Clairo - Immunity

Fader / Caroline / Universal
VÖ: 02.08.2019
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Mit Schlaf in den Augen

In Zeiten der Überkomplexität sucht und findet man gerne seinen Zufluchtsort in der entspannten Idylle. Der Rückzug ins Private ist nicht mehr nur ein Motiv aus dem Biedermeier, auch heutzutage kann man die Rückbesinnung aufs eigene kleine Schneckenhaus immer häufiger beobachten. In der Pop-Musik bedeutet dies also: Sachte, liebliche Melodien, Texte über Herzensangelegenheiten, einfache Songstrukturen. Dass mit diesen doch recht simplen Ingredenzien dennoch mehr zu erreichen ist als die meisten Mainstream-Acts uns für gewöhnlich weismachen wollen, zeigt die sehr junge, aber auch sehr gute Sängerin Clairo: Ihre Pop-Musik wirkt aufs erste Ohr verschlafen und süßlich, offenbart aber oftmals eine subtile Doppelbödigkeit, die anderen Musikerinnen all zu oft abgeht. Natürlich wird hier das Rad nicht neu erfunden, aber es dreht sich munter und trägt den Hörer in die entlegensten Winkel des eigenen Bewusstseins. So viel Rückzug muss erlaubt sein.

Clairo heißt im bürgerlich-normalen Leben Claire Cottrill, stammt aus Carlisle, Massachusetts und hat bereits sehr früh angefangen Musik zu machen. In der Folge lud sie ihre verträumten Bedroom-Popsongs bei den gängigen Internetportalen hoch und erfuhr relativ schnell, wie paradox das Business so ist. Auf der einen Seite wurden einige ihrer frühen Stücke extrem hochgejubelt, auf der anderen Seite hingegen kam schnell der Backlash: Sie sei keine richtige Do-it-yourself-Künstlerin, sei lediglich aufgrund der guten Kontakte ihres hochdotierten Manager-Vaters an einen Plattenvertrag gekommen. Im Hinblick auf das Debütalbum "Immunity" spielen derlei Irrungen und Wirrungen letztlich keine herausragende Rolle. Die Musik der jungen Dame pendelt zwischen dem introvertierten Indie-Electropop von The xx und den lässig aus dem Ärmel geschüttelten R'n'B-Hymnen, die man aus den späten Neunzigerjahren kennt. TLC, Aaliyah und Co. sind immer nur einen Wimpernschlag entfernt.

Im Fokus steht stets Clairos Stimme, die auf sympathische Weise nie ganz ausgeschlafen wirkt, dazu wummert der Bass gerne stoisch, aber nicht plump vor sich hin, während die Beats Clairos Gesang sachte umspielen. Zeitgemäßer kann man Pop kaum interpretieren, wenngleich der künstlerische Wagemut von Vorreiterinnen wie FKA Twigs oder Grimes hier naturgemäß fehlt. Nichtsdestotrotz: Einen schöneren, ausgefeilteren R'n'B-Popsong als "Bags" hat es 2019 bislang noch nicht gegeben, mit seiner sich rasch ausbreitenden Gelassenheit und der stillen Akustikgitarre, die im Hintergrund Akzente setzt. Ebenfalls herausragend ist der zunächst schüchtern wirkende Opener "Alewife", der erst mit der Zeit die elfengleiche Zurückhaltung ablegt und sich langsam öffnet: Prägnant preschen die Drums voran, die Akustikgitarre gewinnt während der dreieinhalb Minuten ebenfalls an Wucht, ein Piano setzt hier und da vorsichtig Kontrapunkte. Clairo erzählt auch in diesem Stück eine traurige Geschichte, nicht jedoch ohne Happy End. Mal sagen: Trostmusik für trostlose Stunden.

(Kevin Holtmann)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Alewife
  • Bags

Tracklist

  1. Alewife
  2. Impossible
  3. Closer to you
  4. North
  5. Bags
  6. Softly
  7. Sofia
  8. White flag
  9. Feel something
  10. Sinking
  11. I wouldn't ask you
Gesamtspielzeit: 40:36 min

Im Forum kommentieren

r+

2019-08-16 20:01:27

Würde die Alte nicht sämtlichen Mist auf Insta posten, würde sich kein Mensch für dieses Nichts, das als Album verkauft werden soll, interessieren.

Stuttgart

2019-08-12 14:14:58

Öde.

GenMutation

2019-08-12 14:14:07

Gähn

Kojiro

2019-08-11 19:42:48

Schnarch...

Armin

2019-08-11 13:55:11- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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