Feeder - Tallulah

Believe / Soulfood
VÖ: 09.08.2019
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Alle 46 Minuten

Feeder-Alben durchlaufen einen Kennenlern-Prozess, der nicht unähnlich dem des Datings ist. Das ist beim zehnten Album selbstverständlich nichts Neues. Die Schönheit hört auf den klangvollen Namen "Tallulah", die Maße 12/46 und ein etwas eigenwilliges Coverfoto kannte man bereits. Zudem gab es bereits vorab dank der drei Singles "Fear of flying", "Youth" und "Daily habit" recht viel Vorfreude auf den Erstkontakt im realen Leben. Die erinnern nämlich dezent an das gelungene "Arrow"-Minialbum von "The best of" und zeigen, dass trotz über einem Vierteljahrhundert Erfahrung die Zeichen auf Sturm und Drang stehen. Eine lebensbejahende Persönlichkeit tragen die Vorboten mit sich, appellieren mit "Maybe we could leave / No more apologies", "Defying all the gravity" oder "It's where I wanna be" ans innere Fernweh, dazu jubilieren die Gitarren standesgemäß. Nach dem eindrucksvollen, aber etwas rauheren "All bright electric" schreiben Feeder also wieder Hymnen für alle Freiheitsdrängler. Das können sie immer noch.

So mag das erste Date aufgrund der Überschwänglichkeit, die das Dutzend Songs mit sich bringt, ein leichtes Gefühl der Gleichförmigkeit verursachen. Der Eskapismus macht sich auch in den restlichen Texten breit. "Let's celebrate tonight", fordert "Blue sky blue" in seinem göttlichen Refrain, "Windmill" möchte derweil noch weiter raus als bis nur bis zum nächsten Baggersee: "Looking out for a way out / Into space now." Was fängt man an mit dieser "Tallulah", dieser so betont positiven Persönlichkeit? Man gibt ihr Zeit. Und erkennt ihre anderen Facetten, die nicht nur offensichtlich im akustischen Closer, der einzigen Ballade "Lonely hollow days", liegen. Denn "Guillotine" und vor allem das herrliche grummelnde "Kyoto", das seine spannungsgeladene Strophe in einem erlösenden Refrain explodieren lässt, schieben die Wolken doch noch zwischendrin mal eben vor die Sonne. Und man möchte meinen, zum wahren Kern der "Tallulah" im bittersüßen Titeltrack vorgedrungen zu sein. Die Drums sind weit nach vorne gemixt, die Band wird von elektronischen Klängen sanft umgarnt. "You have the power to heal us", singt Grant Nicholas und in diesem Moment ist die Herzmassage klar spürbar.

Makellosigkeit allenthalben also? Sicher nicht. Doch um eine gewisse Berliner Band zu paraphrasieren: Muss denn immer alles perfekt sein? Gerade kleine Schönheitsflecken und Sorgenfalten wie "Rodeo" oder "Kite", die zunächst den Verdacht der Belanglosigkeit einfach nicht abschütteln wollen, fügen sich am Ende formidabel in ihren Platz auf der Platte ein. "Tallulah" hat vielleicht nicht die ganz großen Karriere-Highlights, diese Stücke für die Ewigkeit unter den zwölf Songs, wie sie vor allem zu seligen Anfangszeiten der Waliser gehäuft auftauchten. Dafür funktioniert es als geschlossenes Album unglaublich gut. Somit hat sich "Tallulah" seinen Platz redlich verdient – neben den anderen Feeder-Platten im Regal, versteht sich. Zum Glück ist Polyamorie in der Musiksammlung überhaupt kein anstößiges Thema.

(Felix Heinecker)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Blue sky blue
  • Fear of flying
  • Tallulah
  • Kyoto

Tracklist

  1. Youth
  2. Blue sky blue
  3. Daily habit
  4. Fear of flying
  5. Rodeo
  6. Tallulah
  7. Shapes and sounds
  8. Guillotine
  9. Kyoto
  10. Kite
  11. Windmill
  12. Lonely hollow days
Gesamtspielzeit: 45:57 min

Im Forum kommentieren

jo

2021-12-24 12:46:06

:) Er sagte ja: Genügend Songs kann er irgendwie immer schreiben. Glaub' ich ihm auch - siehe die B-Seiten früher ;).

didz

2021-12-24 09:52:29

hab ich da richtig gehört, sie haben überlegt ein doppelalbum zu machen? :-D
ich weiss nich, feeder und doppelalbum passt irgendwie nich, oder? hm...

also nächstes jahr album, 2023 noch ein album, und zwischendrin eine 5-track ep...joa also hab ich nix dagegen :-D

jo

2021-12-22 23:25:26

@Felix: Eher, weil er sonst allein stehen würde (also zu "Arrow" gerechnet).

Stimmt :).

@beide:

Gerne. Ich habe ihn auch erst gestern gehört - ließ sich aber gut am Stück hören. Teilweise durchaus auch interessante Hintergrundgeschichten dabei; hat Spaß gemacht.

didz

2021-12-22 23:15:48

@jo

danke für den link! ;-)

Felix H

2021-12-22 23:06:54

aber: nur zu "Tallulah" gerechnet, damit es mehr B-Kram gibt?

Eher, weil er sonst allein stehen würde (also zu "Arrow" gerechnet). Man könnte ihn auch zu "All Bright Electric" zählen. Da waren die 3 Bonus-Songs aber wenigstens aus einer Quelle, bei "Tallulah" ist es eh ein Gemischtwarenladen.

Podcast hör ich mir noch an, danke. :)

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