Circa Waves - Sad happy

Prolifica / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 13.03.2020
Unsere Bewertung: 4/10
4/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

... einmal fürs Katzenvideo

Wer ist eigentlich "Jacqueline" (im Chorus zum gleichnamigen Song "Jacqueline-oO-aA-Ee" genannt)? Welches Fußballteam darf bei der nächsten WM auf ihre Unterstützung hoffen? Und wann droppen Circa Waves endlich das Shakira-Feature? "Jacqueline-oO-aA-Ee-oO-aA-Ee-Waka-Waka-EE", das passt doch wie die Faust aufs Auge … Oder? – Nein. Beruhigung ist angebracht. So weit geht die Band nun nicht. Also … noch nicht, und man muss es schließlich nicht übertreiben mit den Witzen. Vor allem, da die Briten mit "Sad happy" ein Album veröffentlichen, das clevererweise das gesamte menschliche Gefühlsspektrum abdeckt. Manchmal ist man eben fröhlich … und manchmal ähm … ja … traurig, und alle anderen Regungen sind im Grunde nur eine Mischung aus ersterem und zweiterem Gemütszustand, ähm ... Oder?

Konsequent taufen Circa Waves demnach eine Albumhälfte auf "Happy" – es ist anders als der LP-Titel suggeriert die erste – die andere auf "Sad". Songwriter und Frontmann Kieran Shudall scheint sein Konzept gut durchdacht zu haben. Eine Kleinigkeit hat er aber vergessen: It’s the song, stupid! Ob man die thematische Zweiteilung für ausgeklügelt hält oder nicht, ist daher recht egal, musikalisch und textlich fällt sie ohnehin nicht auf. Recht egal sind auch die Tracks, denen man anhören kann, dass die Liverpooler ihre Musik gerne in größeren Dimensionen wirken sähen. Die Mittel, die man sich dafür erwählt hat, sind allerdings denkbar undankbar.

Um ihrem formelhaften 00er-Jahre-Indie, der sogar in dessen Blütezeit nur in der zweiten Liga gespielt hätte, so etwas wie Relevanz zu verleihen oder ihn allerwenigstens in einem Til-Schweiger-Film unterzubringen, durchmischen sie ihn mit plakativen Gefühlsbrocken und ausuferdem Pop-Gebaren. Ein bisschen verwegen sind die jungen Männer aber schon. In "Be your drug" singen sie davon, die "Droge" der Angebeteten sein zu wollen, werfen sich – vielleicht in der Realität, zumindest aber bildlich – die Lederjacke über, versuchen sich an Josh-Homme-Downstrokes und fahren sich lässig zwinkernd mit der Hand durchs Haar. Das muss man sich in seiner Abgeschmacktheit erst einmal trauen!

Zwar finden sich auf "Sad happy" auch annehmbare Pop-Songs wie etwa "Move to San Francisco" oder der Closer "Birthday cake", aber selbst da sind die Schuhsohlen dermaßen abgelatscht, dass die Tracks bereits nach den ersten Auf-und-ab-Strecken im Gehörgang ins Nirgendwo abgleiten. Das gleichgültig glatte Sounddesign unterstützt dabei. Shudall möchte seinen Albumtitel auf die vorherrschende emotionale Ambivalenz im Angesicht der großen Katastrophen unserer Zeit bezogen wissen. Die Bedrohung ist da, und wir versinken "sad happy" im YouTube-Clip. Gut, dass er‘s dazusagt, man käme sonst nicht drauf. Um die als bizarr empfundene Gegenwart abzubilden, erzählen die vier also von Herzensangelegenheiten ohne Pulsschlag und liefern das musikalische Äquivalent eines Katzenvideos. Schön anzuhören ist das nicht, wahrscheinlich agieren Circa Waves aber hochgradig performativ.

(Katharina Bruckschwaiger)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Move to San Francisco
  • Birthday cake

Tracklist

  • CD 1
    1. Jacqueline
    2. Be your drug
    3. Move to San Francisco
    4. Wasted on you
    5. The things we knew last night
    6. Call your name
    7. Love you more
  • CD 2
    1. Sad happy
    2. Wake up call
    3. Sympathy
    4. Battered & bruised
    5. Hope there's a heaven
    6. Train to Lime Street
    7. Birthday cake
Gesamtspielzeit: 46:41 min

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Armin

2020-03-10 21:30:10- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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