Perfect Son - Cast

Sub Pop / Cargo
VÖ: 15.02.2019
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Der zweite Anzug

"Ey, hör Dir das mal an: unsere erste EP/CD/Tape". Ungeacht digitaler Präsentationsmöglichkeiten und -plattformen dürften immer noch massenweise postalische Hörgesuche bei Plattenfirmen eintrudeln. Und je honoriger das Label, desto ausgeprägter die Beulen im überfüllten Briefkasten. Insofern sollte bei Sub Pop weiterhin eine stattliche Schubkarre zum täglichen Abtransport bereitstehen. Tobiasz Biliński alias Perfect Son bewies Ausdauer und Sitzfleisch, als er Label-Co-Gründer Jonathan Poneman konstant dazu drängte, doch bitte seine Musik zu veröffentlichen – und ihn letztlich auch mit Qualität mürbe bekam. Bilińskis Vorteil gegenüber anderen: Poneman hatte den Polen bereits einmal live gesehen, beim South-By-Southwest-Showcase. Damals stieg Biliński noch unter dem Alias Coldair musikalisch wie lyrisch in düstere Gefühlsgegenden ab. Aber nun? Wer sagt schon Nein zu Mamas und Papas Liebling?

Auf "Cast" setzt Perfect Son Geschichten voller Körperlichkeit in die oft dichten synthetischen Soundwände. Seine Stimme schlängelt sich fluid durch die Kompositionen und selbst wenn Biliński seine Gesangslinie multipliziert, bleibt der Eindruck eines Schwebezustands, einer Art Transzendenz, bestehen. So auch in "Reel me", dem ersten von insgesamt zehn mitunter komplexen Synth- und Electro-Pop-Stücken mit mal mehr und mal weniger offen zur Schau getragenen Hooks. Die ersten Sequenzertöne des Openers mögen vielleicht den einen oder anderen Hörer an den Einstieg des Trance-Klassikers "1998" von Binary Finary erinnern, aber natürlich endet diese Assoziation abrupt. Biliński baut nach und nach eine wuchtige und partiell sakrale Kulisse auf. Ein knackiger Refrain weicht so der Klimax und macht "Reel me" zu einer formidablen Instruktion für "Cast".

Dass Perfect Son das auch anders – und nicht minder gut – hinbekommt, dokumentiert "It's for life", in dem Biliński die hämmernden Keyboard-Tasten im Refrain nonchalant aufgreift und den herrlich zähflüssigen Synthies unterrührt. Wenn Thomas Azier mit Big Black Delta fusionieren würde, könnte so das Ergebnis klingen. Biliński schafft es immer wieder, Teil-Elemente respektive Technik der musikhistorischen Rückblende mit der kraftvollen Produktion des Hier und Jetzt zu verbinden. Um impulsive Songwendungen wie in "Old desires" vollends zu genießen und den Depeche-Mode-Beat aus "So divine" Zellulite in den Oberschenkel drücken zu lassen, sollte Perfect Son bestenfalls lautstark aus den Boxen tönen. Dramatik und Eleganz gehen beim Polen Hand in Hand mit Bombast und werfen dabei Hits wie "Promises" ab, dessen bockstarker Cut nach gut zwei Minuten dem unterschwellig brodelnden Electro-Cold-Wave von "Wax" Konkurrenz macht. Konkurrenz im eigenen Haus: So lobt man wohl Streber.

(Stephan Müller)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Reel me
  • It's for life
  • Promises
  • Wax

Tracklist

  1. Reel me
  2. Lust
  3. It's for life
  4. Old desires
  5. So divine
  6. Promises
  7. High hopes
  8. My body wants
  9. Wax
  10. Almost mine
Gesamtspielzeit: 38:12 min

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Armin

2019-02-07 20:25:20- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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