The Night Flight Orchestra - Aeromantic

Nuclear Blast / Warner
VÖ: 28.02.2020
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Und Abflug

Im Grunde genommen gibt es wenig, was den Kultstatus von The Night Flight Orchestra auch unter härtesten Genrefreunden nachhaltig erklären kann. Zunächst einmal waren die Death-Metaller Björn Strid und David Andersson von Soilwork sowie Sharlee D'Angelo von Arch Enemy wahrlich nicht die ersten Vertreter einer extremen Musikrichtung, die tief im Inneren dem klassischen Rock frönen, da waren Audrey Horne mit den Black-Metal-Rüpeln Arve Isdal und dem früheren Bandmitglied Tom Cato "King Ov Hell" Visnes früher dran. Und vor Innovation strotzt eine Mischung aus 70er-Jahre-AOR, Pop und Metal nun auch nicht. Was also ist das Besondere an den Schweden? Ganz einfach: ein gut gepflegtes Image gepaart mit einem unfassbaren Gespür für Harmonien.

Wie unfassbar dieses Gespür ist, darf beim fünften Album "Aeromantic" zunächst einmal die erste Single "Divinyls" zeigen. Was auch immer die Lyrics aussagen mögen, weiß vermutlich nur Frontmann Strid selbst, ist aber auch egal. Denn "Divinyls" ist ein Ohrwurm erster Güte, der sich über eine simple Songstruktur leise ins Hirn schleicht. Um dort für lange Zeit zu bleiben, denn dieser Refrain ist unmenschlich eingängig und dürfte vermutlich jeden bespielten Club in einen Tanztempel verwandeln. Und wenn die Schweden schon einmal mit maximal tanzbaren Refrains beschäftigt sind, dürfen auch "Transmission" oder auch der Titeltrack mit tollen Reminiszenzen an die glorreichen Zeiten des Disco-Pop in den Achtzigern glänzen.

Aber natürlich dürfen die Gottväter der Harmonien nicht unerwähnt bleiben. Keine Ahnung, ob sich Benny Andersson und Björn Ulvaeus schon so tief in die DNA schwedischer Komponisten eingebrannt haben, oder ob The Night Flight Orchestra einfach nur rotzfrech klauen – aber diese Mischung aus fluffigen Melodien und einer unterschwelligen Wehmut, die "If tonight is our only chance" so bringt, ist nun einmal ABBA pur. Wie sehr Strid die nach wie erfolgreichste schwedische Band aller Zeiten verehrt, zeigt der Umstand, dass "Aeromantic" auf dem selben Drumkit eingespielt wurde, auf dem 1980 der damals blutjunge Session-Drummer Per Lindvall das Album "Super trouper" eingetrommelt hatte.

Womit wir beim letzten Punkt wären, bei dem die Skandinavier Gespür beweisen – nämlich das geschickte Wandeln auf dem Grat zwischen Eklektizismus und frechem Diebstahl. Da wird dann mal für "This boy's last summer" kurzerhand ein Basslauf bei Mando Diao ausgeliehen, während Toto oder Kansas eh immer wieder als Einflüsse auftauchen. Und doch springen The Night Flight Orchestra nicht mehr ganz so vogelwild durch die Stile wie noch auf den ersten zwei Alben, sondern versuchen, den immer noch sprühenden Ideen mehr Struktur zu verleihen. Dass dabei ausgerechnet der Opener "Servants of the air" etwas lang gerät und nach hinten heraus ein kleines bisschen Füllmaterial verwendet wurde – geschenkt. Denn im tiefsten Kern ist The Night Flight Orchestra immer noch ein Spaßprojekt, an dem einfach ein paar Musiker das tun, wonach ihnen der Sinn steht. Was allerdings höchst professionell und leidenschaftlich umgesetzt wird. Und daran wird auch "Aeromantic" nichts ändern.

(Markus Bellmann)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Divinyls
  • If tonight is our only chance
  • Transmissions

Tracklist

  1. Servants of the air
  2. Divinyls
  3. If tonight is our only chance
  4. This boy's last summer
  5. Curves
  6. Transmissions
  7. Aeromantic
  8. Golden swansdown
  9. Taurus
  10. Carmencita seven
  11. Sister mercurial
  12. Dead of winter
  13. City lights and moonbeams
Gesamtspielzeit: 59:05 min

Im Forum kommentieren

Armin

2020-03-13 20:13:59- Newsbeitrag

With a heavy heart, THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA has to postpone their European headline tour dates with ONE DESIRE.

The cabin crew states:
“Hello all you Midnight Flyers!
We’re all extremely sad to inform you that we have to cancel the remaining dates of the Aeromantic Experience.tour, at least the part on the European continent . Due to circumstances beyond our control (i.e. the Corona virus and the various restricitions that it’s brought upon us), we simply can’t continue. Alhough we tried until the very end.
Thank you so much to all of you who came out to see us, who danced your asses off and shared the euphoria. We love you. The remaining dates will be rescheduled, and hopefully we’ll even get to revisit a few places again.
On a positive note, we’ve already booked studio time, and we’ll enter the studio as soon as we get home. Even though we’re currently prevented from touring, we’ll make sure we’ll come to you in some way or form - not only sound wise but also visually. No one can tell how long this whole situation will go on, but we promise that we’ll keep bringing The Aeromantic Experience to you, no matter what happens.“


tjsifi

2020-03-05 14:41:30

Sehr sehr geil! Höre das zum ersten mal und wusste gar nicht dass es dieses Projekt gibt, bin jedenfalls hin und weg.
Bin halt aber auch ein Kind der 80er...

musie

2020-03-04 09:14:24

Hab auch kurz reingehört. Höre da Toto, Foreigner und Army of Lovers... Wäre was für den ESC.

fakeboy

2020-03-04 09:05:37

Modern Talking lassen grüssen

VelvetCell

2020-03-03 13:48:28

Oder anders: Weil da so viele Metal-Menschen mitwirken, habe ich eher an so was wie die Galactic Cowboys gedacht.

Und deren Debütalbum höre ich jetzt stattdessen.

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