Video Age - Pleasure line

Winspear / Cargo
VÖ: 07.08.2020
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Alle Liebe nachträglich

Wo sind sie, die Fans des guten Kitsches? Nostalgie, Melancholie, Harmonie – ab und an tut ein ordentlicher Happen pinke Zuckerwatte einfach gut. Don't try this at your Zahnarztpraxis! Wenn alles düster und grau und eklig ist, hilft manchmal auch eine rosarote Brille auf der Nase. Ist doch nix dabei, wenn man der Realität zumindest zeitweise entfliehen möchte. Die Band Video Age rund um die beiden Frontmänner Ross Farbe und Ray Micarelli geht sogar noch einen Schritt weiter. Die Jungs säen mit ihrem dritten Album "Pleasure line" nämlich glatt ein paar Zuckerwatte-Bäume auf ihrem Hopserlauf durch die Weltgeschichte. Soll mal einer sagen, dass das nix wird!

Moment, drittes Album? Tatsächlich: Das Quartett aus New Orleans flog bisher eher unterhalb jeglicher Radare, was sich mit "Pleasure line" nun ändern sollte und gerne dürfte. Ambitioniert gehen die ehemaligen College-Kumpels hier ans Werk und schmeicheln mit ihren zehn Achtzigerjahre-Pop-Perlen nicht nur den Ohren, sondern auch den Hüften – den eigenen wie denen des Tanzpartners, die man am besten gleich mit beiden Händen anpackt. Der berüchtigte Hintergedanke? Total einfach: Liebe ist für alle da. Und deswegen gibts für die Band eben verspätet zum dritten Werk auch von uns ein wenig mehr davon.

Manche wollen die Welt verändern, andere nur auf ihre kleinen Schönheiten hinweisen. Video Age gehen dabei geschickt vor: Die bauen ihre Liebesattacken in derart verführerische Melodien, dass man schon automatisch zustimmend mit dem Kopf nickt. "Blushing" etwa zieht mit seinem bockstarken Rhythmus innerhalb weniger Sekunden all diejenigen in seinen Bann, die nicht bei drei von der Tanzfläche an die Bar gestürmt sind, um sich nach dem extradick aufgetragenen Schmalz im Opener von "Pleasure line" eine Erfrischung zu holen. Wir meinen das übrigens im besten Sinne: Wenn schon cheesy, dann doch bitte mit Sahne.

Überhaupt, die erste Hälfte dieses Albums hat es durchaus in sich. Da gäbe es dann nämlich auch noch den lupenreinen Pop von "Aerostar", der sogar schon aus dem Büro eines gewissen Plattentests.de-Chefs tönte. Zu laut? Vielleicht hilft auch da ein bisschen Zuckerwatte. Oder besser noch, wenn man sich einfach hingibt. Dann nämlich kann man zum charmanten "Shadow on the wall" herrlich peinlich mitgrooven, wie es sonst vielleicht nur die Golden Girls getan haben. Oder gemeinsam mit "Meet me in my heart" eine Runde schaukeln und wie einst Sandy Dee in die Nacht schluchzen, bis alles wieder gut ist. Wird es am Ende ganz bestimmt. Versprochen.

Alles Liebe!

(Jennifer Depner)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Blushing
  • Aerostar
  • Meet me in my heart

Tracklist

  1. Pleasure line
  2. Maybe just once
  3. Blushing
  4. Aerostar
  5. Comic relief
  6. Sweet Marie
  7. Shadow on the wall
  8. That can't be
  9. Meet me in my heart
  10. Good to be back
Gesamtspielzeit: 36:31 min

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Armin

2020-07-31 21:42:58- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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