The Black Keys - Let's rock

Nonesuch / Warner
VÖ: 28.06.2019
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Nomen est omen

Jetzt mal alle, nur so zum Spaß: Welche Band, die um die Jahrtausendwende auf der Bildfläche erschien, findest Du heute noch gut? Oder anders gesagt: Welche Band von damals schafft es sogar nach all dieser Zeit noch, sich Album für Album in eine positive Richtung zu entwickeln, erfindet sich neu, hat keine Angst vor Risiken? Na? Wer hätte das gedacht – als The Black Keys 2002 ihr bluesrockiges Debüt "The big come up" auf den Markt brachten, glaubte wohl niemand wirklich, dass der Name hier Programm sein würde. Aber tatsächlich: Das Duo aus Akron, Ohio hat die Volljährigkeit seiner Karriere erreicht und in all den Jahren an Reife und Respekt nur gewonnen. Das muss gefeiert werden!

Zwei bemerkenswerte Dinge gibt es im Zuge der Festivitäten nun zu "Let's rock" zu sagen, dem neunten Werk von Dan Auerbach und Richard Carney. Erstens ist es das erste Album seit dem 2006 erschienenen "Magic potion", an dem Danger Mouse weder als Produzent noch in sonst einer Form beteiligt war. Zweitens steht auch hier schon drauf, was letzten Endes drin ist: The Black Keys bezeichnen "Let's rock" als eine Hommage an die Elektrische, und dementsprechend rumpelt und rifft es hier so gewaltig und schön, dass man kaum glauben kann, wie lange es diese Band nun wirklich schon geben soll. Und weil hier eben schnell klargestellt werden muss, welchem Instrument gehuldigt wird, richtet der Opener "Shine a light" sämtliche Scheinwerfer auf Auerbachs Gitarre aus, deren Geheule glatt mehrmals in den Vordergrund rückt – so für die, die ganz schwer von Begriff sind.

Noch etwas anderes verdeutlichen The Black Keys hier unmissverständlich: Danger Mouse mag ihnen in den letzten Jahren zwar ordentlich bei der Findung und Prägung ihres Sounds geholfen haben – die Hälfte ihrer bisherigen Alben wurde von ihm produziert –, für "Let's rock" haben sie ihn jedoch schlicht nicht mehr nötig gehabt, ebenso wenig wie Keyboards übrigens, die diesmal komplett verbannt wurden. "Every little thing" groovt auch ohne Unterstützung mit den Hüften von links nach rechts, "Hi/lo" stampft gekonnt mit beiden Beinen auf der Tanzfläche auf und "Sit around and miss you" schafft den Wechsel zwischen süßlicher Liebeskummer-Nummer und lockerer Lagerfeuer-Atmosphäre, wie Auerbach es zuletzt auch auf seinem Solostreich "Waiting on a song" vormachte.

Und immer wieder ertönt da dieses hypnotische, eindringliche Gitarrenspiel. "In the winter time, when the day is long / You're halfway there, the field is bare and the fire's gone / Are you all alone, are you feeling cold? / Find your flame, call her name and hit the road", singt Auerbach in der Single "Go" und man stellt sich ihn bildlich vor, wie er sich da mit seiner Klampfe auf dem Rücken auf den Weg macht. Das deutlich schwerere "Breaking down" kriegt es derweil trotz seines ebenfalls eindeutigen Fokus' dennoch hin, dass der Harmoniegesang ab und ab die Hauptrolle einnimmt, bevor liebliches Saitengezupfe am Ende die Überhand gewinnt.

Bei allem Getanze und Mähnengeschüttel darf man mindestens für den kleinen Aha-Moment ruhig erwähnen, welchen Ursprung der Albumtitel tatsächlich hat: Es waren die letzten Worte des verurteilten Zweifach-Mörders Edmund Zagorski, der 2018 auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurde. Ein Zyniker, wer hier die beiden mit Strom angetriebenen Geräte miteinander verbindet! "Let's rock" ist ohnehin weitaus weniger blutrünstig, sondern in seiner garage-rockigen Art tiefenentspannt. Während "Eagle birds" im Stakkatorhythmus vor sich hin fantasiert, fallen im Refrain wiederholt die Zeilen "Don't nobody wanna be lonely / Everybody oughta be loved sometime." Was uns zu unserer eingangs gestellten Frage zurückbringt: Wer hätte das 2002 gedacht, dass man diese Band nach all den Jahren noch so lieben würde?

(Jennifer Depner)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Eagle birds
  • Every little thing
  • Fire walk with me

Tracklist

  1. Shine a little light
  2. Eagle birds
  3. Lo/hi
  4. Walk across the water
  5. Tell me lies
  6. Every little thing
  7. Get yourself together
  8. Sit around and miss you
  9. Go
  10. Breaking down
  11. Under the gun
  12. Fire walk with me
Gesamtspielzeit: 38:36 min

Im Forum kommentieren

Der Eklektizist

2019-07-14 22:19:45

Nichts absolut Neues, aber geht wieder gut mit. Handwerk passt, genug mit Eingängigkeit gesalzen wurde auch. J'aime ca.

fuzzmyass

2019-07-09 11:29:24

Finde auch, dass Go ein ziemlicher Hit ist

Blablablubb

2019-07-09 11:15:44

Schönes Album, lässt sich sehr gut hören. "Lo/Hi" tönt für mich schon hitverdächtig. Und in "Breaking Down" noch mal die selbe bzw. sehr ähnliche Gitarrenmelodie im Refrain?! Hört sich für mich zumindest so an. Wertung finde ich passend.

Rote Arme Fraktion

2019-07-09 08:05:51

Wächst. Ist doch ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Raconteurs.

Armin

2019-07-08 20:06:26- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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