Cut Worms - Nobody lives here anymore

Jagjaguwar / Cargo
VÖ: 09.10.2020
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
9/10

Once upon a time in the West

Heute schon auf den farmeigenen Gaul geschwungen und durch die Gegend geritten? Nein? Was ist los mit Euch, es war doch immerhin gutes Wetter! Also den guten Cowboy-Hut geschnappt und auf die Murmel gesetzt, einen Grashalm aus dem Boden gezupft und zwischen die Zähne gesteckt und ab Richtung Sonnenuntergang. So romantisch! Na gut, aber wohl auch unrealistisch, zumindest in diesen Teilen der Erdkugel – und in diesem Jahrzehnt. Wer trotzdem gern mit dem Charme des Wilden Westens liebäugelt und Bock auf ein bisschen Lagerfeuer-Atmosphäre zwischendurch hat, ist bei Max Clarke genau richtig. Dessen Projekt Cut Worms legt mit "Nobody lives here anymore" nicht nur sein zweites Album vor, sondern auch noch den Soundtrack für die Westernhelden-Träume der Jugend. Ein Roadtrip auf einem Pferd also. An dieser Stelle sei verraten: Dieser Ausritt lohnt sich.

Einmal durchs Land der unbegrenzten Möglichkeiten zieht es Clarke, alles beginnt in seiner Wahlheimat New York. Der von Ohio zugezogene Sänger konnte mit seinem 2018er-Debütalbum "Hollow ground" bereits einen kleinen Achtungserfolg verzeichnen und ließ sich schon damals vom Sound der Sechziger anziehen. "Nobody lives here anymore" schafft es, gleichzeitig noch älter als auch zeitloser zu klingen. Wenn etwa "Veteran's Day" verschwitzt und augenblinzelnd dem Feierabend entgegenblickt, im Refrain aber trotzdem immer noch ein bisschen Restkraft auspackt und sich die Seele aus dem Leib croont, könnte das auch damals in Papas altem Autorradio gelaufen sein. Es erinnert aber ebenso an beispielsweise Kevin Morby, der oft auch ein bisschen aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Künstliche Nostalgie? Eher kunstvoll arrangierte Momentaufnahmen. So echt oder unecht sie auch sein mögen.

Bei 17 Songs in fast 80 Minuten muss man auch sagen: Ein Feuerwerk aus Highlights fackelt Clarke hier nicht ab. Muss ja auch nicht. "Nobody lives here anymore" ist eines dieser Alben, die sich auch nebenher wunderbar anhören lassen, bei denen man beim achten Durchgang plötzlich noch einen neuen Lieblingssong entdeckt. Ein Album, das man immer wieder gern anmacht, sobald die letzten Töne vorbei sind. Vom herrlich unaufgeregten Opener "The heat is on" über die im Duett vorgetragene Liebelei von "A love so fine" bis hin zum zärtlich schunkelnden Abschlusstrack "Cave of phantoms" passiert zwar nicht am laufenden Band etwas – aber dafür immer wieder, und dann immerhin richtig.

Da wäre etwa das grandiose "All the roads", das Stein für Stein sein Gerüst aufbaut und mit lieblichem Harmonie-Gesang ebenso auftrumpft wie mit Clarkes lupenreiner Stimme. Oder der Gospel von "Sold my soul", für das man seine Seele und noch viel mehr mit Kusshand an den Teufel persönlich verkaufen würde. Und während sich die Gänsehaut-Nummer "Walk with me" noch sowohl ans eigene Herz fasst als auch an das des Engtanz-Partners, oder "Baby come on" flehend ein Gebet nach oben absetzt, heizt "Always on my mind" seinem Pferdchen ordentlich ein, damit man pünktlich zum Abendessen bei der oder dem Liebsten sein kann. Viele Wege führen nach Rom? Quer durch die USA sicher noch viele mehr. "Nobody lives here anymore" sei Dank klingen sie aber immerhin alle wunderschön.

(Jennifer Depner)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • All the roads
  • Veteran's Day
  • Sold my soul
  • Always on my mind

Tracklist

  1. The heat is on
  2. Unnatural disaster
  3. Last words to a refugee
  4. All the roads
  5. Every once in a while
  6. Looks like rain
  7. A love so fine
  8. Veteran's Day
  9. Sold my soul
  10. Castle in the clouds
  11. Baby come on
  12. Walk with me
  13. I won't get it right
  14. Always on my mind
  15. The golden sky
  16. God bless the day
  17. Cave of phantoms
Gesamtspielzeit: 77:24 min

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Armin

2020-10-14 21:05:00- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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