Within Temptation - Resist

Vertigo / Universal
VÖ: 01.02.2019
Unsere Bewertung: 5/10
5/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Welcome to the machine

Produktionsprobleme, so heißt es, hätten die Verschiebung des Albums nötig gemacht. Ursprünglich sollte "Resist" nämlich schon im Dezember 2018 erscheinen. Wie genau sich diese Probleme äußerten, ist nicht bekannt. Vielleicht ist das Mischpult explodiert. Vielleicht wurde versucht, sämtliche Regler mit Gewalt über den Anschlag hinaus zu schieben. Beides gut vorstellbar angesichts der bombastischen Effekthascherei, die Within Temptation mit "Resist" größtenteils betreiben. Freilich ist Breitwandsound seit jeher ein willkommener Wesenszug der Band, wenn im allgemeinen Getöse aber zu wenig Konturen und kaum markante Muster auszumachen sind, bekommt das Spektakel schnell einen faden Beigeschmack. Dass Sänger- und Songschreiberin Sharon den Adel eine kreative Auszeit nötig hatte und zwischenzeitlich sogar die Auflösung der Band möglich schien, ist dem Album jedenfalls anzumerken.

Dabei gehen Within Temptation durchaus Wagnisse ein. Schon Titel und Thema, die auf die zweifelhaften Verheißungen unserer durchtechnisierten Zeit anspielen, sind nicht gerade leichte Kost. Passenderweise ist die Band musikalisch gewissermaßen ins Maschinenzeitalter eingetreten. So groovig-düster-futuristisch ging es bei den Niederländern jedenfalls selten zu, was dem Album allerdings auch eine etwas unterkühlte Atmosphäre verleiht. Denn so weit hat sich die Gruppe von ihren symphonischen Ursprüngen vermutlich noch nie entfernt. Wobei diese Wurzeln keinesfalls abgeschlagen werden, das wäre ja auch Selbstmord. Es fällt jedoch auf, dass sich neue und vor allem zündende Ideen weniger auf die Songs als Ganzes, sondern primär auf deren grundsätzliche stilistische Ausrichtung oder auf die Verwendung von im Bandkontext unkonventionellen – vor allem elektronischen – Elementen beziehen.

Symptomatisch dafür sind die Titel, bei denen Gäste mit von der Partie sind, die nicht unbedingt die größte musikalische Nähe zu Within Temptation haben. Sowohl der von Papa-Roach-Sänger Jacoby Shaddix mitgesungene Stampfer "The reckoning", als auch "Raise your banner", bei dem In-Flames-Shouter Anders Fridén zu hören ist, verpuffen relativ wirkunglos. Zumindest wären beide Songs ohne Gäste nicht schlechter gewesen. Auch "Mad world", bei dem den Adel offensichtlich die bei ihrem poppigen Solo-Projekt My Indigo gewonnenen Erfahrungen einbringt, ist nur ein mäßig gelungener Versuch, dem Within-Temptation-Sound neue Akzente zu verpassen.

Das heißt nicht, dass es sich bei den genannten sowie ein par anderer Titel um regelrechte Ausfälle handelt, allerdings war die Band eben schon weitaus besser. Dass Within Temptation aber auch im 23. Jahr ihres Bestehens noch über ausreichend Kompetenz und Relevanz verfügen, zeigt sich zur Mitte der Platte: "Supernova" und "Holy ground" avancieren live bestimmt zu Knallern, und "In vain" sowie das vielleicht etwas süßliche, aber dennoch sehr schöne "Firelight" machen deutlich, warum die Gruppe so groß wurde. Zwar mag sie als Kreativposten diesmal ein paar Schwächen zeigen, aber spätestens "Mercy mirror" beweist, dass die 44-jährige Sharon den Adel als Sängerin immer noch eine Bank ist – wohl auch, weil ihr Gesang das wichtigste Markenzeichen ist, das mit "Resist" unangetastet blieb.

(André Schuder)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Supernova
  • Firelight
  • Mercy mirror

Tracklist

  1. The reckoning
  2. Endless war
  3. Raise your banner
  4. Supernova
  5. Holy ground
  6. In vain
  7. Firelight
  8. Mad world
  9. Mercy mirror
  10. Trophy hunter
Gesamtspielzeit: 47:35 min

Im Forum kommentieren

heart of eve

2019-02-13 15:38:50

ja, swallow the sun können auch einiges!

empfehlenswert aus finnland sind auch zb ghost brigade.

Die Perücke von Robert Plant

2019-02-08 16:20:03

Von Draconian hab ich die "Arcane Rain Fell" im Schrank stehen. :)

ja, eine tragödie, dass aleah stanbridge verstorben ist! :(

Allerdings. Und die ganz neue Swallow The Sun (der Juha Raivio war ja mit ihr zusammen) handelt allein von ihrem Tod. Sehr traurig, aber ein großartiges Album.

Marküs

2019-02-08 14:03:02

Ich find die Platte geil, aber sehe schon, dass der Stil auch ganz klar von den aktuellen Charts beeinflusst ist. RNB und Dance haben DEUTLICH Einzug erhalten, der Gesang ist stark. Die Songs an sich sind meiner Meinung nach auch wieder richtig gelungen. Die Produktion ist mega laut aber noch ok. WT könnten insgesamt aber mittlerweile locker auch im Fitnessstudio nebenbei laufen. Würd keiner krähen.

heart of eve

2019-02-08 09:19:12

gerade die falschen highlights gewählt.

richtig wäre:

the reckoning
raise your banner
in vain
holy ground

@Die Perücke von Robert Plant

ja, eine tragödie, dass aleah stanbridge verstorben ist! :(

vielleicht gefällt dir ja draconian?

https://www.youtube.com/watch?v=qjaCqERN8f0

Die Perücke von Robert Plant

2019-02-08 00:33:00

Es gibt sehr gute Metal Bands mit Sängerin, die auch eingängig, symphonisch usw. sind.

https://www.youtube.com/watch?v=EqbFyVmJsYk

Doch mit Within Temptation und wohl auch Nightwish werde ich wohl einfach nicht warm.

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