The Dream Syndicate - These times

Anti / Indigo
VÖ: 03.05.2019
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 10/10
10/10

Schlangenmenschen

Wenige Ereignisse aus der Musikwelt werden so skeptisch beäugt wie die Reunion. Dieser Ruf kommt nicht von irgendwo her – dass manche Legenden von früher mit neuen Sound-Ideen und Mitgliedern auch ins völlig Groteske abdriften können, ist immer wieder zu bestaunen. Doch der pauschalen Vorverurteilung stellen sich auch glorreiche Gegenbeispiele entgegen. The Dream Syndicate prägten einst den Paisley Underground, eine Bewegung aus den Achtzigern, die damaligen Post-Punk und Jangle-Pop mit Einflüssen diverser psychedelischer Sechziger-Bands von The Byrds bis The Velvet Underground verband. Aus ihrer kurzen Schaffensphase entstanden Kult-Klassiker wie "The days of wine and roses" oder die fantastische Live-Platte "Live at Raji's" und auch danach gönnte sich Bandleader Steve Wynn keine Pause, sondern veröffentlichte über ein Dutzend Alben solo oder mit anderen Projekten. Dass The Dream Syndicate fast 30 Jahre nach Auflösung mit "How did I find myself here?" plötzlich wieder auf der Matte standen, war dementsprechend hörbar ein Produkt echter Inspiration und kein plumper Versuch schneller Geldmacherei. Kommerziell erfolgreich waren sie ohnehin noch nie.

So passt es dann auch, dass der Nachfolger "These times" keine zwei Jahre auf sich warten ließ. Wenn der krachende Opener "The way in" losgaloppiert, formuliert Wynn selbst ein paar Worte zu seiner künstlerischen Intention: "Tryin' to reconcile the past with the present / Which one fits and which one doesn't / And we shed our skin just to find a way in." Er und seine neue alte Band – neben ihm ist noch Drummer Dennis Duck aus der Originalbesetzung übrig – bewegen sich zwar weiterhin im selbst kultivierten Sound, doch dank fortlaufender Häutungsprozesse klingt noch immer kein The-Dream-Syndicate-Album wie das andere. Mit stoischer Motorik drückt "Put some miles on" nach vorn, während Wynn in bestem Lou-Reed-Singsprech den Beat-Poeten mimt – einer dieser faszinierenden Roadsongs, die gleichermaßen rastlos wie einengend daherkommen. Auch in "Black light" bleibt das Quartett hochambitioniert, Synthies und Percussion formen einen verkappten Dance-Groove und assoziative Abseitigkeiten dringen aus einer dichten Wolke Psychedelic Country nach außen. Wären Johnny Cash noch ein paar Jährchen mehr vergönnt gewesen, ein experimentelles Spätwerk von ihm hätte ähnlich klingen können.

"These times" schlängelt sich an einer Skala zwischen Wohlklang und Lärm entlang und gibt überall eine gute Figur ab. Das nachdenkliche "Bullet holes" wagt sich mit perlenden Gitarren ins Hoheitsgebiet von R.E.M. und kann auch dort locker bestehen. Der hier präsente Hintergrundgesang bereichert auch das klimpernde "Still here now", das dem Pop ebenso huldigt wie das spätere Highlight "Recovery mode". Auf der anderen Seite stehen der Retro-Bluesrock von "Speedway", die vernebelte Glam-Anlehnung "Space age" oder all die instrumentalen Ausuferungen, welche die Spannung imr Wüsten-Noir-Vibe von "The whole world's watching" über sechs Minuten aufrechterhalten. Es ist ein bisschen schade, dass bei all dem akustischen Hochbetrieb die wirklich tollen Texte Wynns – das abschließende "Treading water underneath the stars" gibt davon allein im Titel schon ein gutes Bild ab – manchmal etwas untergehen, doch liegt auch das ganz im Sinne des Erschaffers. So beschreibt er den unkonventionellen Songwriting-Prozess selbst wie folgt: "I wrote the lyrics after we finished tracking so that the words would be dictated by the sound rather than the other way around." Daran, dass bei Steve Wynn einzig die Musik zählt, hat sich in fast 40 Jahren kein bisschen geändert.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Put some miles on
  • Black light
  • Bullet holes
  • Recovery mode

Tracklist

  1. The way in
  2. Put some miles on
  3. Black light
  4. Bullet holes
  5. Still here now
  6. Speedway
  7. Recovery mode
  8. The whole world's watching
  9. Space age
  10. Treading water underneath the stars
Gesamtspielzeit: 39:52 min

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Jo mei

2019-05-16 20:54:49

Da muss I mal reinhöre

Armin

2019-05-16 20:22:18- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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