Gorillaz - The now now

Parlophone / Warner
VÖ: 29.06.2018
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Sommertagstraum

Überraschender wäre es gewesen, wenn wir an dieser Stelle hätten verkünden können, dass "The now now" nichts weiter als der zweite Teil von "Humanz" sei. Damon Albarn kann mit seinen zahlreichen Projekten nur noch schocken, wenn sie wie das vorherige klingen würden. Natürlich ist aber auch das sechste Gorillaz-Album eine entschiedene Abkehr von dem, was davor kam. Von Zwang oder Verkniffenheit jedoch keine Spur, ist "The now now" doch das bisher leichteste und unbeschwerteste Werk der fiktiven Band. Die nicht unumstrittene HipHop-Schlagseite von "Humanz" ist fast gänzlich passé, lediglich im dezent psychedelischen "Hollywood" sind noch Jamie Principle und Snoop Dogg als rappende Gäste an Bord. Ansonsten liegt der Fokus ohne eine große Feature-Liste klar auf Albarns Gesang, der Sound stellt den Kurs derweil auf sonnendurchfluteten Synthpop.

Was "The now now" wie so viele Platten derzeit falsch gemacht hat, ist die Veröffentlichung zu vieler Vorabsingles. Waren bislang durchaus häufig einzelne Songs auf Gorillaz-Alben die Stars, funktionieren die vorliegenden elf Songs weniger für sich, sondern strahlen im Einklang eine angenehm relaxte Geschlossenheit aus. "Calling out from isolation" sind die ersten gesungenen Worte, angesichts der neuen Stilmischung möchte man meinen, Albarn habe von seiner Mitwirkung an Kali Uchis' entsprechend betiteltem Debütalbum "Isolation" einiges mitgenommen. Denn die Tagträumerei haben sich nun auch Gorillaz als oberste Leitlinie auf die Fahnen geschrieben. Politische Aussagen? Clubtaugliche Beats? Ein andermal vielleicht wieder. Braucht hier ohnehin keiner.

Genau diese Homogenität macht "The now now" stark. An jeder Ecke finden sich zauberhafte Melodien, wohingegen immer wieder Songs wie "Tranz" und das Fast-Instrumental "Lake Zurich" zusätzlich die nötige Dosis rhythmische Energie injizieren, um das Tempo nicht zu sehr schleifen zu lassen. Passend dazu hat Albarn ein paar seiner schönsten Textzeilen seit langem geschaffen. So fragt er sich in "Kansas" zwischen schwerfällig stampfendem Beat und federleichten Synthies: "Am I capable of a feeling? / The memory of my fall from grace in your heart." An anderer Stelle heißt es "Look, there's a billboard on the moon", bevor es hinterm zweiten Stern links Richtung "Magic city" geht.

Kitsch war bisher nichts, was man mit Gorillaz in Verbindung gebracht hätte, aber "The now now" zeigt, dass ihnen ein wenig romantisches Schwelgen gut zu Gesicht steht. Es lädt zum Eintauchen ein, verweilt als bisher kürzestes Album der Band nicht zu lange und besitzt eine herrliche Unaufgeregtheit. "One percent" braucht nicht viel mehr als zwei Minuten, um mit seiner fantastischen Melodie zu verzaubern, und kann als Symbol für dieses Low-Stakes-Kleinod gesehen werden, das Gorillaz so unvermittelt schnell nach "Humanz" in die Welt gestellt haben. Wer dachte, die Band habe sich zwischen hochprofilierten Gästen und Genre-Hopping ein wenig selbst aus den Augen verloren, darf sich mit "The now now" vom Gegenteil überzeugen lassen.

(Felix Heinecker)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Tranz
  • Lake Zurich
  • One percent
  • Souk eye

Tracklist

  1. Humility (feat. George Benson)
  2. Tranz
  3. Hollywood (feat. Snoop Dogg & Jamie Principle)
  4. Kansas
  5. Sorcererz
  6. Idaho
  7. Lake Zurich
  8. Magic city
  9. Fire flies
  10. One percent
  11. Souk eye
Gesamtspielzeit: 40:40 min

Im Forum kommentieren

The MACHINA of God

2020-10-23 11:40:46

"Magic city" ist echt toll. Auch live.

Ituri

2020-10-23 11:15:33

Aufgrund des aktuellen Outputs noch einmal hervor geholt. Imme rnoch stark!

Humility
Magic City(!)
Souk Eye(!!)

Ituri

2018-12-10 10:53:47

Wächst und wächst...starkes Album

Mister X

2018-08-15 22:45:53

das glockenspiel bei lake zurich hat man vorher schon bei tapes von lcd und davor von rapture gehoert. wie oft noch ?

Felix H

2018-07-13 09:30:34- Newsbeitrag



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