Shannon Lay - August

Sub Pop / Cargo
VÖ: 23.08.2019
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

In 80 Flüssen um die Welt

Shannon Lay, Songwriterin aus Los Angeles und ebenfalls als Sängerin und Gitarristin bei der Indie-Band Feels aktiv, hat es mit dem nassen Element. Schon ihr Debüt trug den Titel "Living water". Die Kompositionen des Nachfolgers "August" greifen nun in ihrer Ausgestaltung die Gleichmäßigkeit eines friedlichen Flusses auf. Man kann dann auch diese Folk-Musik friedlich im Hintergrund dahin plätschern lassen, sich von den warmen Akkorden aus angenehmer Distanz umspülen lassen. Da sagt die Mutter halt schon mal: "Das ist genau die richtige Musik für eine Lese-Stunde auf meinem Balkon." Und ja, "August" rennt keine Türen ein, läuft Gefahr, als Wohlklang-Accessoire nur am Rande wahrgenommen zu werden. Was man dagegen tun kann? Vielleicht seine Kopfhörer aufsetzen und der Platte zwei, drei konzentrierte Durchgänge spendieren.

Dabei wird man zwar keine großen Abgründe ausmachen, die Musik Lays bleibt friedfertig und anschmiegsam, doch man kommt dahinter, mit welcher Raffinesse dieses luftige Kleid gewebt ist. Wie Lay zum Beispiel der schlichten Folk-Haptik von "Death up close" einen behutsamen Saxophon-Part angedeihen lässt, ist in seiner Beiläufigkeit schon sehr gekonnt. Die matt abgetönte Sprödigkeit von "Nowhere" hält danach sogar ein fließendes Abgleiten in panikartige Zustände bereit, vielleicht der kantigste Moment der Platte. Üblich ist das jedoch nicht für "August", dessen Stärke es ist, eben nicht die Stimme sonderlich heben zu müssen. Vielmehr erzeugt eine Orgel hier, oder dezente Violinen dort eine Reichhaltigkeit, die sich in eine unaufgeregte Bescheidenheit einbettet. "November" hätte vor fünfzig Jahren Nick Drake nicht besser von der Feder fließen können und "Shuffling stoned" geistert anschmiegsam um repetitive Gitarrenfiguren, so dass man sich selbst in dieser Labsal wohlig verliert. Das östlich angehauchte Titelstück mit letztendlichem Abdriften in eine psychedelische Ungerichtetheit steht dann auch stellvertretend für das, was diese Musik auszeichnet: eine selbstvergessene Konzentration.

Wie von selbst kehren die Motive dieser Songs zurück, tauchen immer wieder an der Oberfläche auf, ohne dass dafür große Anstrengungen von Nöten zu sein scheinen. Die Harfen-Tupfer von "Sea came to shore" erwecken den Eindruck, als würden sie auch ohne den Song da sein, Geigen schmachten einen federleichten Hauch und die Klänge der Gitarre rollen sich gutmütig ab. Ja, Idyll wäre ein passender Begriff für diese Songflüsse, nie drückt es wirklich, aber man spürt die Kostbarkeit jedes Tons. Da wird man zwar im von Karen Dalton gecoverten "Something on your mind" von einem motivierten Schlagzeug aus seinem Tagtraum aufgeschreckt, doch die sonnigen Gitarren und der aus mehreren sich umschlingen Bändern bestehende Gesang lullen wieder wunderbar ein. "The dream", als kaleidoskopisches Wellenbad ein perfekter Abschluss, lässt den Hörer mild berauscht zurück, in sich gekehrt, mit dem Rücken zu jenem zuverlässigen Strom, den man fast überall finden kann.

(Martin Makolies)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • August
  • Sea came to shore
  • Something on your mind

Tracklist

  1. Death up close
  2. Nowhere
  3. November
  4. Shuffling stoned
  5. Past time
  6. Wild
  7. August
  8. Sea came to shore
  9. Sunday sundown
  10. Something on your mind
  11. Unconditional
  12. The dream
Gesamtspielzeit: 31:00 min

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Armin

2019-08-11 13:56:40- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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