Purity Ring - Womb

4AD / Beggars / Indigo
VÖ: 03.04.2020
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Gleitmittel zum Zweck

Bescheidenheit ist eine Zier – auch Purity Ring halten's mit ihr. Arg grenzdebiler Reim, doch wo soll man den schon anbringen außer bei einer Band, die ihren Songs semantisch verschlungene Titel wie "Anenamy" oder "Obedear" gibt und statt einer eierlegenden Wollmilchsau aus Witch House, Neo-R'n'B und Synth-Wave schlicht "Pop" sein will? Entsprechend begingen Megan James und Corin Roddick 2017 das Fünfjährige ihres Debüts "Shrines" nicht mit großem Hipster-Brimborium, sondern lediglich mit dem schüchtern eingeschobenen Non-Album-Track "Asido". Dieser wagte ein bisschen mehr HipHop und größere Luftblasen im glitzernden Klacker-Groove, legte sich erneut verführerisch ins elektronische Zuckerzeug und verhinderte trotzdem, dass der zuletzt auf "Another eternity" karamellisierte Sound verklumpt wie jahrealte Bonbons in der Dose. Gleichzeitig ein Fingerzeig Richtung "Womb": Allzusehr aus ihrer vermutlich von Limette-Minze-Duschgel verwöhnten Haut können die zwei Kanadier auch hier nicht.

Wollen sie offenbar auch gar nicht: Zu kuschelig mutet der titelgebende Schoß aus James' engelsgleicher Stimme und den maximal komprimierten Texturen an, die Roddick seinen Maschinen entlockt, als dass Purity Ring daran interessiert wären, den bequemen Platz an der Spitze der synthetischen Nahrungskette aufzugeben. Nicht umsonst bittet die Single "Stardew", ein diskret an der Temposchraube drehender – genau – Popsong am Ende dieses Albums, "einfach da zu sein, wo Du bist" – und das ganz ohne die Hilfe von Hashtags wie #staythefuckhome. Doch solche beunruhigenden Realitätsbezüge verbieten sich angesichts dieses freundlich gleitenden, aber auch vergleichsweise aufgekratzten Finales, das auch Chvrches jederzeit auf dem Zettel haben könnten, praktisch von selbst. Vergleichbare Schlüssigkeit erreicht "Womb" während der zuvor verstrichenen halben Stunde allenfalls im trockenen Klopfer "Silkspun" – überzieht den Hörer dafür aber äußerst zweckmäßig mit einer funkelnden akustischen Saccharin-Schicht.

Nicht verwunderlich, dass "Womb" oft betört und nur ab und zu klebt – und auch die Befürchtung, die stattliche Zufuhr von Süßkram vernebele die Sinne, entpuppt sich schnell als billigend in Kauf genommene Sollbruchstelle in einer pastellfarbenen Candy-Crush-Saga. Die fragmentierten Rhythmen des ins Verhuschte lappenden Openers "Rubyinsides" gehören dabei genauso zum mutwillig weichgezeichneten Klangbild wie der sämtlichen Beats entsagende Wachtraum "Almanac". Deutlich mehr zum Festhalten bieten der verspielte Daddel-Hop von "Pink lightning" oder "Peacefall", ein versonnener kleiner Singalong-Hit, der das so schlichte wie reizende Selbstverständnis des Duos mit rosa Edding unterstreicht. Und ist "Femia" gar als geschlechtstheoretische Hypnose-Sitzung gedacht? Oder bloß als Köstlichkeit auf dem gleichen Electric Piano, das schon These New Puritans' "Organ eternal" unwiderstehlich machte? Nicht so wichtig: Auf der Zunge zergehen lässt man sich "Womb" so oder so. Manchmal sogar zur Fastenzeit.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Pink lightning
  • Femia
  • Stardew

Tracklist

  1. Rubyinsides
  2. Pink lightning
  3. Peacefall
  4. I like the devil
  5. Femia
  6. Sinew
  7. Vehemence
  8. Silkspun
  9. Almanac
  10. Stardew
Gesamtspielzeit: 36:12 min

Im Forum kommentieren

8hor0

2020-04-02 14:21:50

Purity Ring - i like the devil

https://www.youtube.com/watch?v=SKnLfirc2Sg

Armin

2020-03-25 21:05:14- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

Garmadon

2020-03-25 09:47:31

Ist jetzt zwar keine Band, mit der ich mich regelmäßig beschäftige aber vor allem das letzte Album mochte ich schon sehr gern.

Die Vorabsongs - besonders "Peacefall" gefallen mir gut; ich freu mich auf das Album!

AVMsterdam

2020-03-25 00:27:46

Großes Ereignis und der Vorgeschmack klingt auch schön.

Armin

2020-03-18 20:38:32- Newsbeitrag



Moment, es sind zwei neue Songs.

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