Nathaniel Rateliff - And it's still alright

Stax / Caroline / Universal
VÖ: 14.02.2020
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Loss & found

Mit seiner Band The Night Sweats erhielt der tolle Singer-Songwriter Nathaniel Rateliff endlich die Anerkennung, die ihm zuvor im größeren Umfang verwehrt geblieben war. Ihr Soul, Rock und Blues schallte mit der Veröffentlichung der Studioplatten von großen Festival-Bühnen herab, keine relevante Late-Night-Talkshow verzichtete darauf, sich die Live-Qualitäten der siebenköpfigen Band ins Abendprogramm zu holen. "Endlich", schien Rateliff sich gedacht zu haben, endlich nicht mehr Einzelkämpfer, endlich Support, endlich angekommen. Dass nun nach sieben Jahren wieder ein Solowerk erscheint, ist nicht auf eine Abgrenzung von seiner Band zurückzuführen, sondern hat sehr persönliche Gründe.

Der Titel "And it's still alright" lässt bereits vermuten, dass dem Zweckoptimismus etwas zugrundeliegt, was so gar nicht "alright" war. Für den 41-Jährigen aus Denver war und ist dies das Aus seiner Ehe und vor allen Dingen der Tod seines Freundes Richard Swift, der die beiden Night-Sweats-Alben produzierte und eigentlich auch für das vorliegende Werk als kongenialer Partner fungieren sollte. Beide Themenfelder wollte Rateliff nicht im Bandgefüge unterbringen. Für die großen Themen des Lebens und ungefilterte Einblicke wählt er den intimen Rahmen. "I left feeling alone", raunt es aus seinem Bart im Opener "What a drag". Bis auf ein wenig Klappern und Fingerschnippen im Hintergrund sowie eine bedächtig schwingende, bluesige Gitarre wirkt Rateliff in dieser vertonten Einsamkeit wirklich allein auf weiter Flur.

Das Gefühl bestärkt sich im anschließenden Titeltrack. Swift habe in ihm immer einen Zwillingsbruder gesehen, erklärt der Mann aus Denver. Ihre Lebensweisen und -krisen kreuzten und glichen sich. Im Juli 2018 verstarb Richard Swift mit 41 Jahren an den Folgen jahrelangen Alkoholismus. Nicht erst seit seinem Song "S.O.B." weiß man um Rateliffs eigenen Kampf mit dem Alkohol. Und so mischt sich verständiges Empfinden in die Trauer. "They say you learn a lot out there / How to scorch and burn / Gonna have you to bury your friends / Then you'll find it gets worse / Standing on the ledge / With no way to get down." Mit der betrübten Steel-Gitarre an seiner Seite gelingt Rateliff eines der besten Stücke seiner Diskografie. "Your idle hands are all that stands from your time in the dark / But it's still alright."

Irgendwie geht das Leben weiter. Muss ja. Mit Hoffnung am Ende des Tunnels lebt es sich deutlich angenehmer. Diese Essenz vermittelt Rateliff an der Akustikgitarre im teils murmeligen Bariton mal mehr und mal weniger explizit mit im Folk verwurzelten Stücken. Klassische Nummern wie "You need me" und auch "Time stands" sind nicht weit entfernt von "In memory of loss", "And it's still alright" ist dennoch ein wenig anders gelagert. "Expecting to lose" hat staubige Wüste im Blut, das hymnische Trennungslied "Mavis" Soul und ein wenig Beatles und das hoch emotional vorgetragene "Rush on" sitzt mit verschnupften Bläsern sechs Minuten an der Seite von Richard Swift. Gerade die Streicher-Arrangements von Tom Hagermann (DeVotchKa) verweisen in Stücken wie "All or nothing" auf Harry Nilsson – ca. frühe Siebzigerjahre – als musikalische Referenzquelle. Und auch wenn "Tonight #2" butterweich den Weltuntergang in den Schlaf schrubbt, verleihen die Violinen dem Stück ein Hauch von Gestern. Da war auch nicht alles besser, die Welt für Rateliff aber eine andere.

(Stephan Müller)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • And it's still alright
  • Tonight #2
  • Mavis

Tracklist

  1. What a drag
  2. And it's still alright
  3. All or nothing
  4. Expecting to lose
  5. Tonight #2
  6. Mavis
  7. You need me
  8. Time stands
  9. Kissing our friends
  10. Rush on
Gesamtspielzeit: 42:20 min

Im Forum kommentieren

Armin

2020-02-10 20:52:12- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

Stephan

2020-01-08 10:24:49- Newsbeitrag

Neues Soloalbum erscheint am 14.02.2020

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