Harry Styles - Fine line

Erskine / Columbia / Sony
VÖ: 13.12.2019
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Bitte nicht so grell

Harry, das hast Du gut gemacht. Ohne jetzt nochmal die Verblüffung aufzuwärmen, die der Ex-One-Direction-Knabe Styles mit seinem selbstbetitelten Solo-Debüt, so erwachsen, so stilsicher, so gar nicht Groupie-Kreisch, erzeugte, bleibt dennoch fest zu halten: Hier machte die Abspaltung von der Teenie-Band wirklich Sinn, da in Styles ganz andere künstlerische Regungen zu Tage traten. Viel Rock war da verarbeitet worden, viel Schräges, aber eben auch der absolute Jackpot mit der Über-Hymne "Sign of the times", ein Song, der Pathos von Peinlichkeit befreite und mit großer Geste jede Hartherzigkeit auflöste. Dies ist zwar alles ein schöner Türöffner für die weitere Karriere, lässt aber auch gewisse Erwartungen wachsen. In welche Richtung sich der Künstler wohl entwickeln mag? Nun, Styles zeigt auf Platte Nummer zwei, "Fine line", dass er dem ganzen Zirkus recht entspannt entgegen sieht. Das Album ist kein Aufbruch zu experimentellen Unhörbarkeiten, aber auch kein Zufriedengeben mit allzu glatt gebonerter Oberflächlichkeit. Eher eine Konsolidierung als eine radikale Geste, ist diese Platte locker, geschmeidig aber eben auch mit kompositorischen Kniffen versehen, die ein intelligentes Beherrschen des Songwriter-Handwerks deutlich werden lassen.

Der Opener "Golden", ruft wie ein alter, vertrauter Freund mit luftigem Fluss ein Willkommen aus – weich, aber auch ein wenig vorsichtig, mit der Abgeklärtheit einer AOR-Band. Auch "Watermelon sugar" greift Bekanntes auf, der vom Briten Styles genüsslich entrollte Pop-Funk tut nicht weh oder greift hart zu, vielmehr ist auch dieser als ein freundschaftliches Herbeiwinken des Hörers gedacht. Immer dabei sind elegante, nicht weniger herzliche Melodien, die an den richtigen Wohlfühlschrauben des Hörers drehen. Untergründig, ein wenig geheimnisvoll, beginnt "Adore you", welches zur besseren Orientierung aber einen soliden Beat aufweist, bevor milchig schimmernder Glitter im Refrain verstreut wird. Man kann sich dabei gut vorstellen, wie Styles sich diese Songs in zurückgelehnter Haltung erdacht hat, ohne großes Erzwingen, einfach schön laufen lassen.

Dabei sorgt Styles für Abwechslung, dominierte zu Beginn eher eine synthetische Instrumentierung, lassen die fein klimpernde Akustik-Gitarre in "Cherry" oder das wehmütige Klavier in "Falling" auch den Geschmack von etwas Handfestem zurück. Letztgenannter Song ist übrigens Styles diesmaliger Beitrag zum Power-Balladen-Fach, ohne sich jedoch derart ins gefühlige Höchstmaß zu schaukeln, wie seinerzeit "Sign of the times". Jetzt hält der Brite den Ball bescheidener flach, will eher mit unauffälligeren, aber nicht weniger herzlichen Gesten überzeugen. Und die Leichtigkeit des karibisch unterfütterten "Sunflower, vol. 6" gefällt in seiner unaufdringlichen Lockerheit auch ausnehmend gut. Man hat das Gefühl, Styles geht mal hier hin, probiert mal das aus, ohne großen Zwang, aber mit feinem Gespür für eine anheimelnde Melodie. Und wenn im abschließenden Titelsong eine sehnsüchtige Psychedelik die Farben im Wasserglas aufscheucht, Leiden, Sehnen und die tröstende Umarmung im selben Moment anklingen, wird ein weiterer Beweis dafür erbracht, dass aus einem ehemals von Teenies angekreischten Tanz-Hansel ein veritabler, ernstzunehmender Künstler werden kann.

(Martin Makolies)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Golden
  • Falling
  • Sunflower, vol. 6
  • Fine line

Tracklist

  1. Golden
  2. Watermelon sugar
  3. Adore you
  4. Lights up
  5. Cherry
  6. Falling
  7. To be so lonely
  8. She
  9. Sunflower, vol. 6
  10. Canyon moon
  11. Treat people with kindness
  12. Fine line
Gesamtspielzeit: 46:43 min

Im Forum kommentieren

Mister X

2020-01-10 14:52:28

https://m.youtube.com/watch?v=rGeJ73yAAhQ

Um nochmal auf ihn aufmerksam zu machen. Der Jung bekommt hier viel zu wenig Aufmerksamkeit, und das obwohl er jetzt auch schon das zweite tolle Album gemacht hat.

Mister X

2019-12-21 21:32:30

Schon das Zweite tolle Album von ihm. Mache mir langsam Sorgen um seine One Direction-Fähigkeiten.

Lights Out erinnerte mich aber an Laith Al-Deen - Dein Lied

Armin

2019-12-20 19:23:56

Danke, wird gleich gesammelt korrigiert.

qwertz

2019-12-19 23:30:18

Bitte nochmal die Verlinkung prüfen.

Armin

2019-12-19 21:47:26- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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