An Horse - Modern air

Grand Hotel van Cleef / Indigo
VÖ: 03.05.2019
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Bleibt doch

Eine längere Bandpause einzulegen ist nicht die leichteste Entscheidung. Aber manchmal geht es nicht anders. An Horse alias Kate Cooper und Damon Cox waren im Jahr 2012 nach zwei Alben, Newcomer-Hype, Non-Stop-Touren und ein paar privaten Schwierigkeiten ausgebrannt. Zum Glück aber lag es weniger an nicht mehr funktionierender musikalischer Chemie oder einem Ende ihrer Freundschaft. Da die Zeit bekanntlich Wunden zu heilen vermag, musste man sie bloß lassen, und irgendwann bekam das australische Duo wieder Lust auf frische Taten. Und die Indie-Welt freut sich einen Ast ab, nicht nur über den schnörkellosen Auftakt mit "This is a song". Nachdem An Horse zuvor bereits auf dem Buckel des Refrains durch die Tür gefallen sind, regieren der rastlose Schlagtakt, markante Riffs und eine Hymnenhaftigkeit, an der sich "Mr. Thermals" Hutch Harris sicherlich erfreut: Hallo auch! Bezüglich "Modern air" bemerkt der geneigte Indie-Rocker sofort: Hier entlädt sich aufgestaute Energie aus Jahren wie die Lust auf Hopfen und Malz nach einer langen Durststrecke.

Energie und Inspiration, die Cox und Cooper wohl aber auch nur wiederfanden, weil sie sich vom Bandleben zurückzogen. Cooper wohnt in Montreal in Kanada, Cox verschlug es nach Manhattan. Doch die intensive gemeinsame Zeit schweißt die beiden auch mit Abstand zusammen, sie blieben im ständigen Kontakt. Und weil Selbstbewusstsein und Talent nicht wachgekitzelt werden mussten, schieben An Horse mit dem rotzig-tanzbaren Indierocker "Get out somehow" und dessem hymnischem Finale den Wintermuff und die Alltagslethargie endgültig beiseite. "Sleep well" ist überraschender konstruiert, verspachtelt die Gitarren eine Etage tiefer und gerät in das Spannungsfeld zwischen Post-Punk und Elektropunk.

Nein, bloß ungeniert auf die Zwölf zu musizieren, wäre für die Kreativköpfe Cooper und Cox dann auch nicht anspruchsvoll genug. Und so zeigen An Horse mit "Started a fire" eindrucksvoll, dass sie Synthieflächen und Atmosphäre beherrschen, und dass sie während der Auszeit womöglich hin und wieder auch Beach House gehört haben. Mit Streichern und Glockenspiel überzeugt das reduzierte "Mind reader", und selbst wenn es An Horse von Herzen gegönnt sei, ihre wiederentdeckte Spielfreude über weite Strecken im Uptempo auszuleben, tut ein wenig mehr Nachdenklichkeit und Tiefgang ihren Kompositionen wahnsinnig gut. Der grüblerische wie nachdrückliche Closer "Begin again" punktet hintenraus mit kleinen Synthie-Spielereien und fein angebratener Gitarrenwand zum Refrain. Die letzten Worte des Stücks hallen nach: "I turn around", kündigt Cooper mehrmals verheißungsvoll an, und meint damit hoffentlich nicht eine erneute Wendung in der Laufbahn von An Horse. Nun bleibt doch erstmal!

(Eric Meyer)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Highlights & Tracklist

Highlights

  • This is a song
  • Started a fire
  • Get out somehow
  • Begin again

Tracklist

  1. This is a song
  2. Sleep well
  3. Started a fire
  4. Get out somehow
  5. Bob Ross (Be the water)
  6. Breakfast
  7. Ship of fools
  8. Mind reader
  9. Drown
  10. Fortitude valet
  11. Begin again
Gesamtspielzeit: 37:54 min

Im Forum kommentieren

Armin

2019-05-16 20:21:04- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Spotify

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Forum