Lilly Among Clouds - Green flash

PIAS / Rough Trade
VÖ: 27.09.2019
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Bleiben Sie dran

Geht's nicht eine Nummer kleiner? Pah. Bei Elisabeth Brüchner fangen sich Gefühle erst an zu regen, wo andere längst kollabieren. "Green flash" ist der zweite Longplayer unter ihrem Alias Lilly Among Clouds und wie beim Debüt "Aerial perspective" wäre selbst eine Florence Welch teilweise verblüfft, wie viel Pathos die bayrische Powerfrau in ihre Stücke zu stecken vermag. Das beginnt, wenn der Opener "Closeness" mit tonnenschwerem Gewicht auf die tiefen Klaviertasten fällt und hört beim flehenden Refrain noch lange nicht auf. "Theater, Theater" schmetterte einst Katja Ebstein treffend und landete damit 1980 beim Grand Prix d'Eurovision auf Platz zwei. In den mittlerweile Eurovision Song Contest geschimpften Wettbewerb wollte es auch Brüchner mit dem Donnerhall von "Surprise" schaffen, erreichte aber leider im Vorentscheid nur die Bronzemedaille. Der Rest ist Geschichte und heißt, nun ja, S!sters. Vielleicht war das alles auch besser so, denn in den bunten Popzirkus passt der im positiven Sinn altmodische Sound gar nicht so recht rein.

"You haven't seen the best of me / You'll be surprised", singt sie in ebenjenem Song und tatsächlich kann "Green flash" noch einiges mehr. Denn Brüchner hat sich zwar noch lange nicht stilistisch im barocken Flair à la Florence & The Machine ihren eigenen Sound geschaffen und auch jüngere Mitspielerinnen wie Aurora drängen sich des Öfteren ins Gedächtnis. Ihr Songwriting hat sich jedoch formidabel entwickelt, was besonders in der Albummitte auffällt. "Boy, I don't know you / But I know guys like you" – dazu wummert in "Boy" ein schwerer Beat und wenn man gerade glaubt, dass das alles war, haut die Coda ein herrliches Geklacker raus und lässt das Stück noch einiges zugewinnen. "Underneath the surface" hakt brav, aber mit Bravour das Kästchen "gefühlige Klavierballade" ab, nur um mit einem verblüffenden Tempowechsel kurz vor Schluss den Mund offen stehen zu lassen. Derweil verzückt "Look at the Earth" so sehr mit seiner hitverdächtigen Melodie und dem mitreißenden Refrain, dass es verzeiht, wenn das wichtige Thema Umweltschutz textlich etwas plakativ angegangen wird.

Solche Höhen erreicht "Green flash" zwar nur selten noch mal – die drängende Single "Love u 4ever" ist hier mit dem tuckernden Bass und grandiosen Klimax zu nennen –, dennoch bleibt das Gesamtpaket rund. Selbst in Momenten wie "Girl like me", die den Originalen doch etwas hinterherhinken, oder bei "Silent", das erst mit dem schmissigen Outro richtig aufblüht, gibt sich Brüchner keine Blöße. Ausfälle sind Fehlanzeige. Zumal sie sich hörbar ins Zeug legt: In den intensivsten Augenblicken droht ihre Stimme zu kippen, für die Instrumentierung wurde indes alles verpflichtet, was nicht bei drei aus dem Orchestergraben verschwunden war. Positiv ist auch, dass die Kompositionen mehr Brüche, mehr Mut und mehr Detailverliebtheit wagen als noch auf dem Vorgänger – wenn sie sich hier in Zukunft noch mehr traut, sprechen wir sicher bald von einer echten Größe im bombastorientierten Pop. Wenn die Aussage "You haven't seen the best of me" also ein Versprechen ist, kann man sich noch auf einiges von Lilly Among Clouds freuen.

(Felix Heinecker)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Boy
  • Look at the Earth
  • Underneath the surface
  • Love u 4ever

Tracklist

  1. Closeness
  2. Silent
  3. Surprise
  4. Boy
  5. Look at the Earth
  6. Underneath the surface
  7. Girl like me
  8. A song
  9. Wasting my time
  10. Love u 4ever
  11. Safer in your arms
Gesamtspielzeit: 40:33 min

Im Forum kommentieren

nörtz

2019-12-14 15:42:44

Am Donnerstag live gesehen und sie hat meine Erwartungen vollends erfüllt. Sie ist wirklich herzallerliebst und man sieht ihr an, wie viel Spaß ihr das Musikmachen macht. Hat sich immer artig bedankt und zu etlichen Songs auch die Entstehungsgeschichte erzählt. Sie selbst hat entweder Bass oder E-Piano gespielt.

Matjes_taet

2019-10-24 14:30:10

Written @ directed by Greta T.

Aber ja, bin durchaus auch ganz angetan von Lilly`s musikalischem Output.
Nicht auszudenken man hätte mit "Surprise" tatsächlich mal nen guten Song zum ESC geschickt..

nörtz

2019-10-23 22:51:40

"Look At The Earth" ist doch mal ein schöner Song. Sicherlich in meiner Jahresendliste, gleich neben Tools 7empest.

Armin

2019-09-25 20:43:56- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

2019-08-07 15:41:09- Newsbeitrag

Die neue Single von lilly among clouds heißt "Look At The Earth" und ist die 4. Auskopplung aus dem kommenden Album "Green Flash" (VÖ 27.09. via [PIAS] Recordings Germany). "Look At The Earth" beschäftigt sich mit einem brandaktuellen Thema, dem Klimawandel. Es ist ein sehr eingängiger und poppiger Song mit einem hohen Wiedererkennungswert. Textlich befasst er sich mit dem aktuellen Zustand unseres Planeten und weist einerseits auf dessen Schönheit, als auch andererseits auf die weltweite Verschmutzung hin.

"Neben der Musik ist die Natur meine zweite große Liebe." erzählt die Künstlerin und ergänzt: "Leider ist mittlerweile fast jedes Tier, mit dem man schon als Kleinkind in den Kinderbüchern erste Wörter gelernt hat, vom Aussterben bedroht: Nashörner, Elephanten, Löwen, Giraffen, Bienen, Schmetterlinge - alle akut in Gefahr. Die Vielfalt der Natur zu verlieren ist mein großer Albtraum und das beschreibe ich in diesem, ein bisschen nach Endzeit klingenden Song, inspiriert vom Film 'Into the Wild': 'Fill my heart with sleepless live, danger in the great surprise. Fill my lungs with fresh clean air - I walk these grounds without a care.'“



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