Torche - Admission

Relapse / Rough Trade
VÖ: 12.07.2019
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
9/10

Das Joint-Venture

Der menschliche Körper braucht um die zehn Tage, um sich an derart heftige klimatische Veränderungen wie die des Sommers 2019 – oder der Jahre davor, die Erderwärmung lässt grüßen – zu gewöhnen. Erst dann fühlt man sich nicht mehr von der drückenden Hitze und Trockenheit verfolgt. Und während die Pop-Welt weiterhin dem klinisch-kühlen Digital-Sound der Achtziger frönt, geben sich vier Musiker aus Miami weiterhin ihrer Vorliebe für Gras und heiß brodelnden Sludge-Metal hin. Denn das neueste Werk von Torche ist nicht ihr bestes, wird aber trotz fehlender Progressivität die Gemüter im Jahrhundertsommer erhitzen.

Denn "Admission" klingt von der ersten bis zur letzten Minute erdrückend und gesättigt. Obwohl sich die Songs in Tempo und vor allem Länge mitunter stark unterscheiden, ist der Sound doch unverkennbar Torche. Die US-Amerikaner haben sich in den letzten Jahren als die Popmusiker unter den Sludge-Metallern einen Namen gemacht, trotz der Produktion von Converge-Gitarrist Kurt Ballou auf dem Vorgänger "Restarter". Dieser war tatsächlich recht düster ausgefallen, und trotz aller Eingängigkeit ist auch Album Nummer fünf ein fiebriges, im besten Sinne zähes, psychedelisches Ungetüm aus klebrigem Gitarrengezerre, unaufhörlich pumpendem Schlagzeug und reverb-getränktem Retro-Gesang.

Der Opener "From here" etwa ist der klassische, typisch zackige Stress-Sludge, den man von der Band kennt. Mit nur gut eineinhalb Minuten fällt er dazu ungewöhnlich kurz für das Quartett aus, das ansonsten auch für knapp zehnminütige, fast durchgängig instrumental gehaltene Stoner-Orgien zu haben ist. "Slide" dagegen vereint alle Stärken von Torche: Mit dickem Open-Hi-Hat-Groove und wunderbar analogem Gitarrensolo ist das Stück ein Highlight mit der absolut radiotauglichen Länge von knapp drei Minuten – ein Attribut, das "Submission" mit seinem etwas zu repetitiven Zwei-Akkorde-Riff sicherlich auch gut getan hätte.

Diese durchgängige soundästhetische Schlüssigkeit wirkt auf die ersten Hördurchgänge mitunter etwas ermüdend. Torche bleiben sich und ihrem charakteristischen Klang treu, ein paar mehr Experimente hätten allerdings auch "Admission" nicht geschadet. Auffällig ist außerdem die unprätentiöse Platzierung des Gesangs im Mix, der oftmals von Hi-Hat oder Gitarren überlagert wird. In Zeiten von Personenkult und schwindender organischen Qualitäten in der Popmusik ist die Entscheidung, den Gesang als eines unter vielen Instrumenten zu platzieren, dennoch eine, die Respekt verdient. Viel Platz gäbe es bei einer derart dichten Produktion wie "Admission" ohnehin nicht – und damit sind nicht die unüberhörbaren Cannabis-Einflüsse gemeint.

(Julius Krämer)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • From here
  • Slide
  • On the wire

Tracklist

  1. From here
  2. Submission
  3. Slide
  4. What was
  5. Times missing
  6. Admission
  7. Reminder
  8. Extremes of consciousness
  9. On the wire
  10. Infierno
  11. Changes come
Gesamtspielzeit: 36:01 min

Im Forum kommentieren

tjsifi

2019-12-23 14:05:54

Hab Admission zum Release ein wenig vernachlässigt. Seit ein paar Wochen läuft sie aber immer wieder.

fuzzmyass

2019-12-23 10:17:26

Ja, hervorragendes Album. Hat ein Paar Stellen die angenehm n Helmet erinnern hinsichtlich Groove und Riffing.

Given To The Rising

2019-12-22 12:56:38

Ich finde die Platte großartig und ist auch unter den Top 6 des Jahres. Mein Lieblingssong ist aber "Changes Come".

fakeboy

2019-12-22 11:47:54

Ganze Platte ist zwar etwas eintönig. Aber "Admission" definitiv ein Song des Jahres. Fantastische Gitarrenwand, sehr catchy, treibend. Herrlich.

whitenoise

2019-09-02 17:30:36

Sind leider nach Harmonicraft immer schwächer geworden. Die haben ihre Alleinstellungsmerkmale: Knackiger Mix aus Sludge Metal & Alternative Rock eingetauscht um eine von ganz vielen Psych Rock/Metal-Bands zu werden. Das selbe Problem wie bei Kylesa.

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