Native Harrow - Happier now

Different Time / Rough Trade
VÖ: 02.08.2019
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 4/10
4/10

9 Jahre Stimmfindung

Erstmal klingt das sehr klischeehaft: Junge Folk-Musikerin zieht nach New York, um im Greenwich Village auf den Pfaden von Bob Dylan und Joan Baez ihre eigene Stimme zu finden. Der Prozess zieht sich dann allerdings ein wenig in die Länge und erst neun Jahre später präsentiert die Musikerin ihr drittes Album, auf dem es ihr gelingt, ihre zarten Folk-Songs in ein zeitloses, erstaunlich rockiges Gewand zu kleiden und endlich ihre musikalische Persona zu finden. Devin Tuel ist diese Musikerin und gemeinsam mit dem Multiinstrumentalisten Stephen Harms verbirgt sie sich hinter dem Namen Native Harrow. "Happier now", das neue Album, ist in einem dreitägigen Aufnahme-Marathon mit dem Produzenten Alex Hall entstanden und Tuel klingt deutlich reifer und entschlossener als zuvor.

Die neun Songs beschwören mal Joni Mitchell, mal The Band und an anderer Stelle Jenny Lewis, ohne jedoch zu bloßen Kopien der Vorbilder zu verkommen. Charmante Melodiebögen und die liebevolle Instrumentierung zeugen über die gesamte knappe halbe Stunde von der Zusammenarbeit zweier Künstler, die genau wissen, was sie wollen. Tuel, die eine klassische Gesangsausbildung absolviert hat, dominiert die Stücke dann mit ihrem leiernden, sinnlichen Gesang und den eindrucksvollen Texten. Der Titel des Openers, "Can't go on like this", wirkt dabei wie der Leitsatz des Albums: So geht es nicht weiter, also machen wir's anders. Der groovende Song ist eine fantastische Einführung in das Album, das Tuel selbst als ihr erwachsenstes begreift. Das wilde Gitarren-Riff ist unverschämt eingängig.

Für Folk-Musik typisch bemüht Tuel in "Blue canyon" Naturmetaphern und singt: "My heart is like a clear blue canyon". Der zurückgelehnte, ruhige Song ist ein wunderbarer Kontrast zu den treibenderen Songs, wie etwa "Round and round". Insgesamt überwiegen die Balladen und die Ruhe. Der Titeltrack schlurft lässig dahin, während Tuel im Refrain immer wieder fordert: "Let it all go." Sie klingt wesentlich befreiter als auf den vorangegangenen Alben "Ghost" und "Sorores". In "Hung me out to dry" erinnert die Sängerin stark an Laura Marling, der Song ist zu großen Teilen nur auf die Gitarre reduziert und schwebt ganz sachte vorbei.

Das Highlight ist allerdings der knapp siebenminütige Track "Way to light", in dem Tuel davon träumt, später mal reich zu werden: "If I get rich someday, I'm gonna buy myself a big house / Filled with all sorts of nothing and show it off to my friends." Das große Glück sieht Tuel im Geld also nicht, dass dieses unscheinbare, charmante Album den Rubel für sie ins Rollen bringt, ist aber leider ohnehin unwahrscheinlich. Der Track ist in den Strophen minimalistisch gehalten, wohingegen sich Tuel im Refrain zur Zeile "I'm gonna buy myself out" aufschwingt und der Song sich großartig öffnet. So schön ist dieser Refrain, dass die Länge des Stücks kaum auffällt, und der Track das Folk-Kleinod ganz unaufgeregt beschließt.

(Simon Conrads)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Can't go on like this
  • Blue canyon
  • Way to light

Tracklist

  1. Can't go on like this
  2. How you do things
  3. Blue canyon
  4. Happier now
  5. Hard to take
  6. Something you have
  7. Round and round
  8. Hung me out to dry
  9. Way to light
Gesamtspielzeit: 35:55 min

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Armin

2019-08-11 13:57:10- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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