Jordan Rakei - Origin

Ninja Tune / Rough Trade
VÖ: 14.06.2019
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Der Soul-Appeal

Was genau heißt eigentlich "Soul in der Stimme haben"? Von Genreüberlegungen abgesehen, wird die genannte Umschreibung ja bekanntlich oft dazu gebraucht, um auf Tiefe und Gefühl mancher Sängerinnen und Sänger zu verweisen. Hat man "den Soul", dann lässt man tief blicken. Der aus Neuseeland stammende Londoner Jordan Rakei ist nun freilich keine Aretha Franklin. Dazu ist er sowohl stimmlich als auch musikalisch zu sehr im Pop beheimatet. Dennoch gelingt es ihm auf seinem dritten Longplayer "Origin" immer wieder das Gefühl zu vermitteln, da läge etwas Unausgesprochenes in der Luft, das lediglich von feinen Gesangsnuancen angedeutet wird. Hinter den weichen Souljazz-Wänden und den Discofunk-Bausteinen scheint es kräftig zu brodeln. "Origin" bringt damit einerseits die Hüftmuskulatur in Bewegung und hinterlässt andererseits ein unbestimmtes Ziehen in der Bauchgegend.

Selbst wer normalerweise den gemütlichen Casual Look bevorzugt, könnte von Rakeis abgeklärtem Sound dazu verleitet werden, sich in Schale zu werfen, einen Cocktail zu ordern und in nonchalanter Haltung mit dem Oberkörper zu wippen. Der Opener "Mad world" zeigt, wie geschmackvoll ein Popsong klingen kann, der zumindest in der Theorie auch ein Radiohit sein könnte. Gesanglich hat der mittlerweile 26-jährige seit seiner 2013 erschienen Debüt-EP "Franklin's room" ordentlich zugelegt. Die Songs auf "Origin" wirken aber auch produktionstechnisch versierter. Der Wahl-Brite präsentiert sich zurecht selbstbewusst, obwohl er das hohe Niveau des Einstiegstracks nicht durchwegs halten kann.

Einem Justin Timberlake, der auf "The 20/20 experience" versuchte, sich als stilsicherer Kenner von Soul- und Funktraditionen zu inszenieren, hätte damals mal jemand Rakeis "You & me" vorspielen sollen. Statt Pop mit bröckelndem Fremdgenre-Überzug präsentiert der Mitzwanziger eine schweißtreibende Stilmischung, die sich nicht scheut, aus dem Popsong-Format auszuscheren. Dem Jazzpiano sei's gedankt. Auch im melancholischen "Oasis" tun sich Risse auf. Im letzten Viertel scheppert das Schlagzeug wankend Richtung Zielgerade. Was die Sounds angeht, bedient sich Rakei aus mehreren Jahrzehnten, bettet diese aber so in sein Konzept ein, dass "Origin" nie Gefahr läuft auseinanderzudriften.

Dass Rakei die opulente Soulballade genauso gut beherrscht wie die tanzbare Pop-Nummer, zeigt er im letzten Drittel seines Albums. "Moda" beginnt clubfreundlich, mündet dann aber in ein schmachtendes Outro mit dominanten Pianoakkorden. Rakeis plötzlich sehr durchdringend klingende Stimme wirkt durch den unterlegten Chorgesang noch spannungsgeladener. "Mantra" kombiniert orientalischen Gesänge mit Discosynths und Sounds, die an Altmeister Coltrane erinnern. Der warme, hoffnungsvolle Chorus und der bemerkenswerte Aufbau lassen einen mit offenem Mund zurück.

(Katharina Bruckschwaiger)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Mad world
  • Say something
  • Moda
  • Mantra

Tracklist

  1. Mad world
  2. Say something
  3. Mind's eye
  4. Rolling into one
  5. Oasis
  6. Wildfire
  7. Signs
  8. You & me
  9. Moda
  10. Speak
  11. Mantra
Gesamtspielzeit: 43:39 min

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Armin

2019-06-06 11:43:15- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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