Axis: Sova - Shampoo you

God? / Drag City / H'Art
VÖ: 16.11.2018
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Die Einseiftruppe

In der Garage musizieren ist wie Schafe hüten. Dunkle, einsame Arbeit. Das weiß auch Brett Sova aus Chicago, der sich für seine ersten zwei Alben "Early surf" und "Motor Earth" den Projektnamen Axis: Sova zulegte und seine Musik mithilfe seiner getreuen Drummachine Roland TR-66 im Alleingang einspielte, -klopfte und -schredderte. Da kann einem schon mal die Wellblechdecke auf den Kopf fallen, zumal Ty Segall zuletzt vermutlich nicht viel Zeit fand, um beim Signing seines Labels God? nach dem Rechten zu sehen, da er selbst genug um die Ohren hatte – etwa sein Coveralbum "Fudge sandwich" oder The C.I.A., das neue gemeinsame Dingsbums mit Ehefrau Denée. Zum Glück standen neben dem pluckernden Kameraden diesmal auch Gitarrist Tim Kaiser und Bassist Jeremy Freeze parat – und das nicht, um sich zusammen nach der Seife zu bücken, sondern um Axis: Sova zur richtiggehenden Band aufzustocken und zu dritt dem Fuzz den Boden auszuschlagen.

Auch "Shampoo you" enthält also eine großzügige Ladung lysergsäurehaltigen Psych-Rock, der dem Hörer von Anfang an ordentlich die Ohrmuschel einschäumt und die vorsintflutlichen Beats scheppern und rumpeln lässt – falls noch jemand einen Beweis brauchte, dass Androiden gelegentlich auch von The Velvet Underground und Suicide in Personalunion träumen. Und auch wenn das Fazit des "Terminal holiday" mit "I feel so low, Romeo" eher ernüchternd ausfällt, kann man zu so blickdicht wie monoton kreisenden Leads und an den Zähnen ziehendem Freakout-Solo immer noch vortrefflich ausspannen. Beziehungsweise Fahrt aufnehmen, denn trotz ihrer zweifelsohne auf Halluzinogenes abzielenden Hypno-Qualitäten halten Axis: Sova das Tempo fast durchgängig hoch. Vor allem im frenetisch lärmenden Kraftbolzen "Crystal predictor", der die Kugel der Wahrsagerin kurzerhand zur Stakkato-Zentrifuge umfunktioniert, bis sie klirrend zerspringt. Come on feel the Illinoise – und zwar im wahrsten Wortsinne.

Dabei hätte man gern noch geschaut, was die Zukunft so bringt. Eine Frage, um der sich einige Songs dieses Albums drehen: Eine "New disguise" gefällig, dank der sich dieses Stück speckiger Wah-Wah-Indierock mit kurz gehaltenen Riffs beinahe als Nachfolger von The Strokes empfiehlt? Oder die abschließende Erkenntnis "Never be the same person twice", die besagt, dass sich nur derjenige treu bleibt, der sich verändert, während die Beats verdruckst daherschlurfen und Sova seiner Gitarre ungewohnt subtile Details entlockt? Jedenfalls hat sich "Shampoo you" nach der aufgekratzten Single "Dodger" oder dem hyperaktiven Dröhnjauler "Stale green" diesen finalen Ruhepunkt redlich verdient. Und franst hier und da etwas leicht aus, gehört das zum guten verrauschten Ton, wenn Axis: Sova trotz verdreifachten Personals eindrucksvoll demonstrieren, wie viel garagige Power auf einen Bierdeckel beziehungsweise in einen Ascheimer passt. Wer danach erst mal Ruhe braucht, kann ja Schafe hüten gehen.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • New disguise
  • Crystal predictor
  • Stale green

Tracklist

  1. Terminal holiday
  2. New disguise
  3. Crystal predictor
  4. Dodger
  5. Stale green
  6. Shock recognition
  7. Same person twice
Gesamtspielzeit: 31:46 min

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Armin

2019-01-10 20:40:09- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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