John Malkovitch! - Hyenaeh

Antigony
VÖ: 25.10.2019
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Sie haben Post!

Nein, nein. Wir sind nicht zurück in die 64-K-Modem-Zeiten gereist, wo uns AOL beim mühsamen Weg ins Internet mit den Worten "Sie haben Post!" begrüßt. Es steht auch kein gestresster DHL-Kurier vor der Haustür. Wir sind im Land der ganz, ganz miesen Wortwitze. Weil die italienische Formation John Malkovitch! (nur echt mit dem Ausrufezeichen!) auf ihrem Zweitling "Hyenaeh" nämlich so ziemlich alles mitbringt, vor das man die Silbe "Post-" klatschen kann. Angefangen von der Tatsache, dass die Band schon auf ihrem Debüt von 2018 astreinen Postrock dargeboten hat, hin zu den ersten Sekunden dieses Albums, die unzweifelhaft klar machen, womit man es hier zu tun hat.

Dabei will der Opener "Carnassiale" zunächs gar nicht so richtig los. Da dauert es über 40 Sekunden bis ein immer wieder den Antritt suchendes Schlagzeug endlich von einer kräftigen Hand voll Feedback in den Arm genommen wird und selbst von da findet der Song nicht den Weg zur zielstrebigen Steigerung, sondern darf erst die ein oder andere Soundscape-Schleife drehen. Ohne sich zu verlaufen, natürlich. Und auch nicht, ohne zur Halbzeit auf den Putz zu hauen. Auf die Gefahr, dass wir uns hier wiederholen: Man merkt, hier steckt Postrock drin. Von der Sorte, die voller Überraschungen steckt. "xx Kübler Ross" geriert sich von der ersten Moment als Quell wütender Unruhe, endet aber in Trance und verhalltem Gesangsbeitrag, "Ferale" macht nicht lange rum, kommt in punkigen gut drei Minuten ins Ziel und gefällt sich auch in einer entsprechenden Soundästhetik. Wir will kann an sehr fokussierte And So I Watch You From Afar denken. Alle anderen finden bitte Freude an der hier zelebrierten Mischung aus Bedrohlichkeit und Brachialität.

Ganz zum Schluss tut "La grande madre gialla" seinen Hörern noch den Gefallen, einen zumindest dem Aufbau nach ganz normalen Postrocker zu präsentieren. Da geht es ganz leise und verhuscht los, fast kann man wie bei manchen Heinali-Stücken keinen Song erahnen, bis Drums und gruseliges Feedback langsam die Intensität nach oben schrauben und am Ende natürlich ein ausladendes Finale steht. Nicht ohne ein paar lohnenswerte Umwege, allerdings. Diese kleinen Umwege und Eigenheiten machen "Hyenaeh" so interessant, die Seitenblicke hin zu Metal und anderen agressiveren Subgenres heben es aus dem Einerlei heraus. Hier ist ein kräftiges Rhythmusfundament im Fokus und nicht die liebliche Gitarrenfigur. Hier gibt es keinen vorhersehbaren Spannungsbogen, sondern Brüche, Widersprüche und auch mal Mut zum Hässlichen. So hat man gerne Post!

(Martin Smeets)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • xx Kübler Ross
  • Ferale
  • La grande madre gialla

Tracklist

  1. Carnaissiale
  2. xx Kübler Ross
  3. Coda Corta
  4. Ferale
  5. La grande madre gialla
Gesamtspielzeit: 31:30 min

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Armin

2019-12-01 14:48:40- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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