Van Holzen - Regen

Warner
VÖ: 26.04.2019
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Ob ich Angst hab

2017 gewann die alternative Musikszene einen neuen Liebling. Ein junges Trio aus Ulm vereinte die kredible Edginess von Heisskalt mit Royal Bloods Octaver-Wucht und der Lyrics gewordenen Teenage-Angst von Abiturienten der Generation Z. Ungebrochener Support diverser Rock-Magazine, eine stylische Corporate Identity in Schwarzweiß und das Majorlabel im Rücken setzten Van Holzen mit ihrem Debüt "Anomalie" in Rekordzeit auf den Kompass aller Gitarren-affinen Teenager. Support-Slots für Billy Talent und ein Gastauftritt beim Redbull Soundclash sollten dazu auch die breite Masse der dauerstreamenden Kids erreichen. Die Band als Alternative-Marionette der großen Plattenfirma zu bezeichnen, würde jedoch zu kurz greifen, haben die drei Jungs mit ihrem Mix aus abgebrühtem Desert Rock und Post-Hardcore-Referenzen doch einen sehr originellen Sound entwickelt, der für ihr Alter überdies schon extrem erwachsen klang – bisweilen sogar etwas zu reif. Eine Schwäche, die Van Holzen mit "Regen" nun korrigieren.

Die wichtigste Verbesserung: nicht länger so zu tun, als hätte die Band die Leiden einer ganzen Welt auf ihren Schultern und die Lebensweisheit mit Löffeln gefressen. Die Vorab-Single "Alle meine Freunde" etwa schafft es, in nur ein paar Zeilen prägnant, simpel und trotzdem schaurig das Lebensgefühl einer von Möglichkeiten und vermeintlich offenstehenden Türen überforderten First-World-Generation einzufangen: "Alle meine Freunde haben Angst / Weil jeder von uns alles haben kann / Ich glaube nicht daran / Wir gegen die Wand / Alle meine Freunde haben längst erkannt / Alle haben Angst". Es liegt nicht fern, zu vermuten, dass Statistiken über die von Leistungsdruck und Social Media verursachte Alltags-Beklemmung junger Erwachsener Van Holzens Bestandsaufnahme Recht geben dürften. Der stimmungsvolle Dur-Moll-Wechsel und der für das Album typische, knarzende Fuzz-Sound tun ihr Übriges zu einem der besten deutschsprachigen Songs des Jahres.

Tracks wie "Schwimmen" oder "Royal" können dieses Niveau zwar nicht immer halten, doch der arrogant-abgehobene Gesangsstil von Frontmann Florian Kiesling gepaart mit Emo-Texten und unkonventionellen Arrangements, auf die Spitze getrieben in "S/W", sprechen immer noch für einen bisher einzigartigen und hochinteressanten Sound. Und im Closer "Schrammbock" spielen endlich auch die stimmigen Screamo-Parts von Bassist Jonas Schramm eine prominente Rolle. Die ganz große musikalische Entwicklung bleibt zwar aus, was sich aber gut und gerne mit dem absurd hohen Anfangsniveau entschuldigen lässt. Die Entwicklung der Lead-Gitarre zur tragenden melodischen Säule ist dabei eine der fast überraschend passenden Neuerungen – der verspielte Fuzz von "Irgendwas" klingt schon verdächtig nach Bilderbuchs Snacky Mike. Und auch wenn Zeilen wie "Gib mir irgendwas / Deinen Verstand und deinen Mut / Ich reich mir selbst nicht aus / Und wär so gern wie du" den einen oder anderen abschrecken dürften, gehören Van Holzen nach wie vor zu den treibenden Kräften der deutschsprachigen Gitarrenmusik. Und das muss man ihnen lassen.

(Julius Krämer)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Alle meine Freunde
  • Irgendwas
  • S/W

Tracklist

  1. Alle meine Freunde
  2. Regen
  3. Irgendwas
  4. Royal
  5. Schwimmen
  6. Allein
  7. S/W
  8. Legere
  9. Stark
  10. Tot & oben
  11. Schrammbock
Gesamtspielzeit: 36:18 min

Im Forum kommentieren

Positivist

2019-05-05 09:56:57

Keiner klaut oder schreibt ab. Zufällige Gleichheiten sind bei den rezensionstypischen Aneinanderreihungen von Buzzwords nicht immer zu vermeiden.

Dave

2019-05-05 01:59:46

@Borcholte

Hau doch mal raus, was du so Spannendes hörst.

Bento

2019-04-28 11:54:46

ist doch offensichtlich - stern läuft schon seit Jahren irgendwelchen Hypes hinterher, nicht selten springen die auf einen Zug auf, wenn der Hype schon längst vorbei ist!

Achim3000

2019-04-27 09:42:16

Also - wer klaut bei dem?

Die Rezension bei PT ging genau eine Woche vor der bei stern online. Die Antwort ist also klar. Mag jemand Armin informieren?

copy/paste

2019-04-27 09:10:42

Sagt mal, schreibt der Stern bei Plattentests ab oder andersrum? ^^

Manche Passagen lesen sich schon verdammt ähnlich: "der für das Album typische, knarzende Fuzz-Sound" oder "können dieses Niveau zwar nicht immer halten"....

Also - wer klaut bei dem?

https://www.stern.de/kultur/van-holzen--das-bietet-der-zweite-streich--regen--8683630.html

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