Barely Civil - I'll figure this out

Take This To Heart
VÖ: 04.09.2020
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

Odernichtoderdoch

Good day kids, let's talk about Ernüchterung: Aus dem 2018 noch jugendlich-stürmisch betitelten Debüt "We can live here forever" wird zwei Jahre später schon ein etwas zaghafter klingendes "I'll figure this out". Im besten Song des Albums gehts dann nicht nur ans Herz, sondern gleich an den ganzen Körper mit den absolut vernichtenden Zeilen "My body is just a mistake / A simple box for all my organs." Uff. Barely Civil haben es aber auch nicht einfach: Das Jungs-Quartett aus Wisconsin wollte 2020 eigentlich richtig durchstarten mit seinem zweiten Werk und dann kam, ach, wisst Ihr ja alles schon. Da passt die Mischung aus verzweifelter Weltuntergangsstimmung und hoffnungsvollem Leichtsinn, den die Mittzwanziger da mal mehr, mal weniger wuchtig rüberbringen, ja eigentlich nur umso besser. Glück im Unglück, Licht im Schatten? Manche Umstände muss man sich nur schönreden. "I'll figure this out" kriegt das dankenswerterweise auch ohne kleineres Nachjustieren kann.

Das nämlich ist ein ganz wunderbares Emo-Album, klanglich irgendwo zwischen American Football, Foxing und The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die zu verorten. Letztere sind nicht nur erklärte Helden von Barely Civil, deren Gitarrist Chris Teti ist gleich auch noch Produzent des Albums. Dementsprechend gut aufs Maul gibt es hier stellenweise, insbesondere im eingangs bereits erwähnten Über-Über-Highlight "Box for my organs", das völlig zurecht vorab als Single ausgekoppelt wurde und nicht nur mit seinem mitreißenden Refrain zu überzeugen weiß. Im Falle einer Niederlage hilft manchmal eben nur noch ordentliches, ohrenbetäubendes Schreien. Oder eben ein astreines Riff. Hier gibt es gleich beides, und das nicht zu knapp! Und diese Band soll von einem popeligen doofen Jahr und seinen Viren ausgebremst werden? Pff.

Statt traurig auf gecancelte Konzertbuchungen zu blicken, feiert man die Fete dann halt individuell in den heimischen vier Wänden. "Bottom of the lake" braucht eh allerhöchstens nur ein paar Quadratmeter zum ausgelassenen Rumspringen, "North Newhall" gerade mal ein paar Kumpels über ein Videokonferenz-System nach Wahl, um gegen Ende anständig mitgrölen zu können. Alles kein Hexenwerk und schnell besorgt. Siehste, gar nicht so schlimm! Das weiß "I woke up laughing" auch schon lange, feuert aber sicherheitshalber trotzdem mit Kanonen auf Spatzen und fackelt nebenher mal fast die ganze Bude ab. Kaum ist der Rauch verzogen, wird es in "The worst part of December" zwar düster, aber unverwüstlich – hier bleibt jeder Stein auf dem anderen, im besten Sinne. Derweil bietet "Hollow structures" zumindest anfänglich eine kleine Verschnaufpause, ehe das Stück sich völlig losgelöst aufbäumt und in andere Sphären schrammelt. Moment – ist das etwa Tetis Trompete, die da in der Ferne zu hören ist? Da bestätigt sich doch glatt der Bandname: The world is a beautiful place. We are no longer afraid to die!

(Jennifer Depner)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • North Newhall
  • Box for my organs
  • The worst part of December

Tracklist

  1. ...For now
  2. Bottom of the lake
  3. Graves Avenue
  4. North Newhall
  5. Hollow structures
  6. Box for my organs
  7. Fairmount
  8. The worst part of December
  9. I woke up laughing
  10. ...Forever
Gesamtspielzeit: 33:54 min

Im Forum kommentieren

Armin

2020-09-15 21:04:26- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

Jennifer

2020-09-01 16:39:45- Newsbeitrag

Dank Stereogum entdeckt. Recht Emo-lastig, die im Artikel genannten Foxing und Into It. Over It kommen wohl hin. Produziert von Gitarristen von The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die, kommt am Freitag raus. Vier Singles gibts bereits vorab zu hören.









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