You Guitarprayer - Art won't tear us apart again

Krachladen / Timezone
VÖ: 15.11.2019
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

Die wüsten Söhne

Das nennt man dann wohl konstruktive Zerstörungswut. Aus Köln macht sich ein Trio auf, dem psychedelischen Noise-Rock ein garstiges Meisterwerk angedeihen zu lassen. You Guitarprayer, bestehend aus Soheyl Nassary, Gitarre und Gesang, Scharco am Bass und Drummer Spiro Kotsomitopoulos, erschaffen auf "Art won't tear us apart again" das scheinbar Widersprüchliche: Ständig am Rande des Zusammenbruchs operierend, entwickelt dieses Album einen Zug, einen Druck und Drive, der derart kraftvoll und getrieben runterrauscht, dass man die ganzen garstigen Widerhaken erst bei mehrmaligem Hören schmerzhaft spürt.

You Guitarprayer, extrem kompakt und tight im Zusammenspiel, rattern direkt von Beginn an durch Höllenschlunde. Die Druckbetankung von Schlagzeug und Bass in "Black Khaleesi" beeindruckt kolossal, die Saiten der Bassgitarre sind ein Fall für den Seismographen, das Drumming ist voluminös, aber eben auch schonungslos direkt. Dazu brutzelt und schmirgelt die Gitarre in einem infernalen Ringen, immer zwischen klaren Wirkungstreffern und verwaschenem Feedback-Schmutz changierend. Einen Trick haben die Rheinländer übrigens sehr fein raus: Trotz psychedelischer Elemente, weite Schleifen ziehender Gitarren und psychotischer Breakdowns wird die Stoßrichtung nie verwässert. Die wuchtig pumpenden Drums von "Bat Capone" lassen sich nicht vom scharf konturierten Weg abringen, das Riffing treibt weiter an und auch im Gesang scheint das Gefühl durch, unbedingt und genau jetzt zum Punkt kommen zu müssen.

Doch es ist wie gesagt auch Platz für Differenzierung und zweite Blicke. Das dezente Taumeln der Rhythmusgruppe von "Muscle rub" lässt den Boden schwanken, das seekranke Auf- und Abschwingen lässt die Gewissheiten bröckeln. Dazu aber immer ein Punch und eine Entschlossenheit, die in ihrer Konsequenz beeindruckt. Das giftige Brodeln von "Three times three" wühlt sich durch nebulöses Feedback, hält aber eindeutig Kurs in Richtung letztendlicher Umnachtung. Dass dabei zwischendurch ein schartiger Bass mit runder Vehemenz ins Rampenlicht rückt, ist auch ein Verdienst der vielschichtigen Produktion.

Ebenso fein ausgearbeitet ist der Wechsel zwischen wahnhaftem Stillstand und Hochgeschwindigkeits-Hatz bei "Lupus dei". Ein Oben oder Unten ist schwer auszumachen in dem ganzen wirren Trubel, der aber dennoch eine klare Bewegung in eine Richtung forciert. Die angerosteten Ruhephasen sind dabei natürlich trügerisch und bereiten nur die nächsten Attacken vor. Richtig qualvoll wird dann die Vorhölle des Titelsongs: auch hier wieder gnadenloser Antrieb neben angeknacksten Hängepartien in der eigenen Unzurechnungsfähigkeit. Es drückt und schabt an allen Stellen, auch wenn dies unmittelbar nachlässt, verhallt noch ein peinigendes Echo dessen an den Rändern der Wahrnehmung. Und dass You Guitarprayer im abschließenden "Weißer Squier" innerhalb von acht Minuten noch einmal diese kolossale Fähigkeit demonstrieren, komplexe Schmerzhaftigkeit mit energetischer Schussfahrt zu kreuzen, bringt auf den Punkt, was man eigentlich schon vorher wusste: Aus dem Rheinland kommen die wirklich gefährlichen Jungs.

(Martin Makolies)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Bat Capone
  • Muscle rub
  • Art won't tear us apart again

Tracklist

  1. Black Khaleesi
  2. Bat Capone
  3. Muscle rub
  4. Three times three
  5. Lupus dei
  6. Art won't tear us apart again
  7. Corazon horizon
  8. Weißer Squier
Gesamtspielzeit: 40:57 min

Im Forum kommentieren

Mayakhedive

2022-05-19 04:35:08

Hihi, ein wenig muss mein Mini-Ego ja grinsen, wenn ich hier solche Reaktionen hervorrufe :D

"Genepool" kenne ich nur dem Namen nach, aber irgendwie verorte ich die auch in der bluNoise-Ecke, was ja eigentlich fast immer ein Qualitätsmerkmal ist.

Affengitarre

2022-05-18 21:44:35

Mayahekdive! Von dir lese ich immer gern! :)

noise

2022-05-18 21:40:19

@mayakhedive
Werde ich auf jeden Fall mal tun. Der Name sagt mir auch noch was. Ich muss die früher mal gehört haben. Und wenn ich das heute noch weiß ist das eigentlich ein gutes Zeichen.
Auch "Genepool" fand ich damals ganz gut.

The MACHINA of God

2022-05-18 21:32:39

Mayaaaaaaaaa!

Mayakhedive

2022-05-18 21:23:45

@noise
Prima, besser spät als nie.
Dann sei auch dir die Vorgängerband des Gitarristen, Nicoffeine, emofohlen. Geht musikalisch noch stärker in Richtung deines Nicks.
Ballern ist auf jedenFall auch da.

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