Taylor Swift - Folklore

Republic / Universal
VÖ: 24.07.2020
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Pullunder-Pop

Der Nachteil an einer Rezension, die erst eine Woche nach Veröffentlichung kommt: Man langweilt alle, wenn man die zigfach gehörte Geschichte des Albums wiederkäut. Der Vorteil: Man kann genau deshalb direkt zur Musik springen. Also lediglich ganz kurz: Taylor Swift, "Folklore", spontan veröffentlicht, The Nationals Aaron Dessner bei elf Songs an Songwriting und Produktion beteiligt, Bon-Iver-Feature. Sparen wir uns den unwichtigen Scheiß in Sachen indiekulturelle Betrachtung und stellen fest: Das ist wirklich ein hübsches Bündel an folkigen Stücken. Auch die in der Mitte des Albums befindlichen, von Jack Antonoff produzierten Soft-Eighties-Kleinode fügen sich bestens in ihre Umgebung ein. Ein Jammer eigentlich, dass das Album zur Sommerzeit erscheint und nicht direkt für kalte Winterspaziergänge zur Verfügung steht. Mit oder ohne dem besungenen "Cardigan".

In den Klavierfiguren hört man Dessners Handschrift heraus, anderweitig ist es aber keinesfalls ein The-National-Album, über das Swift eben mal drübersingt. Die Handschrift ihrer Folk- und Country-Wurzeln ist klar erkennbar, ihr Pop-Gespür für griffige oder einfach schöne Melodien weiterhin vorhanden. Und natürlich findet Swift auch wieder Wege, kleine Liebesdramen mit einprägsamen, bewegenden Worten auszumalen. Im immer nur kurz anschwillenden "Illicit affairs" singt sie von einer Beziehung im Geheimen. Die eigentlich romantisch klingende Zeile "You taught me a secret language I can't speak with anyone else" wird zur bitteren Pille der Einsamkeit. "And you know damn well / For you, I would ruin myself a million little times." Das wundervolle "Cardigan" und die intensive Klimax von "August" bilden zusammen mit dem Country-Ausflug "Betty" derweil eine Trilogie, die eine Geschichte aus den verschiedenen Blickwinkeln der Charaktere erzählt.

Justin Vernons Stimme in "Exile" erklingt überraschend tief, sein markantes Falsett taucht erst später auf, wenn sich der Song als Duett zum Höhepunkt schwindelt. "I think I've seen this film before / And I didn't like the ending" – fürwahr bietet "Folklore" nichts revolutionär Neues, es schmiegt sich lieber behaglich und unaufdringlich an. Mit Ausnahme des etwas zu quirligen "Betty" ist jedoch auch der Schluss der Platte einnehmend. "Epiphany" und "Peace" sind zwei sehr reduzierte, fast schon formlose Juwelen. "The devil's in the details, but you got a friend in me / Would it be enough if I could never give you peace?", fragt Swift im Zweifel, ob sie ihrem Partner je genug sein kann. Der Closer "Hoax" endet unversöhnlich, die Liebe einer "smoking gun", einem "twisted knife" gleichsetzend. Auch wenn die letzten Zeilen lauten: "Don't want no other shade of blue but you / No other sadness in the world would do." Manchmal bleibt man eben trotz allem.

Wie schon der Vorgänger "Lover" hat "Folklore" das kleine Problem, ein wenig zu viel des Guten zu sein. Wobei Swift hier solch unsägliche Ausfälle wie "Me!" glücklicherweise umschifft – kein Song fällt aus dem Rahmen. Eher ist das Problem im Gegenteil zu suchen: Wo "Lover" eben noch viele Stile versuchte unter einen Hut zu bringen, sind diese 16 Stücke am Ende etwas zu gleichförmig, um das ganz große Werk zu bilden. Ein paar Songs weniger hätten die Platte zum Meisterwerk gemacht, denn genügend Highlight-Kandidaten finden sich quer über die ganze Spielzeit verstreut. So läuft hier und da die Aufmerksamkeit Gefahr, vom Weg abzukommen. Auch wenn genau dort in diesem kahlen Wäldchen, welches das Cover ziert, etliche schöne Sachen auf Entdeckung warten. Inmitten von Piano, Streichern, zarter Elektronik und vielen tollen Worten. Zieh den "Cardigan" enger zu.

(Felix Heinecker)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Cardigan
  • The last great American dynasty
  • August
  • This is me trying
  • Epiphany

Tracklist

  1. The 1
  2. Cardigan
  3. The last great American dynasty
  4. Exile (feat. Bon Iver)
  5. My tears ricochet
  6. Mirrorball
  7. Seven
  8. August
  9. This is me trying
  10. Illicit affairs
  11. Invisible string
  12. Mad woman
  13. Epiphany
  14. Betty
  15. Peace
  16. Hoax
Gesamtspielzeit: 63:37 min

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Leatherface

2020-08-08 11:14:37

Meine finale Tracklist:
1. the 1
2. cardigan
3. the last great american dynasty
4. exile
5. my tears ricochet
6. mirrorball
7. seven
8. august
9. this is me trying
10. illicit affairs
11. mad woman
12. betty
13. peace

"invisible string", "epiphany" und "hoax" kann man als Bonus gut hintendran hängen, aber diese 13 sind rund, nicht zu lang, jeder Song trägt eine eigene Note bei, guter Fluss - die ideale Version des Albums.

Given To The Rising

2020-08-08 03:05:10

Ach so, Never Really Over fand ich gar nicht so schlecht. Sie ist im Augenblick hochschwanger. Seltsamer Augenblick ein Album herauszubringen.

fuzzmyass

2020-08-08 02:59:41

Das Meisterwerk kommt nächsten Freitag, wait and see ;D

Given To The Rising

2020-08-08 02:51:04

Ich kenn mich bei Katy Kerry null aus. Kenne nur ihre Horrornummern I Kissed A Girl und Fireworks.

fuzzmyass

2020-08-08 02:44:53

Du, Taylor hat hier auch erstmal klein angefangen:

Fearless 5/10
Speak Now 4/10
Red 4/10
1989 6/10
Reputation 5/10

Und dann schon 2 mal 7/10. Ist bei Katy schon auch drin....

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