H.C. McEntire - Eno axis

Merge / Cargo
VÖ: 21.08.2020
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Down by the river

Zwischen Country, Angel Olsen und Led Zeppelin? Na ja, ganz so extrem ist es nicht mit H.C. McEntire. Und dennoch sind die drei Schlagworte gar nicht verkehrt, wenn es um ihr neues Album "Eno axis" geht. Denn ganz los von ihren Country-Einflüssen kommt sie hier nicht, obgleich die Mischung mit Folk, Gospel und Alternative-Rock durchaus gelungen ist. Als ehemalige Backgroundsängerin von Olsen hat sie zudem auch schon ein wenig Bühnenluft vor größerem Publikum schnuppern dürfen, als sie von ihrer Hauptbahn Mount Moriah gewohnt sein dürfte. Ach ja, und dann gab es da ja noch einen kleinen Achtungserfolg mit ihrem Cover von Led Zeppelins "Houses of the holy", das auf "Eno axis" den Rausschmeißer geben darf. Haben wir jetzt alle eingangs erwähnten Begrifflichkeiten durch? Super!

Mit Brian Eno hat das Album derweil so gar nichts am Hut. Benannt wurde "Eno axis" nämlich viel mehr nach dem Fluss nahe des alten Bauernhauses, das McEntire in den Wäldern der Stadt Durham in North Carolina bewohnt. Dorthin zurück verzog sie sich dann auch nach dem Ende ihrer Tour mit Olsen, um das neue Album aufzunehmen. Herausgekommen sind zehn sepiafarbene, warme, liebevolle Perlen zwischen Melancholie und Melodrama. Ein Album fürs Herz, das man am besten dann hört, wenn die Sonne gerade untergeht. Oder wenn sie wieder am Aufgehen ist. Dämmerzustand gibt es hier zum Glück aber keinen – vielmehr eine hellwache Sängerin, die mittlerweile genau weiß, was sie kann. Und vom Leben erwartet.

Fast ein wenig zu zurückhaltend ist da der Einstieg mit "Hands for the harvest", das offensichtlich noch vor dem frühen Vogel aufsteht, während sämtliche Würmer – und Menschen! – noch am Schlummern sind. Aber so wird man eben mit sanftem Streicheln auf die kommende halbe Stunde vorbereitet. Schon "Footman's coat" mit seinen Americana-Anleihen greift dann etwas beherzter zu, blinzelt unter dem Cowboy-Hut der Sonne entgegen und klopft sich selbstbewusst den Staub vom Leib. Sollte es McEntires Wunsch gewesen sein, dass man dieses Album nicht nur hören, sondern regelrecht schmecken, riechen, spüren kann, so ist es ihr in großen Teilen gelungen. Wie ein vertrautes Gefühl schmeichelt sich "Final bow" in den Gehörgang, erinnert an längst vergessene Augenblicke, das Gitarrensolo bietet den Soundtrack für den Kurzfilm aus der Vergangenheit. Toll ist das.

Obgleich man "Eno axis" auch ein gewisses Fernweh anhört – möglicherweise ein mit dem Genre untrennbarer Umstand –, schwingt in allen Stücken eine Heimeligkeit mit, die McEntire trotz ihrer relativen Unbekanntheit schnell zu einer guten Freundin werden lässt. "True meridian" sitzt da genauso mit am Küchentisch und schlürft verschlafen die Milch aus der Cornflakes-Schüssel wie das ausgelassene "High rise", das zudem der ideale Begleiter für den nächsten Waldspaziergang ist. Zum Schluss, wenn die Dame aus dem Bauernhaus am Eno River dann die Zeilen von Page & Plant singt, ist die Freundschaft eh besiegelt. Manchmal braucht man eben nur ein paar Worte, um sich sicher zu sein: Das hier könnte was Festes werden.

(Jennifer Depner)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • High rise
  • Final bow
  • True meridian

Tracklist

  1. Hands for the harvest
  2. Footman's coat
  3. High rise
  4. River's jaw
  5. One eye open
  6. Final bow
  7. True meridian
  8. Sunday morning
  9. Time, on fire
  10. Houses of the holy
Gesamtspielzeit: 36:27 min

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Armin

2020-08-23 20:19:49- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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