Critical Mess - Man made machine made man

Metalville / Rough Trade
VÖ: 21.06.2019
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Atemnot im Schlachthaus

Wenn sich eine Band so deutlich einer Traditionslinie zuordnet, wie Critical Mess das auf ihrer Facebook-Page tun, kann das zunächst skeptisch stimmen. In der Rubrik "Künstler, die Critical Mess gut finden", finden sich etwa Suffocation, Dying Fetus, Cannibal Corpse oder Resurrection – allesamt Helden aus der 90er-Death-Metal-Hochphase. Wenn dieselbe Band dann auch noch aus eingefleischten Routiniers besteht, kommt vielleicht gar die Befürchtung hoch, man habe es mit einer sterilen Fahrwasser-Kombo zu tun. Weit gefehlt, muss man jenen Stirnrunzelnden zurufen. "Man made machine made man", der zweite Longplayer des aus Hannover stammenden Fünfers, wütet stürmisch. Das Machwerk tönt, als würde die eigene, innere Kreatürlichkeit kampfbereit die Zähne fletschen. So in etwa muss es nämlich klingen, wenn das Seelenbiest durch die Magenwand nach draußen möchte.

Das alte Lied vom Erfinder, der ohnmächtig hinter der eigenen Kreation zu verschwinden droht, bis das Innenleben an steten Entfremdungserfahrungen zerbricht – Critical Mess knüppeln es mit Inbrunst hervor. Frontfrau Britta Görtz growlt und grunzt mit erstaunlicher Bandbreite und die Herren an den Instrumenten geben sich brachial, ohne dabei auf Dynamik zu verzichten. Zweifelsfrei ist "Man made machine made man" bis zu den Schienbeinen im Death-Metal verwurzelt, die Band wagt sich aber auch in den Melodic-Bereich ihres Genres und inkorporiert Riffs, die so fast schon auf einem Nu-Metal-Album Platz hätten. Man lausche nur den Einstiegstakten von "Cut the cord" oder "WOTF": Speziell letztgenannter Song würde auch als gelungener Slipknot-Track durchgehen. Groovetechnisch lässt der Song an die früheren Autopsy denken. Letztere hätten wohl ebenso am gradlinig treibenden "No gods" ihre Freude.

Die Produktionsarbeit auf "Man made machine made man" erinnert wiederum an die letzten beiden Cannibal-Corpse-Alben oder auch an Suffocations "Pinnacle of bedlam". Die Band versteht es, ihrem Sound einen modernen und auch relativ zugänglichen Anstrich zu verpassen, ohne dass Death-Metal-Fans dabei die Nase rümpfen müssen. Das zweite Album der Niedersachsen könnte also sowohl etwas für Fans der beiden genannten Bands als auch für Hörer von At The Gates oder sogar As I Lay Dying bereithalten. Ein weiteres Talent der Band offenbart sich am deutlichsten im Titeltrack. De facto ist der Song nämlich mit Material für drei, mindestens aber für zwei Tracks angereichert, was zu aktivierenden Brüchen und überraschenden Wendungen führt. Daneben schlagen Critical Mess ihren Hörern aber auch einfach mal mit der flachen Hand ins Gesicht. "Echo" etwa verbreitet Schlachthaus-Atmosphäre, die zu Atemwegsverengungen führen kann. Der Mensch ist eben doch nur ein Tier unter vielen – ohne den Tieren zu nahe treten zu wollen.

(Katharina Bruckschwaiger)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Echo
  • Cut the cord
  • No gods
  • Man made machine made man

Tracklist

  1. Revolution 5
  2. Echo
  3. ANDR
  4. Bias
  5. Cut the cord
  6. Demise
  7. WOTF
  8. Generation fork
  9. No gods
  10. Man made machine made man
  11. Prequel
Gesamtspielzeit: 48:28 min

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Armin

2019-07-20 22:33:25- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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