenden in Richtung Trance abdriftet. Wohklingend ist das, aber eben auch erschreckend brav. Richtiggehend grauenhaft fällt hingegen "Synthesizer" aus. Was hier passiert, ist mit "Ibiza-Gedöns" noch schmeichelhaft umschrieben. Und so geht das weiter. Song für Song, mal ausufernd, mal prägnant, jedoch stets überflüssig. Vielleicht gibt es irgendwo immer noch Bars, die ihre Gäste mit nichtssagendem Electro-Gewummer beschallen, vielleicht sind das die Orte, für die Faithless im Jahr 2020 musizieren. Wobei auch das robusteste Publikum der Welt Unfug wie "My town" nicht aushalten dürfte.

Und es wird noch schlimmer. "What shall I do?" ist unkreativer Blödsinn mit einem Sound, den Moby wahrscheinlich auch im Wachkoma noch hinbekommen würde. Dass Rollo sein Hörvermögen nicht gänzlich eingebüßt hat, zeigt hingegen "I need someone". Auch "Walk in my shoes" weiß durchaus zu gefallen. Letzten Endes sind derlei Höhepunkte aber ein Strohfeuer. "All blessed" ist ein Kessel Buntes nach einem Säurebad. Ein Album, das in alle erdenklichen Richtungen ausfranst, bis nichts als Konkursmasse übrigbleibt. Da hilft auch der Engelschor in "Friendship" nichts. Ob es überhaupt Hilfe für ein Projekt gibt, das seine beste Zeit eigentlich schon nach dem Debütalbum hinter sich hatte, sei dahingestellt.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Remember (feat. Suli Breaks & LSK)
  • Walk in my shoes

Tracklist

  1. Poetry (feat. Suli Breaks)
  2. Gains (feat. Suli Breaks)
  3. I need someone (feat. Nathan Ball & Caleb Femi)
  4. Remember (feat. Suli Breaks & LSK)
  5. Synthesizer (feat. Nathan Ball)
  6. My town (feat. Gaika)
  7. What shall I do?
  8. Friendship
  9. Walk in my shoes
  10. All blessed
  11. Innadadance (feat. Suli Breaks & Jazzie B)
  12. Take your time (feat. Damien Jurado & Suli Breaks)
Gesamtspielzeit: 56:06 min

Im Forum kommentieren

Armin

2020-10-14 21:05:32- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

Klaus

2020-08-28 09:37:08

Finde halt, dass das hier Null Wiedererkennungswert hat. Ob das jetzt Faithless sind oder David Guetta (man merkt mein beschränktes Wissen um EDM-Künstler) - es ist leider einfach nur beliebig. Mir passten Faithless aber auch in ihren düsteren Sounds immer am Besten.

sizeofanocean

2020-08-28 09:12:42

ich mag sie, brauche das esoterisch tieftönige Gelaber von Mr. Jazz auch nicht wirklich, der Highlight-Kern von Faithless waren schon immer die Instrumentals und Melodien.

Klaus

2020-08-28 09:08:42

Da bin ich ehrlich gesagt ganz froh drüber. Finde die ziemlich gruselig. Vielleicht der Rest dann besser.

sizeofanocean

2020-08-28 09:06:05

seltsam, dass die Vorabsingle nicht auf dem Album gelandet ist.

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