I Break Horses - Warnings

Bella Union / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 08.05.2020
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Keysgrube

Mal wieder was für die Abendstunden, dieses Album. In dreifacher Hinsicht. Da wäre zunächst das schwarz-weiße Cover des jüngsten I-Break-Horses-Werks "Warnings" mit dem visuellen Dopplereffekt für eine offenkundig in sinnliche Traumsphären entflohene Maria Lindén. Die Sängerin des schwedischen Duos schimmert, scheint und singhaucht um Dream- und Bedroom-Pop herum, dessen Layer-Schichten den auf Nachtruhe gepolten Geist unmittelbar gefangen nehmen. Punkt drei bildet die textliche Komponente. Und die ist nicht ohne. "I will escape your so called affection / And walk out on your semi erection." Damit steht und fällt die Beziehung jedoch nicht alleine. "You're wasting my time and my future."

Das scharfe Urteil von Lindéns Figur im Opener sitzt dabei auf weichen Wolken. Wir behaupten mal: Nur zwei von 100 Personen achten beim erstmaligen Hören von "Turn" auf die Lyrics und geben sich lieber freiwillig dem leicht retrospektiven Funkeln hin. Völlig verständlich. Der neunminütige Start in "Warnings" gerät etwas länglich, bereitet aber den Boden für eine Platte, die unmerklich mit schwedischen wie englischen Titeln hantiert und kurze Interludes wie das beklemmende und stimmlich völlig ausgebremste "I a r m" ihren ausschweifenden Ideen zur Seite stellt. Zu letzterer Gattung zählt "Death engine", Vorbote für "Warnings": bedrückend aufgrund des behandelten Themas Suizid, einnehmend durch die melancholisch wogenden, synthentischen Töne. "You give me salvation but can you save my life?"

In solchen Momenten erwecken I Break Horses die Langsamkeit. Sie entschleunigen und kreisen in Gedanken – um Einsamkeit, Störfaktoren des zwischenmenschlichen Gleichgewichts und alles, was des Nächtens aus dem Unterbewusstsein ins Oberstübchen kriecht. "I live at night", der einzige Song mit wahrnehmbar E-Gitarre, gleitet im Downtempo in Trip-Hop-Beat-Randfelder, dem Zwischenspiel "A b s o l u t a m o l l p u n k t e n" fehlt eigentlich nur die Leier-Kurbel und das sämige "Silence" erfüllt ein lieblicher Mellotron-Reigen. Selbst im wunderbar Goldfrapp-artigen "I'll be the death of you" binden die Schweden einen Rucksack voller Ballast um die Dynamik. Doch "Warnings" legt zuweilen auch an Tempo zu, in "Neon lights" die 80er-Leggings an und in "Depression tourist" dicke Vocoder-Schminke auf, was der Abwechslung zuarbeitet. Am stärksten aber wirkt dieses Album, wenn man sich trotz manch lyrischer Schwere mit ihm ins synthetische Bad setzen möchte. Oder ins Bett.

(Stephan Müller)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Silence
  • I'll be the death of you
  • Death engine

Tracklist

  1. Turn
  2. Silence
  3. I a r m
  4. I'll be the death of you
  5. D e n l i l l a p å s e a v l y c k a
  6. The prophet
  7. Neon lights
  8. I live at night
  9. Baby you have travelled for miles without love in your eyes
  10. Death engine
  11. A b s o l u t a m o l l p u n k t e n
  12. Depression tourist
Gesamtspielzeit: 54:41 min

Im Forum kommentieren

Dielemma

2020-05-27 19:57:52

Chiaroscuro ist mir vor kurzem wieder in die Hände gefallen, starkes Album! Habe aber dabei nicht mitbekommen, dass ein neues kurz vor der Veröffentlichung steht. Durch die Rezension drauf aufmerksam geworden und wird gleich reingehört!

Armin

2020-05-27 19:50:53- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

musie

2020-05-15 19:48:23

Das neue Album ist da. Aufs erste Hören erfreulich.

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