We Invented Paris - Lastone inone go

We Invented Paris
VÖ: 03.06.2020
Unsere Bewertung: 5/10
5/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Ende Gelände

Ach, waren das noch Zeiten mit der Schallplatte als dem Standardmedium für Musik. Da konnte man nicht einfach ohne Aufwand einen Song weiter skippen – man wurde dazu gedrängt, das ganze Album in einem durch zu hören, allein unterbrochen durch das Wenden der Platte. Doch obwohl im Jahr 2020 keinerlei Grund mehr dafür zu bestehen scheint, zelebrieren viele Musikschaffende weiterhin das gute alte Vinyl-Gefühl. Die Rede ist nicht vom Platten-Revival, sondern von der ungewöhnlichen digitalen Veröffentlichung von "Lastone inone go" von We Invented Paris. Das letzte Album des Kollektivs um den Schweizer Sänger und Songschreiber Flavian Graber enthält technisch gesehen nur einen Song mit einer Länge von einer knappen halben Stunde. Und damit nicht genug: Sucht man das Werk momentan auf den gängigen Streaming-Plattformen, wird man enttäuscht. "Lastone inone go" war lediglich zehn Tage lang Anfang Juni 2020 online, ein physischer Release folgt erst noch. Ein Abschied mit Stil?

Neben einigen Singles im sechsstelligen Streams-Bereich blieb die Band seit ihrem nach sich selbst betiteltem Debüt 2011 immer etwas unter dem Radar. Ein Grund dafür war nie wirklich ersichtlich, bewegten sich We Invented Paris doch stetig zwischen massentauglichem Mainstream und Liebhaber-Flair, was auch der ungewöhnliche Digital-Release des Vorgängers "Are we there yet?" zeigte. "Lastone inone go" geht diesen Weg weiter. "Celeste" etwa punktet mit pulsierendem Synthie-Bass und erinnert in seiner nachdenklichen Hochglanz-Atmosphäre an den Indiepop-Minimalismus von Finneas O'Connell.

Zur Erklärung: Das Album ist nicht ein langer Song wie etwa "Tubular bells" von Mike Oldfield, sondern spielt einfach alle Songs hintereinander ab – Skippen wird hier schwierig. Dabei ist "Lastone inone go" nicht von vorne bis hinten ein Vergnügen. Während ein Song wie "Mannequin" noch angenehmer Radiopop mit obligatorischem Autotune-Einsatz ist, verkommen "Zoo" oder "Nightliner" zu generischen Rea-Garvey-Nummern. "Cheese & chocolate" kriegt da gerade noch die Kurve und könnte auch einen der wenigen guten Songs eines neuen Coldplay-Albums darstellen. Am Ende bringt auch das letzte Werk der Schweizer ihr Vermächtnis gut auf den Punkt, da sie sich immer im Nirgendwo zwischen blutleerem Massenprodukt und ambitionierter Liebhaber-Perle bewegten. Abzusehen bleibt, wie lange das Wirken von Graber nachhallen wird nach zehn Tagen "Lastone inone go" und zehn Jahren We Invented Paris.

(Julius Krämer)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Celeste
  • Cheese & chocolate

Tracklist

  1. Still the one
  2. Driftwood
  3. Celeste
  4. Mannequin
  5. Waltz away
  6. Zoo
  7. Nightliner
  8. Cheese & chocolate
  9. Brass it till you make it
Gesamtspielzeit: 28:39 min

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Armin

2020-06-24 12:11:30- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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