Du Blonde - Lung bread for daddy

Moshi Moshi / Rough Trade
VÖ: 22.02.2019
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 4/10
4/10

Mann schlägt Kaffeemaschine

Du kannst alles erreichen, was Du willst. Du bist von niemandem abhängig. Niemand hat Dir vorzuschreiben, wer oder wie Du sein sollst. Puh, ganz schön viel, was einem da offensteht nicht nur als Frau der heutigen Zeit, sondern als Mensch im Allgemeinen. Man kann ja mal Beth Jeans Houghton, Künstlername Du Blonde, fragen, was sie davon hält. Denn hey, mehr DIY geht gar nicht. Mal abgesehen von der Tatsache, dass sie selbstverständlich alles auf ihrem dritten Album "Lung bread for daddy" selbst geschrieben hat, kommt der Umstand hinzu, dass jedes Instrument auf dieser Platte von ihren Händen bedient wurde. Ihre Videos dreht sie übrigens auch selber, ganz zu schweigen von Regietätigkeiten für Schwergewichte wie die Red Hot Chilli Peppers. Aber noch mal zurück zu der Unabhängigkeit und Selbstbestimmung: "Seen you drinking / I've seen you drunk / Leaning like a corpse against the backdrop of the sun / And I still think you're pretty baby / I still think you're the one." Anderes Beispiel: "I'd rather have the man / Then the coffee machine." Und wenn man es auf eine Grundangst herunterbrechen will: "I hope you ain't lying / When you lay my body down."

Es braucht nur solche Zeilen, um zu merken, dass das Frauenbild auf "Lung bread for daddy" ein ambivalentes ist. Da hat man dieses selbstbestimmte Frau, die alles angeht und sich nicht reinreden lässt, doch weiß sie auch sehr gut um ihre Schwächen. Dieses Ringen wird mit einer Stimme vorgetragen, die Töne lässig in die Bierflasche abascht und sich auf ein breites Spektrum an musikalischer Untermalung verlassen kann. Zu Beginn der Platte wähnt man Seattle nicht weit. Der Proto-Punk einiger Riot Grrls weht herüber, und auch Grunge und College-Rock werden aufgegriffen, so in den Songs "Take out chicken" oder "Holiday resort". Schön lässig und unterkühlt ist das meistens, mit giftigen aber gleichzeitig spröden Riffs. Hier scheinen Kim Gordon und Courtney Love ein abgebrühtes Kind der Liebe gezeugt zu haben.

Doch das reicht Houghton nicht: Auf der zweiten Albumhälfte greift sie eine absolut männliche Domäne, überzuckerten Orchesterrock der Siebziger, bei den Eiern und lässt nicht mehr los. Das mal verträumt klimpernde, mal tief grollende Klavier ist dafür ein Anzeichen und setzt Houghton in Verwandschaft mit Amanda Palmer. Wenn "Acetone" dann schon fast als Rockoper durchgeht, weiß man bereits nicht mehr wirklich, welches Spiel hier getrieben wird. Bezeichnenderweise singt Houghton im angenacksten Lullaby "RBY" in ihrer bravsten Erscheinungsform aus dem Reich der Toten, fast wie eine verliebte Filmschönheit aus den Fünfzigern, die trotz der Karriere ihrem Mann noch jeden Abend ein Essen kocht. Aufregend widersprüchlich ist also dieses Album, auf der einen Seite erobert sich Houghton im Alleingang eine musikalische Bastion nach der anderen, andererseits bilden ihre Songs Schwächen und Verhaltensweisen ab, die sich scheinbar nur schwer überwinden lassen. Und das ist dann in erster Linie ehrlich und mutig.

(Martin Makolies)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Peach meat
  • Angel
  • Acetone

Tracklist

  1. Coffee machine
  2. Take out chicken
  3. Peach meat
  4. Holiday resort
  5. Baby talk
  6. Angel
  7. Buddy
  8. Heaven knows
  9. RBY
  10. Acetone
  11. Days like these
  12. On the radio
Gesamtspielzeit: 38:22 min

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Armin

2019-02-07 20:22:24- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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